Einige neuere Hintergründe über die Zeit, zu der die Römer hier im Odenwald waren, sind bei Egon Schallmayer zu finden.
Egon Schallmayer ist Hessischer Landesarchäologe und Leiter der Abteilung Archäologische und Paläontologische Denkmalpflege im Landesamt für Denkmalpflege Hessen, außerdem Museumsleiter des Römerkastell Saalburg (Archäologischer Park), Saalburg 1 in 61350 Bad Homburg
Er muß es also genau wissen, und hier sind einige Auszüge aus seinem Büchlein "Der Limes - Geschichte einer Grenze", erschienen im C.H.Beck Verlag München 2006: - Das Wort Limes kommt nach Schallmayer nicht aus dem Etruskischen (wo es nach älterer Meinung "Ackerfurche" bedeutete), sondern ist Latein für limus = quer und it = gehend, also quergehend, querende Bahn. - Der Bau des Limes war Stimulans für die Völkerwanderungen, diese Grenze weckte Begehrlichkeiten (der Knochen liegt so lange unbeachtet, bis EIN Hund auf die Idee kommt, ihn zärtlich abzulecken....)
Der Limes in Deutschland war 550 km lang, es gab ca 100 Kastelle und ca 900 Wachtürme. - Der Limes konnte nicht mit Wagen überwunden werden, alles mußte durch die Tore. Dies diente nicht nur der Kontrolle, sondern war auch für Zölle und Steuern förderlich.
Lateinische Städtenamen: Bonna = Bonn, Colonia Claudia Ara Agrippinensium = Köln, Novaesium = Neuss, Rigomagus = Remagen, Augusta Treverorum = Trier, Moguntiacum = Mainz, Bormitomagus = Worms (keltischer Name!), Castellum = Mainz-Kastel, Nida = Frankfurt-Heddernheim, Lopodunum = Ladenburg, Argentorate = Straßburg, Augusta Vindelicum = Augsburg, Castrum Rauracense = Kaiseraugst (in Österreich), und natürlich nicht zu vergessen: Lutetia = Paris.
Kaiser Hadrian (117-138 n. Chr) stationierte ausgehobene Truppen an Ort und Stelle, was sich vorteilhaft auf den Romanisierungsprozeß auswirkte. Zudem konnte so die Ortskenntnis der germanischen Bevölkerung genutzt werden. Es begünstigte allerdings auch Aufstände.
Deshalb ging man später dazu über, rekrutierte Bevölkerungsgruppen weit entfernt zu stationieren. - Antonius Pius (138-161 n. Chr) gab den Odenwald-Limes (von Wörth am Main in ziemlich genau südlicher Richtung bis Bad Wimpfen verlaufend) auf und verlegte ihn nach Osten.
Noch heute kann man auf dem Limes-Wanderweg Spuren des alten Odenwald-Limes erkennen, es sind noch Grundrisse von Wachposten zu erkennen, einige Türme werden auch wieder erstellt. - die Römer fanden in Germanien möglicherweise keine undurchdringlichen Wälder vor, weil um 180 / 200 n. Chr. der Getreide- und Holzbau nachweislich zurückging. Zuvor war der Holzbau durch das Eintreffen der Römer nicht angestiegen. So mußten die Germanen aufgrund von schlechten Ernten und Holzmangel die römischen Provinzen überfallen, wo es eine hervorragende Infrastruktur für Nachschub aller Art gab. - Im Jahr 235 n. Chr kam es zum Einfall der Alamannen am obergermanisch-rätischen Limes (ORL), was schließlich den Niedergang der römischen Zeit einläutete. - Im 4./5. Jahrhundert schließlich bereiste der Missionar und spätere Heilige Severin das Donaugebiet und fand dort römische Truppen vor, die ausharrten und auf ihren Sold warteten, obwohl das weströmische Reich längst untergegangen war. - Die Germanen durchsuchten verlassene Römerorte und sammelten systematisch die Altmetalle ein.