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Rißzeichnungen des Felsberges...

...und der Reichenbacher Kirche von Geometer Johann Wilhelm Grimm (1703-1778); Vortrag von Marieta Hiller während der 73. Neustädter Tagung des Breuberg-Bundes am 28. September 2024

Vorbemerkung: meine Arbeit über Johann Wilhelm Grimm hatte ich bereits im Sommer 2021 als Textbeitrag für die Quartalszeitschrift DER ODENWALD des Breuberg Bundes zusammengestellt. Da eine Veröffentlichung jedoch aufgrund langfristiger Planungen durch Winfried Wackerfuß noch lange dauern sollte, habe ich alles etwas volkstümlicher umformuliert und in meinem Jahrbuch 2021 veröffentlicht. Das Inhaltsverzeichnis finden Sie hier: https://odenwald-redaktion.de.de/index.php/ihr-durchblick/in-eigener-sache/5115-das-durchblick-jahrbuch-spinnstubb-2-1.html und die Bezugsquelle hier: https://odenwald-redaktion.de.de/index.php/ihr-durchblick/in-eigener-sache/3334-das-durchblick-jahrbuch-spinnstubb-2-0.html. Vier Jahre später meldete sich Herr Wackerfuß, ob ich bei der Tagung im September einen Vortrag dazu halten möchte, und auch der Textbeitrag sollte dann in die Zeitschrift kommen.
Also habe ich den Text gekürzt und um Neues ergänzt für die Zeitschrift aufbereitet und im August auf den Weg gebracht.
Und dann fand ich beim Aufräumen einen bisher unveröffentlichten Beitrag von Georg Grohrock! Jetzt muß ich zunächst seine Kinder fragen ob ich seinen Beitrag veröffentlichen darf, denn Grohrock ist 2019 gestorben. Aber in meinen Vortrag habe ich ein paar Zitate eingebaut, so daß der Vortrag ganz anders wurde als der Textbeitrag. Aus diesem Grund ist der Vortrag hier zu lesen. Marieta Hiller

Der Vortrag

Es ist noch früh am Tag, deshalb fange ich am Anfang an: als die Menschheit seßhaft wurde, erwarb sie eine attraktive neue Möglichkeit. Es mußte nicht mehr alles weggeworfen werden. So kam das Aufräumen in unseren Alltag.
Beim Aufräumen stieß ich auf einen Korrekturausdruck des Gadernheimer Geometers Georg Grohrock aus der Zeit nach 2001 und vor seinem Tod am 16. August 2019. Der Einleitungssatz dieses - offenbar bislang unveröffentlichten - Aufsatzes gibt die grundlegenden Anliegen einer Historikerversammlung wie dieser wider.

Noch herauszufinden ist, wo die erwähnten drei Bände der Rechnungsbücher aufbewahrt werden, um Grohrocks Arbeit veröffentlichen zu können.
Georg Grohrock nahm uns im Jahr 2000 zu einer Führung durch die Neunkircher Höhe mit (die seiner Ansicht nach Gadernheimer Höhe heißen müßte). Er zeigte uns Hügel aus Lesesteine, die ein Beleg dafür waren, bis auf welche Höhe man früher Landwirtschaft betrieb. Seither hat mich das Thema nicht mehr losgelassen, wie sich eine historische Kulturlandschaft durch Besiedelung und Industrialisierung wandelt.
Der Geometer Grohrock führt uns zu einem anderen Geometer: Johann Wilhelm Grimm, der in Reichenbach wirkte. Grimm lebte von 1703-1778 und wurde in Reichenbach beerdigt, sein Grabmal jedoch ist nicht mehr auffindbar.
Auf Johann Wilhelm Grimm wurde ich aufmerksam, als Günther Dekker im Jahr 2020 seine Neuherausgabe des Felsberg-Buches von A. v. Cohausen vorstellte: auf der Rückseite des Werkes ist die   Grimm-Karte aus dem Jahr 1763 abgebildet.   

Bild 2 Cohausen
Bild 3 Grimmkarte 1763

Grimms punktgenau vermessene Kartenzeichnung - die erste ihrer Art - zeigt den Felsberg und den Ort Reichenbach mit Feldern ringsum reizte mich. Grimm setzte zur Kartierung erstmals die Methode der Triangulation ein, und seine Karte ist bis heute Grundlage für moderne Katastervermessungen. Dies wird bei einer Übereinanderlagerung der Grimmkarte mit aktuellen Katasterdaten deutlich. Mitarbeiter des Berufsverbandes der Vermesser, Bezirksgruppe Darmstadt waren im April 2021 so freundlich, die beiden Karten übereinanderzulagern.

Bild 4 Überlagerung hvbg Hessen

Im Folgenden soll es um „Die Rißzeichnungen des Felsberges mit dem Ort Reichenbach und der Reichenbacher Kirche des Geometers Johann Wilhelm Grimm (1703-1778)“ gehen. Jedoch folgen hier auch weitere Erläuterungen zum Leben und Arbeiten eines Geometers vor 250 Jahren sowie um die Sage vom Streit um den Felsbergwald.

Grimm fertigte für das Amt Schönberg aus fiskalischen Gründen zahlreiche Karten an. Die zuvor gültige Haingerichtsordnung wurde im 17. Jahrhundert durch eine genauere Beschreibung abgelöst, da sich - aufgrund von Bevölkerungswachstum und Grundstücksteilungen - Steuer-ungerechtigkeiten häuften.
Zuvor reichten einfache Niederschriften von Selbstangaben, persönlicher Übereinkunft und Bezeugungen zur Definition von Geländestrukturen und Grenzen für Steuererhebungen.
Erste Steuerregister wurden im 16. Jh. aufgestellt.
Ab 1719 strebte das Amt Schönberg die Schatzungsrevision und Kartierung an, und der Amtsschreiber Grimm führte dies durch. Zuerst kartierte er - sozusagen als Probearbeit - das Dorf Hohenstein bei Reichenbach.

Bild 5 Hohensteintitel
Bild 6 Köppel

Es folgten die Erstvermessungen von Reichenbach, Gadernheim mit Lautern und Raidelbach, Seidenbuch und anderer Orte im Odenwald.



Für Reichenbach mit dem Felsberggebiet erstellte Grimm 1746 einen Entwurf mit Erläuterungen, den er 1763 als Reinzeichnung lieferte.

Bild 7 Grimmkarte 1746
Bild 8 Grimmkarte 1763

Die Erläuterungen beider Karten sind unterschiedlich, so daß ich mit Günther Dekker gemeinsam eine Übertragung der handschriftlichen Explicatio anfertigen konnte, die nur noch wenige unleserliche Lücken aufwies. Winfried Wackerfuß füllte noch weitere Lücken, so daß die Explicatio nun weitgehend komplett lesbar ist. Sie wird - mit Abbildungen der Grimmkarte und der Überlagerungskarte von 2021 im gedruckten Heft „Der Odenwald“ erscheinen.

Wie sah die Arbeit eines Geometers vor 250 Jahren aus? Welche Verhältnisse fand Johann Wilhelm Grimm auf den Ländereien in Reichenbach, Gadernheim und den anderen Dörfern vor? Wie lebte und arbeitete er, wie existierten die Menschen, die ja alle haupt- oder nebenberuflich Landwirtschaft betrieben?

Grimm lebte in Reichenbach mit seiner großen Familie  ab ca. 1734. Das Dorf Reichenbach hatte sich von den wenigen Huben und Häusern des Jahres 1455 bis zum Jahr 1700 auf 35 Bauernhofreiten mit 250 Seelen vergrößert. Daß die Häuser allesamt Hofreiten waren, auch das Pfarrhaus, ist zu erkennen auf dem Grimmschen Riß von 1736. Auch der Pfarrer betrieb also normalerweise Landwirtschaft, konnte dies jedoch aufgrund der Größe seines Kirchspiels nicht mehr leisten. Zu Grimms Zeiten (1741) gehörte die Hube daher zur Hälfte mit Hofreite und 21 Morgen Feld und Wiesen dem Landwirt Johann Georg Scharschmidt. Die andere Hälfte mit 22 Morgen teilte sich auf zwischen Andreas Beßinger und Andreas Jährling. Dem Pfarrer ging aus der Bewirtschaftung der große Zehnte zu.

Bild 9 Detail als Beispiel

Der Pfarrer durfte nicht mehr Vieh halten als ihm zustand. Da das Vieh auf Brach- und Waldweide getrieben wurde, hätte er sich durch mehr Vieh einen Vorteil verschafft, denn den Hirten zahlte die Dorfgemeinschaft. Drei Kühe, 1 Stierlein und 1 Kalb, 2 Gayl (Gäule) wurden ihm 1583 zugestanden. Selbst das auf dem Kirchhof wachsende Gras bot Anlaß zu Streitigkeiten, als der Pfarrer dafür Ziegen hielt. Dies sagt einiges über die Knappheit der Futtermittel jener Zeit aus.

Die Hofreiten lagen nahe beieinander um die Kirche gruppiert als Haufendorf. Gärten und Baumgärten (Bangert) umgaben die Häuser, und zu den Feldern hin schützte der Bannzaun, eine lebende Hecke, das ganze Dorf. Dieser war undurchdringlich für Wölfe, Rehe und Wildschweine und mußte von den Besitzern strengstens in Ordnung gehalten werden.
In Grimms Zeit fiel auch der Kirchenneubau im Jahre 1747. Das Rißbuch zu den Eigentumsverhältnissen der Reichenbacher Kirche mit angrenzenden Nachbargrundstücken konnte ich im Archiv der Ev. Kirchengemeinde Reichenbach abfotografieren. Darin findet sich auch die Zeichnung der früheren Kirche, erbaut um 1430.

Bild 10 Kirchenriß alt

Diese hatte ein quer zum Turm angeordnetes Schiff mit dem Eingang an der Westseite. So konnten die Gläubigen beim Betreten der Kirche am Sonntag morgen direkt ins von Osten - wo der Altar lag - einfallende Licht schauen. Um die Kirche herum lagen die Gräber auf dem eingezäunten Friedhof, westlich davon das Pfarrhaus mit Nebengebäude, südlich anschließend der Pfarrgarten, der umgeben war vom Obstgarten. Auf Grimms Zeichnung liest man umlaufend die Namen der Anrainer, beginnend an der Nordwestecke mit Johann Adam Gehron, es folgt „Gnädigste Herrschaftliche Hofgüther“ im Süden, östlich Johann Friedrich (unleserlich, auf der späteren Zeichnung erscheint hier Johann Nicel Gehrisch).

Für den Neubau der Kirche 1747 fertigte Grimm dieses Rißbuch an.

Bild 11 Buchdeckel

Die Kirche wurde in einem einzigen Jahr erbaut und präsentiert sich mit ihren roten Kanten aus Sandstein aus dem östlichen Odenwald als wichtiges Gotteshaus der damaligen Zeit: sie ist die erste große Kirche, wenn man aus Westen kommt, eigentlich ist sie für Reichenbach zu groß.

Bild 12 Kirchenriß neu

Ihre Mauern sind 1,2 m dick und aus Granit gebaut. Sie ist in Nord-Süd ausgerichtet und liegt mittig im umzäunten Bereich. An der nördlichen Kirchhofmauer sowie in der südöstlichen Ecke liegen Gräber. Das Pfarrhaus mit Hof liegt nordwestlich der Kirche, es folgen westlich die Pfarrgärten, südlich die Grundstücke von Johann Georg Dingeldein und Hans Peter Hochgenug. Östlich folgt das Gelände von Johann Nicel Gehrisch, nördlich des Kirchhofes die „Dorfstraß“. Die Besitzverhältnisse der Anrainer sind im Rißbuch detailliert dargelegt.
Es gibt keine Bauunterlagen für die neue Kirche, doch ist ihr Turm (34,46m hoch) etwas schief, wie sich herausstellte, als der Foto Amateur Club Reichenbach (FAC) bei der Vermessung herausfand. Dennoch ist die Kirche auf 5 cm genau gebaut und bei dieser Größe als Hallenkirche ohne tragende Säulen eine architektonische Meisterleistung. Die neue Ev. Kirche hat kein Patronat und verfügt nicht über eine Sakristei. Auf der Kanzel über dem Altar zeigt sich der gute Hirte mit seiner Stabschaufel zum Ausgraben giftiger Kräuter. Rechts des Altars befindet sich der Pfarrerstuhl, links der Fürstenstuhl (hinter Gittern). Das Allianzwappen der Fürsten Schönberg Battenberg ziert die Kirche.

Grimms Kartenreinzeichnungen weisen stets die im eingangs vorgetragenen Grohrock-Zitat erwähnten „Verschnörkelungen“ auf. Auch im Kirchenrißbuch ist die Explicatio sowie der Anhang und alle Beschriftungen in kalligraphierter Handschrift ausgeführt. So zeigt das rot eingefärbte Banner im Kopf der Rißzeichnung der neuen Kirche die Inschrift „Grund Riß Von der Reichenbacher Neuen Kirchen und Kirchhof (...) 25ten Juny 1749 ausgemeßen worden“.

Bild 13 Kirchenriß Detail Banner

Der Anhang „Einer Geometrischen Beschreibung von der in Reichenbacher Germackung gelegenen Haus Huben...“

Bild 14 Kirchenriß Anhang

Diese Doppelseite zeigt den Besitz von Johann Georg Schaarschmidt, das zu einer halben Hube zum Pfarrgut gehört.

Bild 15 Beispiel Schaarschmidt

Johann Wilhelm Grimm erarbeitete nicht nur die Grundlagen der späteren Katastererfassung, er fertigte auch Vorlagen für Behörden-Dokumente an. So stellt Georg Grohrock im eingangs erwähnten unveröffentlichten Beitrag fest: „Da alle drei geretteten Bände nach gleichem, wahrscheinlich von Geometer Grimm entworfenen Schema aufgestellt sind, ... Vermutlich waren die Gemeinde-Rechnungen aller Gemeinden der Grafschaft ähnlich aufgestellt.“

Doch zurück zu den Karten:

Der verwendete Maßstab basiert auf dem Nürnberger Schuh oder Fuß (=30,37cm). Für das Amt Schönberg, zu dem Reichenbach damals gehörte, wurde die Nürnberger Rute mit 16 Fuß verwendet, sie maß 4,859 Meter. Der Kartenmaßstab entspricht 1:1600.
Die Gemarkung wurde 1836 durch Geometer Schneider neu aufgemessen, dabei wurden die Koordinaten in Hessischen Klaftern (=2,5m) und Zoll (=2,5cm), bezogen auf den Nullpunkt Stadtkirchturm Darmstadt, angegeben. Georg Grohrock schließlich setzte die Koordinaten in das Gauß-Krüger-System um. Aufgrund der oft starken Abweichung der Himmelsrichtungsrosetten in Grimms Karte hält Grohrock es für unwahrscheinlich, daß Grimm mit der Bussole (= Präzisionskompaß) gearbeitet hat.

Der Norden hat es historischen Kartenzeichnern noch nie so besonders angetan: alte Karten sind „orientiert“, das heißt nach Sonnenaufgang (Osten) ausgerichtet. Osten ist also oben. Erst im 14. Jh. orientierten sich einige Kartenzeichner um und setzten Norden nach oben, als Araber den Magnetkompaß aus China einführten. Es dauerte jedoch noch ein paar Jahrhunderte, bis sich die wissenschaftliche Methode gegen religiöse Vorgaben durchsetzen konnte, und so nahm man es noch zu Grimms Zeiten im 18. Jahrhundert nicht allzu genau mit der Einnordung.

Die Vermessung im Gelände mit Hilfe der Meßkette wurde mit Dreiecken von 500-600 Meter Seitenlänge erstellt. Ob Geometer Grimm dazu mit dem Astrolabium oder der Bussole arbeitete, ist also nicht klar. Jedenfalls sind seine Karten keine Meßtischblätter, da die endgültige Umsetzung ja nicht im Gelände am Meßtisch, sondern zuhause in seiner Reichenbacher Wohnung erfolgte.

Bereits 100 Jahre früher wurde die Grafschaft Erbach mit angrenzender Herrschaft Breuberg und anderen benachbarten Orten durch Bernhard Cantzler (ca. 1563-1626, er war u.a. Keller in Michelstadt) kartiert, jedoch nicht nach der Methode der Triangulation oder Dreiecksmethode.
Ab 1719 erfaßte Grimm für das Amt Schönberg Wald, Wiesen, Äcker und Gärten nach Dreiecksmethode,  die Parzellenvermessung ist 1745 abgeschlossen.
Der Begriff „Tractus“ ist lateinisch für „gezogen“: zwei Kettenzieher zogen zwischen zwei mit Stäben bzw. Fähnchen markierten Punkten eine Meßkette von 14,6 Meter Länge stramm. Dies war die kürzeste Verbindung zweier vorher durch die Anrainer und den Aufsichtshabenden der Herrschaft abgesteckter Grenzmarkierungen. Die Traktus-Risse wurden in den Gemeinden in einer mit einem Schloß verwahrten Blechbüchse aufbewahrt.

Im Auftrag der Fürstenauischen Regierung entwarf Grimm 1749 ein ausführliches Vermessungskonzept als Richtlinie für geometrische Kartierungen. In seiner Instruktion sind Pflichten und Rechte des Auftraggebers und des Geometers verzeichnet. So ist das Papier vom Auftraggeber zu stellen, außerdem Sorge zu tragen daß alle Marksteine freigelegt werden und Grenzstreitigkeiten dokumentiert bzw. beigelegt werden. Kettenzieher und Träger werden gestellt, Lohn und Verköstigung getragen. Der Geometer dagegen zieht auf eigene Kosten zusätzliche Arbeiter hinzu und trägt die komplette Haftung. Karlheinz Rößling legte 1992 in seinem
Beitrag „Frühe Parzellenvermessungen im Odenwald - am Beispiel des Geometers Johann Wilhelm Grimm (1703-1778) in der Grafschaft Erbach“ in: Beiträge zur Erforschung des Odenwaldes und seiner Randlandschaften Band V, Breubergbund
im Einzelnen dar, welche Schwierigkeiten Grimm mit „der Regierung“ - sprich dem Auftraggeber - und den Untertanen hatte. Anstehende Zahlungen wurden sehr zögerlich vorgenommen, Papier wurde nicht pünktlich und im richtigen Format geliefert, und über die Untertanen schreibt Grimm, daß der Unverstand von Gemeinden und Untertanen zu beklagen sei, diese sähen den Nutzen seiner Arbeit nicht ein. Kein Wunder:  durch die durchgängige Umstellung der Bemessung eines Morgens von früher 180 Ruten auf 160 Ruten fühlten sich die Ansässigen steuerlich übervorteilt, und die Gemeinden hatten die Vermessungskosten anteilig zu tragen. Grimm sprach hier von Halsstarrigkeiten.

Zur Entlohnung zitiert Rößling einen umfangreichen Briefwechsel. So seien im Amt Schönberg und im Kurpfälzischen Lindenfels Papier, Schreibmaterialien, Farben von den Untertanen beschafft worden. Im Amt Fürstenau habe er nach mehrjähriger Tätigkeit nichts profitiert, während er im Amt Schönberg und Lindenfels stets Logis und Holz frei hatte. Die Pfalz zahlte ihm sogar monatlich 3 Gulden, Schönberg stellte monatlich einen Klafter Holz, das entsprach 4 Gulden. Grimms jährliche Kosten für Quartier und Holz lagen bei 30 Gulden. Für seine Arbeit im Fürstenauischen waren ihm Außenstände von 100 Gulden entstanden. 1757 schließlich versucht Grimm wenigstens noch seine Auslagen einzufordern: bei den Grundrissen von Langen-Brombach, Weitengesäß, Ober-Finkenbach, Falkengesäß und Airlenbach reduzierte er seine Forderungen um ca. 30%.

Grimms Instruktion aber, wie die Vermessung vorzunehmen ist, wurde schnell zum Standard der Kartografierung, nach dem ersten Büchlein „Vom Feldmässen“ von Bernhard Cantzler 1622.
1750 gab es bereits das Fach Feldmeßkunst am Pädagog (Gymnasium) in Darmstadt.

Exkurs
Der Felsberg und der berühmt gewordene Streit um den Felsbergwald

Lange bevor man die römerzeitliche Bedeutsamkeit des Felsenmeeres erkannte, und lange bevor das Felsenmeer zur touristischen Attraktion wurde, machte der Wald rechts und links des Blockstroms von sich reden: immer wieder kam es zu Streitigkeiten über die Waldnutzungsrechte.
Im Laufe der Zeit hatten sich, insbesondere durch die Bevölkerungsentwicklung, enige Ortschaften aus der karolingischen Basinsheimer Marca, der Mark Bensheim, herausgelöst und eine eigene Gemarkung gebildet. Nur der Wald blieb gemeinsames Gut zur Nutzung als Bauholz und Brennholz und als Viehweide für Schweine, Kühe und Ziegen. Rivalitäten um die Waldnutzung blieben nicht aus, vor allen Dingen im 15. Jahrhundert, als es zwischen Reichenbach und Bensheim zu einem Streit kam. Dabei wurden Beschuldigungen ausgesprochen, es entbrannten regelrechte Kämpfe und Schlägereien, es kam zu Viehpfändungen.
Eine Sage berichtet davon, wie Bensheim und Reichenbach einen Prozeß um den Felsbergwald führten: beide behaupteten, der Felsbergwald sei ihr alleiniges Eigentum. Lange Zeit beschäftigte man Advokaten, bis endlich beschlossen wurde, daß jede Partei sechs Männer bestimmen sollte, die auf dem Bensheimer Rathaus den Streit schlichten sollten.
Bis dahin sah es nach einer möglichen Einigung aus: die Bensheimer sollten die obersten Märker sein, die Reichenbacher lediglich Inmärker, die sich mit Bensheim zu arrangieren hätten. Jene wiederum sollten den Reichenbachern den Felsberg nicht verbieten.

Dieses auf dem Papier salomonische Urteil wurde durch die traditionell auf Grenzgänge folgende Zeche zunichte gemacht, wenn man der Sage Glauben schenken darf: als die Reichenbacher Gemeinderäte gelobt hatten, die Belange ihrer Mitbürger auf das beste zu vertreten und auf dem Bensheimer Rathaus vorsprachen, hatten sich die Bensheimer mit einem Fäßlein ihres besten Weines zum Frühtrunk gerüstet.
Während der Verhandlungen tranken die Bensheimer ihren Gegnern solange zu, bis diese von dem Recht ihrer Gastgeber ganz überzeugt waren und den größten und schönsten Teil des Waldes den Bensheimern zusprachen.

Die Gemeinde Reichenbach war so schändlich betrogen worden, die schlechten Gemeinderäte wurden ihres Amtes enthoben und die Sage berichtet, daß sie bis auf den heutigen Tag keine Ruhe im Grabe gefunden haben. Im Advent sollen sie aus ihren Gräbern steigen und im Felsbergwald umhertanzen, der durch ihre Schuld zur Bensheimer Gemarkung gehört. Als Irrwische seien sie bis in die Straßen von Reichenbach gekommen, wo  sie vor den Fenstern der Leute herumtanzten und sich balgten daß die Funken flogen.

Auch in späteren Jahren berichten die Chroniken immer wieder von Prügeleien, der Geiselnahme einer Kuh und Holzdiebstahl. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gipfelte der Streit im so genannten „Holzkrieg“ zwischen Bensheim und Reichenbach, dahinter standen zwei Territorialmächte: hinter Bensheim stand Kurmainz und hinter Reichenbach Kurpfalz bzw. die Grafen von Erbach, die im benachbarten Schönberg residierten. Zur Wahrung des Friedens mußten auf dem Felsberg 24 kurpfälzische Reiter mit Karabinern stationiert werden. Am 7. Mai 1767 meldete der Bensheimer Schütz Heeb, daß die Reichenbacher am Hauptgrenzstein des Felsberges das Kurmainzer Wappen abgeschlagen hätten. Im September wurde Heeb mit und einigen Holzlesern bei der Begehung des Felsbergwaldes von den kurpfälzischen Reitern mit bloßem Säbel attackiert.
Endlich konnte am 20. Dezember 1815 die Teilung urkundlich festgeschrieben werden. Und als im letzten Jahrhundert die Landesregierung in Wiesbaden verfügte, daß der Felsbergwald zu Reichenbach gehören soll, machte der Bensheimer Bürgermeister Stolle keine Einwände geltend. So ändern sich die Zeiten.
Der vorliegende Plan des Felsbergwaldes wurde für die Gräflich Erbachische Rentkammer durch den Geometer Grimm 1763 angefertigt und fällt damit in die Zeit des „Holzkrieges“ zwischen Bensheim (Kurmainz) und Reichenbach (Kurpfalz = Erbach).

Bild 16 Grimmkarte 1763

Gezeichnete Details in dieser Karte: Felsen mit römischen Bearbeitungsspuren und
Baum-individuen.

Bild 17 Felsberg-Detail

Am Beispiel von Tractusriß 10 zeigen sich deutlich die eingezeichneten Meßpunkte, zwischen denen die Kette gezogen worden war.

Bild 18 Felsberg Tractus 10



Erstmals in kartografisch korrekter Lage gezeichnet wurde die Riesensäule vom Geometer Johann Wilhelm Grimm

Bild 19 Grimm Riesensäule

Allerdings stellte Grimm die Riesensäule stark vergrößert dar, damit sie im Kartenmaßstab erkennbar wird.

Bild 20 Foto Riesensäule

Die Zeiten nach Grimms Tod waren weiterhin von Kriegen bestimmt, jedoch wurden die hier beschriebenen Dörfer davon nicht so stark betroffen. Grimm starb 1778, und 1813 wurde im Land Hessen die Leibeigenschaft abgeschafft. Damit ergaben sich für die Bevölkerung ganz neue Entwicklungsmöglichkeiten. Bereits zu Grimms Zeiten nahm die Bevölkerung stark zu, es gab immer mehr bäuerliche Kleinbetriebe im Nebenerwerb und weniger Großbauern.
Weitere Kriege und Hungerjahre folgten und führten zu Teuerungen, so daß sich bald nur noch Großbauern das Saatgut leisten konnten.

Grimms Nachfolger im - inzwischen errichteten - Großherzogtum Hessen wurde der Historiker Georg Wilhelm Justin Wagner (1793-1874), er erstellte 1829 eine Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogtums Hessen.
Eine weitere karthographische Vermessung der Lautertaler Ortschaften wurde nicht von Wagner, sondern von Geometer Schneider vorgenommen (1836). Nachdem 1803 und 1815 neue territoriale Gebiete wie Starkenburg zu Hessen-Darmstadt gekommen waren, wurde die erneute Vermessung auf der Basis der Grimmsschen Arbeit erforderlich.

Bild 21 Schneider-Flur 1

Um die erste Klammer um meinen Vortrag zu schließen:

Georg Grohrock vermerkt, daß sich 100 Jahre nach dem Ende des 30jährigen Krieges die Bevölkerung soweit erholt hatte, daß in Gadernheim „alle Äcker und Wiesen bis auf Höhen von 550m ü. NN am Westergiebel, gegen Neunkirchen sowie zwischen Kaiserturm und der Kolmbacher Grenze wieder in landwirtschaftliche Kultur genommen waren.“
    Georg Grohrock,  Der Geometer Johann Wilhelm Grimm (1703-1778) und seine Arbeiten
    in Reichenbach und Umgebung, Geschichtsblätter des Kreises Bergstraße (GKB) 34, 2001

Grohrock führt als Beleg für die weitgehende landwirtschaftliche Nutzung der Flächen an, daß Grimm zum Einsatz des Dreiecksnetzes zur Vermessung freie Sicht benötigte, der Baumbestand dürfte danach eher schwach gewesen sein. Mit der Abschaffung der Dreifelderwirtschaft Mitte des 18. Jahrhunderts blieb der größte Teil des offenen Landes noch in der Ackernutzung, Wiese fand sich nur in Bachniederungen, wo man nicht pflügen konnte.

Hecken, Gemüseäcker und Obstwiesen umgaben die Dörfer, ganz weit hinaus lagen die Wälder, bei weitem nicht so ausgedehnt wie heute. Das zeigt auch eine Beschreibung im eingangs erwähnten Werk des A. Von Cohausen zum Felsenmeer:
Die Riesenkiste „liegt unweit des Ausgangs des Waldes“ (die auf 350 m Höhe westlich der früheren Felsenmeer-Brücke etwas oberhalb und verborgen gelegene Riesenkiste wird bei Cohausen als „Die Kiste“ bezeichnet (S. 28 Nr. 10 Fig. 26). Heutzutage liegt die Riesenkiste mitten im Wald, während die Feldflur erst unterhalb 280m Höhe beginnt.

Bild 22 Foto Riesenkiste

Weitere Grimm-Karten

Von Gadernheim, Lautern und Raidelbach stellte Johann Wilhelm Grimm 1751 eine Karte her, sie liegt im Staatsarchiv Darmstadt unter Signatur P_1#2170.

Bild 23 Grimmkarte Gadernheim-Lautern-Raidelbach

Grund Riß von denen Hochgraeflich Erbachischen Dorffschafften und Gemarckungen Lautern, Gadernheim und Raidelbach

Bild 24 Grimmkarte Gadernheim von 1763, HStAD, P 1 Nr. 609

Grundriß von einigen in Elmshäuser Gemarkung gelegenen Stücker Feld und Wiesen, so sich am Heidenfeld benennet, von welchen folgendes expliziert wird

Bild 25 Welzbacher 1890

Karte des nördlichen Theiles des hess. Odenwaldes und der Bergstrasse zwischen Odenwald-Bahn und Main-Neckar-Bahn,
Maßstab 1:80.000  HStAD P 1 Nr. 1522/1-2 - hier hat die Industrialisierung mit der Kartierung der Bahnstrecken bereits Zeichen gesetzt. Die Karte wurde um 1890 in der Lithographenanstalt Welzbacher in Darmstadt gedruckt.

Bild 26 Felsbergwald 1896

Übersichts-Karte des Felsbergwaldes in der Gemarkung Reichenbach: Mit dem von mir aufgestellten Originale verglichen und ergänzt, Bensheim am 8. Mai 1883 gez. [Heinrich] Bickhardt, Gr[o]ßh[erzog]l[icher] Geometer I. Kl[asse]; Für die Richtigkeit der Abschrift, Bensheim, dem 19. Februar 1896 [Wilhelm] Wamsser, Gr[oßherzoglicher] Geometer II. Kl[asse].
Maßstab 1:5000



Die zweite Klammer um meinen Vortrag

Die Rißzeichnungen Grimms waren so exakt, daß Georg Grohrock mit einem deutlich lesbaren Seufzen vermerkte:
„Der Verfasser wäre 1949 froh gewesen, wenn ihm die Grimmschen Karten beim Aufsuchen fehlender Grenzsteine zur Verfügung gestanden hätten“.
Als Grohrock die Grimmkarten endlich vorlagen, stellte er fest daß alle Details so genau eingezeichnet waren, daß mit ihrer Hilfe alle 271 Gadernheimer Gemarkungsgrenzsteine auffindbar waren. Lediglich die Richtungsrosetten zeigten eine zum Teil starke Abweichung von der Einnordung. Und Karlheinz Rößling stellt zu unserer Zeit fest: die Einzelrisse fügen sich nahtlos aneinander, Grimm hat mit großer Genauigkeit gearbeitet.

Die dritte Klammer um meinen Vortrag

Zwei Geometer: Johann Wilhelm Grimm im 18. Jahrundert, kurz vor Einsetzen der Industrialisierung - und Georg Grohrock, der intensiv zu Grimm geforscht hat und am Ende des 20. Jahrhunderts bereits den Landschaftszustand postindustrieller Prägung konstatieren mußte.
Zwischen beiden liegen wenige Jahrzehnte, die unser aller Leben grundlegend verändert haben - gemessen am langen Zeitraum seit der Seßhaftwerdung der Menschen.

Beispiel Reichenbach:
1455: 11 Huben, 3 Hofstätten, ein Erbleihhof, 6 Häuser (darunter die Creyß-Mühle)
1700:  35 Bauernhofreiten mit 250 Seelen
1806: 60 Häuser mit 545 Seelen
1836: 122 Häuser - die neu entstandenen Häuser waren keine Bauernhöfe, sondern kleinere Häuser von Handwerkern, Taglöhnern und Händlern.
Ortsbürgerregister 1839: 48 Landwirte, 125 Taglöhner, 18 Schuster, 15 Maurer, 10 Leineweber, 7 Grobschmiede, 3 Nagelschmiede
1840 Bau der Provinzialstraße,  neues Rat- und Schulhaus; viel Zuzug von auswärts
1841:  Kupferbergwerk Hohenstein
1852: Blaufarbenfabrik Marienberg
1854: Pappdeckelfabrik Tempel
1880: Steinmetze aus dem Fichtelgebirge wandern zu und nehmen im Felsberg die Arbeit auf
Das Bauerndorf Reichenbach wird endgültig zum Industriestandort.
1936 besteht die Bevölkerung zu 70% aus Arbeitern und 30% Landwirten.

2024: die Solidarische Landwirtschaft Hoxhohl könnte auf einem 3/4 Hektar Land (= 10.000 m² oder ein Feld mit 100x100 Meter Seitenlänge) mit 70 verschiedenen Kulturen das gesamte Dorf Klein-Bieberau (350 Einwohner) mit Biogemüse versorgen. Landwirtin Vivian Glover: „Das würde natürlich auch in Ernsthofen, Asbach, Neutsch oder sonst wo funktionieren.“



Dezentralisierung als Möglichkeit, in unserer postindustriellen Epoche eine gesunde, regionale und saisonale Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten, muß in die Konzepte künftiger Entscheidungen einfließen.
Sei es im Getreideanbau (es gibt im Odenwald noch zwei Mühlen!) oder in der Weidewirtschaft (Heu muß aus der Pfalz zugekauft werden), es wäre an der Zeit, aktuelle Strukturen im Hinblick auf historische Nutzungen zu überprüfen.

Johann Wilhelm Grimm und Georg Grohrock haben uns gezeigt, worauf zu achten wäre.

Schlußsatz:

inzwischen sind vier Jahrbücher meiner Reihe „Spinnstubb 2.0“ erschienen. In drei Jahrzehnten Monatszeitschrift Durchblick kam etliches zusammen: jeden Monat erschien ein heimatkundliches Thema aus den Dörfern des Odenwaldes, besonders aus Lautertal und Modautal.
Immer war es so, daß ich wesentlich mehr Material entdeckte, als auf den kostbaren Platz im Heft paßte. Daher nutzte ich das Internet, um die Beiträge in ausführlicher Form zu veröffentlichen. Die digitalen Durchblickseiten erhielten Verstärkung durch die Odenwaldredaktion.
Hier konnte ich alles veröffentlichen, was nicht ins Heft paßte. Doch eine Internetseite ist nichts Bleibendes, ein Buch dagegen schon. Deshalb habe ich das Beste in den Jahbüchern „Spinnstubb 2.0“ veröffentlicht.
Um Kartografie geht es in den Kapiteln dieser Bände:
No. 1 - 2021: Geometrische Kartografie und Landwirtschaft vor 250 Jahren
Der Beginn der Landvermessung im Odenwald und die Karten von Johann Wilhelm Grimm
No. 2 - 2022: Felsenmeer & Felsberg: Tourismus oder Naturschutz?
Alles über das Felsenmeer - mit der Riesensage!
No. 3 - 2023: Wichtigste Quelle für frühere Besiedlungen: die Kartografie
und endlich im Druck herausgegeben: Auszüge aus der handschriftlichen Kladde
von Geometer Philipp Buxbaum „Die Flurnamen von Starkenburg“ aus dem Jahr 1960
No. 4 - 2024: Was kam zuerst: die Seßhaftwerdung, die Ernährungsumstellung oder die Mühle?
Alle Inhaltsregister sowie umfangreiche Literaturangaben finden Sie auf meiner Internetseite.

Ich danke den Mitarbeiterinnen des Rathauses Reichenbach und der Ev. Kirchengemeinde Reichenbach, in deren Archiven ich die Rißbücher von Johann Wilhelm Grimm abfotografieren durfte.

Ich danke Ihnen für Ihre Geduld und Ihr Interesse.

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31. März 2026

Mit den Blütenwegjazzern auf der Donau unterwegs - ein Reisebericht

Im Januarheft 2025 des Durchblick erschien das Inserat von Reiseberaterin Tanja Formatschek erstmals mit dem Angebot der Donaureise mit den Blütenwegjazzern, und wir meldeten uns sofort an. Denn es sollte zwei Konzerte an Bord der Arosa Bella geben! Tatsächlich waren es dann doch eher drei, denn für das Gruppenfoto, das Tanja von all ihren Reisen macht, traf man sich auf dem Achterdeck. Wir waren eine ganze Gruppe aus dem Odenwald und dem südhessischen Raum, und damit das Foto auch gut wird, spielten die Blütenwegjazzer einfach mal kurz auf. 
Auf diesem Foto sieht man neben der "Mein-Urlaubsglück"-Gruppe von Tanja auch, daß hier drei Donaukreuzfahrtschiffe nebeneinander am Pier lagen. Denn schon am dritten Tag waren wir in Wien gestrandet. Die Donau hatte Niedrigwasser, so daß es für die Richtung Budapest folgenden Schleusen nicht genügend Wasser gab und die Schiffe nicht passieren konnten. 

12. November 2025
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Bücher kauft man vor Ort und nicht in jenem fernen Buchhändlerfresserland

Warum die kleinen Buchhandlungen unsere Hilfe brauchen

Geht es euch auch so: eure Lieblingsbuchhandlung im Ort (oder im Nachbarort) hat mangels Nachfrage für immer ihre Türen geschlossen? Wer hat schuld? Das Internet mit seinen großen Megashops? Oder vielleicht wir selber - die wir bequem am PC unsere Bücher und CDs bestellen? Ich verrate euch etwas: die Buchhandlungen in der realen Landschaft, sei es in Ober-Ramstadt, in Brensbach, in Bensheim, Michelstadt, Bad König, Fürth oder Darmstadt, sie alle können das gleiche leisten wie die Großen, zum gleichen Preis! Sie unterhalten allesamt ihren eigenen Internetauftritt und schicken genauso praktisch und bequem auf Mailbestellung das Gewünschte mit der Post ins Haus. Es macht also für euch keinen Unterschied. Hier ist eine Geschichte für euch: Aus dem fernen Buchhändlerfresserland

21. April 2025
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Geotop des Jahres 2023: Steinbruchlandschaft Miltenberg

Eine Steinbruchlandschaft im Buntsandstein bei Miltenberg wurde im September als Geotop des Jahres 2023 vorgestellt. An der Haagsaussicht weit oberhalb Miltenbergs und der Mainschleife, auf der Abraumhalde des früheren Steinbruchs im Plattensandstein, wurde gemeinsam mit Bürgermeister Bernd Kahlert und stellvertretender Landrätin Monika Wolf-Pleßmann durch Dr. Jutta Weber (Geschäftsführerin des UNESCO Global Geoparks Bergstraße-Odenwald eine neue Tafel enthüllt. Zu Gast waren zwei Ranger des Partner-Geoparks  in Hong Kong (Hong Kong UNESCO Global Geopark), die für einige Tage durch die bedeutsamen Geotope der Region geführt wurden.

Das Besondere an der Steinbruchlandschaft Haag ist ein Bremsberg. Die abgebauten Sandsteinplatten mußten vom Berg hinunter zum Main gebracht werden. Dazu gab es eine Schienenstrecke für Loren mit einer Ausweiche. Die abwärtsfahrende Lore zog die unten entladene wieder nach oben, zusätzlich mußte jedoch mit einem liegenden Bremsrad per Backenbremse reguliert werden. Herrmann Farrenkopf (von ihm werden Sie im Frühjahr 2024 weitere interessante Infos auf odenwald-redaktion finden!) berichtete, daß er eine Original-Lore vom Haag retten konnte. Diese ist nun am Bremsberg zu sehen. Er konnte auch erzählen, daß die Steinbrucharbeiter aus den umliegenden Ortschaften täglich zu Fuß kilometerweit und über zweihundertfünfzig Höhenmeter zum Steinbruch Haag gehen mußten - wie in den Steinbrüchen in unserer Gegend auch.
Drei Loren sind am oberen Ende des Bremsweges zu sehen, und Geologe Jochen Babist (Foto rechts) erläuterte die Arbeit im Steinbruch und am Bremsweg.

Noch vor dem 2. Weltkrieg stellte man um auf LKW-Transport, wobei die Waldwege im Winter durch die Steinbrucharbeiter hergerichtet wurden, wie Franz Zeller (Mainsandstein.com, Naturstein GmbH & Co. KG) berichtete, wurden die Schienen danach bald gestohlen und dienen heute in diversen Gärten als Zaun. Auch Thomas Wassum war als noch aktiver Steinbruchbetreiber anwesend.

Der Plattensandstein ist die oberste Schichtung über dem Feldsandstein (sehr quarzhaltig und spröde, wurde im Mittelalter für Mühlsteine und Sarkophage verwendet). Die tiefste Sandsteinschicht ist der Dicksandstein direkt am Mainufer, diesen bauten bereits die Römer ab.

Plattensandstein ist wenig frostsicher, wie Herr Wassum mitteilte. Daher wird er vor allem im Innenbereich verbaut.

Marieta Hiller, 18.9.23

   

Foto oben links: der Bremsweg - Foto oben rechts: Plattensandstein am Haag

 

Foto oben links: ehemalige Sprengstoffkammer im Sandstein - Foto oben rechts: feierliche Enthüllung der Tafel am Haag

Interessante Infos:

https://www.buntsandstein.de/index.php/de/erlebnisweg

https://de.wikipedia.org/wiki/Roter_Mainsandstein

https://www.miltenberg.de/

https://www.mainsandstein.com/

https://www.wassum-online.de/

 

17. September: Steinbruchlandschaft Haag bei Miltenberg wird Geotop des Jahres 2023

Der Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald zeichnet in diesem Jahr die Steinbruchlandschaft Haag bei Miltenberg als Geotop des Jahres 2023 aus. Die jährlich anlässlich des Tags des Geotops gekürten Fenster in die Erdgeschichte sind Orte mit besonderer geologischer und geschichtlicher Bedeutung. Geopark-Informationstafeln erzählen nun von der Entstehung des Buntsandsteins in dem vor 245 Millionen Jahren hier  vorherrschenden Halbwüstenklima bis hin zum Abbau der Steine für Bauwerke weit über die Grenzen Miltenbergs hinaus. Die feierliche Auszeichnung, an die sich eine geologische Führung anschließt, findet am
17. September um 14 Uhr an der Haagsaussicht statt.

Miltenberger Altstadt, Aschaffenburger Schloss, Mainzer oder Frankfurter Dom: Wir bewundern die Monumentalbauten aus rotem Sandstein, die die Region bis heute prägen. Viele der Steine kamen direkt aus Bundsandsteinbrüchen am Main und im unmittelbaren Umland. Die Stadt Miltenberg selbst blickt auf eine lange Geschichte der Steinindustrie zurück: Heute weiß man, dass bereits die Römer hier Baumaterial gewonnen haben. Der Buntsandstein entstand in einer Zeit zwischen 251 und 243 Millionen Jahren, als die Region durch eine halbwüstenartige Landschaft geprägt war. Durch zeitweise wasserführende
Flüsse und Überschwemmungen haben sich große Mengen an Sand und Ton abgelagert. Die Ablagerungen sind wiederum im Verlauf vieler Millionen Jahre durch Druck und natürliche Zementation umgewandelt worden und zu Sand- und Tonstein „versteinert“. Neben dem Dickbankstandstein im unteren Hangbereich am Main wurde in Miltenberg Ende des 19. Jahrhunderts begonnen, den höher gelegenen  Plattensandstein zu erschließen und abzubauen. Zur Weiterverarbeitung musste das Material den Hang hinunter bis an den Main transportiert werden. Diese logistische Herausforderung lösten die Menschen damals mit einem sogenannten Bremsberg, einer Gleistrasse, auf der die Loren mit einem Seilzug langsam abgelassen werden konnten. Reste des Bremsbergs sind auch heute noch im Wald zu finden. An der Haagsaussicht selbst zeigt ein Aufschluss den Plattensandstein mit seinen typischen Schichtablagerungen, die jeweils bei Überflutungen entstanden sind.

Die Steinbruchlandschaft Haag verbindet Vergangenheit und Gegenwart, die Geschichte der Erde mit dem Wirken der Menschen und erfüllt damit auf eindrückliche Weise die Kriterien des Geotops des Jahres. Vom Handwerk des Steinmetzes über die Arbeit im Steinbruch bis zum Klima vor über 245 Millionen Jahren können wir hier etwas lernen. Wer mehr über das Geotop des Jahres 2023 erfahren möchte, ist herzlich  eingeladen, an der Feierstunde am 17. September um 14 Uhr an der Haagsaussicht teilzunehmen.

Interessenten werden gebeten, sich bis 8. September unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. anzumelden. Vom Naturpark-Parkplatz Sebaldsruhe benötigt man zu Fuß rund 30 Minuten bis zur Haagsaussicht. Eine begrenzte Zahl von Plätzen in einem Shuttle-Service steht zur Verfügung. Im Anschluss an den offiziellen Teil schließt sich eine geologische Führung an, die neben dem Steinbruch auch am Bremsberg vorbeikommt und die Geschichte der Steinindustrie Miltenbergs anhand von Informationstafeln erläutert. Die Führung endet am Parkplatz.

18. September 2023

Buchtipp: Gaya - Entdeckung einer neuen Welt

Utopie: was ist das? Übersetzt bedeutet es Nicht-Ort, und darum geht es im Roman von Julia Scales aus Reichenbach - oder? Unter dem Motto "Steinzeit 2.0 – eine neue Chance für die Menschheit" erschien jetzt Band 1 des auf 5 Bände ausgelegten Romans. Kann der Mensch gut sein? Was ist gut? Zu wessen Vorteil? Und wer entscheidet das? Ist Basisdemokratie möglich, und kann die Menschheit "beim nächsten Mal alles richtig machen"? Einzigartige Eigenschaft des Menschen ist es, vorsätzlich böse sein zu können, aber auch: die Wahl zwischen gut und böse zu haben.

20. Juli 2022
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Eisenbahn: Das steht nicht in der Spinnstubb 2.0...

Nach Drucklegung meines Jahrbuchs 2021 "Kartografie Eisenbahn Ultramarin" trudelten weitere interessante Details ein:

vieles finden Sie bei Walter Kuhl: Zwei nie zustande gekommenen Bahnen durch den Odenwald rund um Lindenfels

Was bedeutet "Bellramschd"?

Bettel-Ramstadt? Pappel-Ramstadt? Bei der Suche nach der Antwort half mir das Pfungstädter "wandelnde Lexikon" Ernst Schulze auf die Sprünge: die Italiener, die beim Eisenbahnbau an der Strecke Darmstadt-Reinheim gearbeitet haben, legten in Nieder-Ramstadt eine Siedlung auf sieben Hügeln an, die sie "bella Ramschd" nannten. Damit legten italienische Gastarbeiter den Grundstock für die vielfältige Kulturlandschaft der kleinen Industriestadt, später kamen noch einige Nationalitäten hinzu: bei den Caparol-Farbwerken oder anderen Betrieben. Mehr dazu lesen Sie im Jahrbuch Spinnstubb 2.0 Nr. 3, 2023!

Modautal-Linie: Kraftpost mit Oberleitungsbussen

23. Februar 2022
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Papier: ein faszinierender Stoff

Rätselfrage: Wie oft kann man ein normales DIN A4 Blatt falten?

       10 mal?             20 mal?     oder nur 7 mal?
Auflösung: faltet man ein DIN A4 Blatt einmal, hat man DIN A5, zweimal = A6, dreimal = A7 (Karteikärtchen), viermal A8 - und jetzt wird es schon ziemlich klein und schwierig sauber zu kniffen! Bei sieben Faltungen ist definitiv Schluß. Man muß bedenken, daß man bei sieben Faltungen einen Papierstapel aus 128 Lagen erhält.

08. September 2021
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Die Rauhnächte

Die Rauhnächte sind eine ganz besondere Zeit

Es sind die Tage - und vor allem die Nächte - zwischen Heiligabend und Heilig-Drei-Könige, auch Zwölfnächte genannt, an denen das Tor zur Geisterwelt besonders durchlässig ist.
Früher, als die Leute noch abergläubisch waren, durfte während der Zwölfnächte nicht gewaschen werden, nicht gekehrt, nicht gebadet - nichts durfte das Haus verlassen, womit die Geister Macht über die Bewohner bekommen konnten. Vor allem frisch gewaschene Wäsche im Garten, aber auch abgeschnittene Fingernägel und Haare, die ins Freie gelangten, oder Hautschuppen, die mit dem Kehrricht vor die Türe kamen, waren solche Dinge, auf die es die Geister abgesehen hatten. War so ein ehemaliges Teil eines Menschen erst einmal in ihrer Hand, bekamen sie die Macht, aus ihrer Geisterwelt hinüber zu kommen in unsere...
Heute sind die Tage "zwischen den Jahren" noch immer eine Zeit der Einkehr, der Besinnung.  M. Hiller Auf den Fotos zu sehen: Ein sehr unbequemes Kostüm aus alter Odenwälder Tradition: die Stoppelgans. Die Fotos stammen aus dem Nachlass von Dr. Heinrich Winter und sind dem Buch  “Odenwälder Brauchtum” von Helmut Seebach entnommen. Die Stoppelgans ist das schwierigste Kostüm der Rauhnächte-Figuren.

07. September 2021

Ein Weihnachtswunsch

Wir wünschen euch eine besinnliche Zeit, in der ihr außer Weihnachtsfeiern und Einkaufsmarathon auch einmal an euch selber denkt und ruhig werdet. Die Natur macht es euch vor, macht es ihr nach. Und bedenkt bei all der Schenkerei: das schönste Geschenk, das ihr euren Lieben machen könnt, ist etwas von eurer Zeit. Eure Marieta Hiller, natürlich auch Kobold Kieselbart für das gesamte Kleine Volk, das jetzt alle Hände voll zu tun hat um dem Christkindchen zu helfen, und die Räuberbraut und Köhlerstochter Bawweddsche. Aus Nebeln heraus höre ich gerade, daß auch die alte Hutzel sich unseren Weihnachtswünschen anschließen möchte... Der Christstollen und der Butterbrief

Von Weihnachtsmännern und Lichterketten, vom Christkind - und von Owie

07. September 2021
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Eine ganz kurze Geschichte der Technologie...

Dieser Beitrag ist umgezogen nach: Ernährung und industrielle Revolution

Dort lesen Sie:
Aus dem Feuer kamen die großen Revolutionen...
Ein Stromausfall, der Angst machte...
Geduld, Geduld - 50 Jahre braucht es schon für eine Revolution...

Außerdem lesenswert:

Klingt wie Science fiction? Aber das Internet der Dinge ist schon da, oder nicht?

Industrie 4.0 und wir...

Hochproduktiv nur noch im selbstreferenziellen Informationsraum...

War früher wirklich alles besser? Steampunk - die rückwärtsgewandte Utopie

07. September 2021

Wie ist das Felsenmeer entstanden?

Dafür gibt es zwei Erklärungen, die unterschiedlicher nicht sein können: die geologische und die Version der Kobolde im Felsenmeer...

Die geologische Entstehung des Felsenmeeres

Die Entstehung des Felsenmeeres begann vor etwa 340 Mio Jahren. Damals hob sich eine gigantische Magmablase aus dem Erdinneren, die jedoch nicht als Vulkanausbruch bis zur Oberfläche durchdrang, sondern in etwa 10.000 mtr. Tiefe steckenblieb und langsam und unter großem Druck abkühlte. So konnte sich die Kristallstruktur herausbilden, die sich in unserem speziellen Fall als eine Art Granit, nämlich Melaquarzdiorit, ausprägte. Durch Kontinentalverschiebungen gelangte der erkaltete Stein - auch Pluton genannt - allmählich an die Oberfläche. Da der Druck von 10.000 mtr. Erdreich damit auch allmählich nachließ, entstanden Entspannungsrisse. Das kann man sich wie bei einem aufgehenden Hefeteig vorstellen. In die Risse konnte Wasser eindringen, der Frost drückte den Pluton an den Rissen auseinander, er zerbarst in immer kleinere Stücke, die nun vom Regen und der Erosion rundgewaschen wurden. An den Ecken stärker als an den Kanten, so daß die Brocken mit der Zeit rund wurden und in eine natürlich vorhandene Rinne rollten, wo sie bis heute als Felsenmeer liegenblieben. Es gibt aber im Felsberg nicht nur ein Felsenmeer, sondern insgesamt 18. Nur sind diese nicht so spektakulär wie das große Felsenmeer, das seit etlichen Jahrzehnten unter Natur- und Denkmalschutz steht.
Eine Besonderheit sind die römischen Werkstücke, die im Felsberg zu finden sind: hier kann man interessante Details zur Arbeits- und Lebensweise der alten Römer sehen, die zwischen 200 und 400 n. Chr. (rundgerechnet) hier Werkstücke bearbeiteten.

27. August 2021
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Warum stehen im Felsenmeer keine Mülleimer?

Früher gab es über das gesamte Felsenmeer verteilt etliche Mülleimer, die einmal pro Woche geleert wurden. Rings um diese Mülleimer oder Papierkörbe waren regelmäßig ganze Müllsäcke, kaputte Rucksäcke und diverse andere nette Sachen abgelagert, so daß das Felsenmeer insgesamt eher einer Müllkippe als einer Sehenswürdigkeit glich. Seit die Mülleimer entfernt wurden, werden die Plätze trotzdem noch regelmäßig kontrolliert, es liegt aber wesentlich weniger Müll herum.

Prinzipiell kann jeder das was er ins Felsenmeer hineinschleppt, auch wieder mit hinaus und nach Hause nehmen, der Müll wiegt ja nicht mehr als das was man mitgenommen hat. Kleine Faustregel: immer eine Plastiktüte im Rucksack - dann ist man auf alles vorbereitet.

Hier noch eine kleine Rechnung, welche Kosten durch zurückgelassenem Müll entstehen: die Mitarbeiter des Bauhofes fahren jeden Freitag ihre Mülltour, zwei Kollegen mit Kleintransporter, der Müll muß zusammenrecht / zusammengelesen und aufgeladen werden. Das kostet jede Woche 100 Euro, ohne die Entsorgung. Gemischte Abfälle zu entsorgen kostet die Gemeinde etwa 250 Euro. Herabgerechnet auf eine große Tüte voll Müll wie auf den Fotos kostet die Entsorgung 0,50 Euro.  

Wie lange braucht ein Hundehäufchen, bis es von alleine verschwindet? Keine vier Wochen.

Wie lange dauert es, bis es - in einem Tütchen verpackt und liegengelassen - vergangen ist? Vierhundert Jahre!
Was geschieht, wenn die Waldtiere süß duftende Verpackungen von Müsliriegeln und Bonbons fressen?
Und warum weiß der Kaffee to go nicht von alleine, daß sein Plastikbecher gemeint ist wenn es to go heißt?
27. August 2021
  1. Kobold Kieselbart aus dem Felsenmeer zu Corona

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