Wie die Fuhrleute über den Eisenbahnbau dachten

Jahrhundertelang verdienten sich die Odenwälder Bauern neben ihrer mühseligen Landwirtschaft durch Transportfahrten ein Zubrot. Siehe auch "Wie der Tourismus in den Odenwald kam" - hier wird auch erklärt, seit wann es überhaupt Straßen, also befahrbare Wege, gab. Den Eisenbahnbau an der Bergstraße und im Odenwald empfanden sie als äußerst schädlich fürs Geschäft, aber letztlich sorgte der Ausbruck des 1. Weltkrieges dafür, daß im Lautertal keine Eisenbahn gebaut wurde...

Für Pferdefuhren waren abgestufte Steigungen günstig: die Pferde konnten so immer ein Stück bergauf ziehen und dann auf einem ebenen Stück verschnaufen. Der moderne Straßenbau übernahm viele Strecken, die zuvor für Fuhrwerke angelegt worden waren, ersetzte jedoch die Stufen durch gleichmäßige Steigung. Die ersten Motorfahrzeuge waren noch etwas schwach auf der Brust, so daß die Straßen in weiten Schleifen mit schwacher Steigung angelegt wurden. Später kürzte man diese Schleifen ab mit steileren Straßenstücken. Die toten Schleifen waren fortan ideale Schuttabladeplätze, denn oft konnte man von der Straße aus nicht sehen, wer dort seinen Kofferraum leerte.

Obwohl man Begriffe wie Rotte heute vom Eisenbahnbau kennt, stammt die Rotte (= Trupp von Bauarbeitern) aus dem Straßenbau der alten Römer. Die legten ja überall wo sie hinkamen breite gerade Straßen an für ihre Truppenbewegungen. In Abständen einer Tagesreise bauten sie Stationen, und die Straßen durften nur vom Militär genutzt werden.

Im Außerfern (Österreich) spricht man vor allem in Bezug auf den Salzhandel vom Rodsystem: Fuhrleute übernahmen die Fracht an einer Station und transportierten sie bis zur nächsten. So war jeder Fuhrbetrieb nur im regionalen Einsatz.

Und natürlich rührt das französische Wort Route von daher, wohingegen die Chaussee eine Straße für Fußgänger war, die mit Schuhen (= chaussures) begangen wurde.

Wer hat denn nur dem Dampf erdacht?
Die Fuhrleut um ihr Brod gebracht!
Die sind jetzt wahrlich übel dran
mit der verdammten Eisenbahn

Gedicht auf einem Bierdeckel im Heimatmuseum Laufen

Die Eisenbahn brachte eine Halbierung der Personentransportkosten UND der Reisezeit!

Marieta Hiller, September 2018

 

 

Das erste Durchblick-Jahrbuch liegt nun vor, mit den wichtigsten Beiträgen, die ich 2021 sammeln konnte. Für meine Geschichte(n) bin ich ständig unterwegs: zu Interviews mit Zeitzeugen, in Archiven und Bibliotheken und natürlich auch im Internet. Deshalb trägt das Jahrbuch auch den Titel "Spinnstubb 2.0". Die Spinnstube war eine Zusammenkunft an den Winterabenden früherer Zeiten, an denen man mangels Fernsehen beisammensaß und erzählte. Die Geschichten wurden dann am späteren Abend immer abenteuerlicher...

Lesen Sie, was im Jahrbuch steht und wie Sie es bekommen können!