Spannender Ausflug in die Eisenbahngeschichte

Am 10. Oktober 2026 wird im Tunnel der Überwaldbahn nochmals der wundervolle Vortrag von Andreas Arnold angeboten. Wir hatten bereits im Mai darauf hingewiesen, und eine tolle Rückmeldung von Organisator Zukunftsoffensive Überwald GmbH (ZKÜ) zeigt uns, daß die Ausflugstipps im Durchblick Anklang finden: "dass der Durchblick und die enthaltenen Events im Lautertal so großen Zuspruch finden, war mir nicht bewusst. Erfreulicherweise hatte diese große Resonanz – denn heute wollten sich gleich zwei Gäste für die Tour anmelden!" schrieb eine Mitarbeiterin der ZKÜ.

Wir selbst waren im Mai bei der Führung dabei (Kurzbericht darüber im Septemberheft 2026), und weil wir glauben, daß nicht nur die Ausflugstipps, sondern auch das Thema Eisenbahn immer große Beliebtheit haben, folgt hier ein längerer Nachbericht. Gerne nehmen wir als Leserbrief auch den Erfahrungsbericht oben genannter zwei Gäste ins nächste Heft (Zuschrift an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. Betreff "Tunnelführung")!

Die Überwaldbahn

In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts - die Industrialisierung war in vollem Gange - wurden überall Eisenbahnstrecken errichtet, oder wenigstens Projekte entwickelt. Lautertal und Modautal gingen dabei leer aus, obwohl die - damals noch sehr aktive - Steinindustrie in Lindenfels und im vorderen Odenwald energisch dafür plädierte. Anders im Überwald: 1901 fuhr der erste Zug auf der Überwaldbahn auf der Strecke Mörlenbach - Kreidach - Wahlen. Der Grund für die Station Wald-Michelbach war die Verladung von Manganerz aus der Grube Ludwig in Wald-Michelbach. Bislang mußte das Erz mit Ochsenkarren nach Weinheim oder Hirschhorn gebracht werden. Auch die Sandstein- und Granitsteinbrüche der Region profitierten letztlich von der Überwaldbahn. Man beschäftigte beim Bau der Bahn vor allem Spezialisten aus Italien: die Mineure. Ihre Namen findet man heute noch im Odenwald.


Nach dem 1. Weltkrieg wurde die Manganproduktion eingestellt, weil sie nicht mehr rentabel war. Die Überwaldbahn erlitt im Krieg etliche Zerstörungen, denn man brachte in Tunnels gern Munitionszüge unter. Eine Zuggarnitur mit Schiffsmunition stand auch in dem Tunnel, in dem wir 2026 dem Vortrag lauschten. Drei Jahre lang war der Tunnel damals durch eine Explosion nicht befahrbar, allerdings wurde sie ausgelöst von "Polen", die Sprit gestohlen haben, aber perfekt Ourewällerisch gesprochen haben.
Nach der Wiederherstellung war die Überwaldbahn noch eine ganze Weile in Betrieb - die letzte Fahrt mit einer Dampflok war bis 1967. Danach fuhr bis 1983 der rote Schienenbus und bis 1994 wurde die Strecke mit Güterverkehr befahren; mehr wollen wir hier aber nicht mehr verraten, denn selbst Erleben ist besser als Hörensagen...

Noch ein spannender Ausflug: auf der Hafenbahn in Frankfurt

Im September 2026 fanden an vielen Orten die Tage der Industriekultur Rhein-Main statt, so auch eine Fahrt der Kranichsteiner Museumsbahn (bahnwelt.de) zum Frankfurter Osthafen auf der historischen Hafenbahn. Historisch wurde auch gefahren: mit der Dampflok 23 042. Für die Fahrt wurden drei Tonnen Kohle verbraucht, die Tonne kostet aktuell 800 Euro und kommt aus Übersee - aber manchmal nimmt man ein bißchen Feinstaub doch gerne in Kauf! Die Fahrt war - wie alle Kranichsteiner Fahrten - ein Genuß...
Aber: in finanzschwachen Kommunen wird zuerst an der Kultur gespart. Die Stadt Darmstadt zog aus diesem Grund ihre Beteiligung an der Route der Industriekultur Rhein-Main zurück. Damit jedoch hätte der Museumsbahnverein Kranichstein sich nicht an den Aktionstagen der Industriekultur beteiligen können, die wunderschöne Fahrt mit dem Dampfzug und historischen Waggons aus Museumsbestand zur Frankfurter Hafenbahn hätte nicht stattfinden können. Zum Glück sprang das Frankfurter Grünflächenamt ein, und so konnte die Fahrt stattfinden.
An mehreren Haltepunkten auf der Hafenbahn mitten durch die Main-Grünanlagen mit den Nizzagärten gab es interessante Informationen: zur Europäischen Zentralbank, zum historischen Druckwasserwerk am Westhafen, zur Ruhrorter Werft und zum Hafenpark am Osthafen. Der eiserne Steg durfte auch nicht fehlen.

Auf youtube gibt es einen ausführlichen Film von dieser außergewöhnlichen Fahrt: https://youtu.be/_fn14UVbwGc?si=sw-zsnmiRHwTdWYG 

Deshalb hier nur ein Foto von mir: Alt trifft neu: Blick vom historischen Waggonpodest auf den Zugverkehr in Frankfurt, im Hintergrund die Skyline.

Mehr über die nie gebaute Eisenbahn von Ober-Ramstadt bzw. Bensheim nach Lindenfels finden Sie in meinem blauen Jahrbuch "Spinnstubb 2.0" Nr. 1 

M. Hiller