Erzreichtum im Odenwald
Angeblich sind ja die Hügel des Odenwaldes entstanden, als der eine Felsenmeer-Riese auf der Suche nach Edelsteinen für seinen Schatz alles durchwühlt hat. Tatsächlich finden sich in diesem kleinen Gebirge fast alle Edelsteinarten. Wichtiger für die Menschen war jedoch Metall: Eisen, Kupfer, Silber, Blei. Eisenerz wurde schon früh geschürft: die ältesten Belege stammen aus dem 8. Jahrhundert n. Chr., zum Teil fand man es in Erdlöchern, sogenannten Pingen, oder man grub flache Schächte, selten weiter als 10 Meter abgeteuft.Während Silber, Blei und Kupfer meist im kristallinen Odenwald abgebaut wurden, grub man im Sandsteinodenwald nach Eisenerz, Mangan und Schwerspat.
Geht man suchenden Blickes über bestimmte Äcker, wenn sie frisch gepflügt sind, findet man an manchen Stellen im Odenwald Steine mit Granateinschlüssen, Manganknollen oder auch Schwerspatbrocken. Schon im Lorscher Kodex wurde anno 773 die Mark Heppenheim beschrieben, demnach zog sich die Grenze von der Bergstraße und den Felsberg hinauf zum Winterkasten auf der Neunkircher Höhe und weiter zur Arezgrefte, was schlicht Erzgrube heißt. Lange vermutete man, daß diese Arezgrefte bei Erzbach (Nomen est Omen!) lagen, heute ortet man sie eher am Fuß des Kahlberges bei Fürth-Brombach.
Viele Orts- und Geländenamen im Odenwald künden von der mittelalterlichen Bergbautätigkeit. (Jochen Babist, Anthropogene Geländemorphologie des Bergbaureviers Weschnith bei Fürth im mittleren Odenwald, Tagungsband Mining and Cultural Landscape 2013 S. 72ff)
Mittelalterliche Pingengrabung als Reifenschacht
Eine Besonderheit wurde beim letzten Arbeitstreffen zur Montanarchäologie im Mai 2013 in Reichelsheim vorgestellt: eine Pingengrabung mit Reifenausbau. Wie bei einer Brunnengrabung wurde von oben in die Erzlagerstätte hineingegraben und die Schachtwände jeweils mit Reifen aus jungen Buchen- und Birkenästen versehen, die durch angespitzte senkrechte Pfähle fixiert wurden. Mit Flechtwerk, Birkenborke und Birkenlaub wurden die Schachtwände dann abgedichtet. Untersuchungen des Fundes bei Rohrbach ergaben, daß zu jener Zeit (die noch nicht genau datiert werden konnte) im Odenwald eine Birken-Niederwaldwirtschaft betrieben wurde, das heißt man erntete die jungen Birkenstämme als Stangenholz ab, so daß die Baumstrünke immer mehr neue Stangen trieben. Alte Hackwaldbestände (= Niederwald) findet man z.B. noch um das alte Bergwerk in Bergfreiheit (Kellerwald), wo einst die sieben Zwerge ihr Schneewittchen umhegten - kein Märchen: historische Quellen belegen, daß nach dem 30jährigen Krieg hier zwei Schichten zu je sieben Bergleuten und ein Weibsbild tätig waren. Alte Bergwerke findet man im Odenwald viele, so auch in Reichenbach. Hier wurden über 40 verschiedene Mineralien gefunden, auch Silber. Leider war das Lager nie sehr ertragreich, und heute liegen die Schlacken in der Barriere am Reichenbacher Wasserreservoir. Das legendäre Reichenbacher Gold aber lebt in den Köpfen der Menschen, und am Borstein sowie gegenüber am Katzenstein und Hohenstein tritt es noch leibhaftig als wunderschöner Quarz zutage. Im Bergbau spricht man übrigens von Schießen, wenn gesprengt wird. Vor Erfindung des Sprengstoffes mußten die Bergarbeiter per Hand in gebückter Haltung mit Eisen und Schlägel (= Hammer und Meißel) den harten Fels bearbeiten. Pro Tag schaffte ein Bergmann auf diese Weise 2-3 Zentimeter Vortrieb.
In der Grube Marie etwa wurden insgesamt während der gesamten Betriebszeit nur drei Kilogramm Silber gefördert.