Ein Ausflug in die Marmoritstollen Hochstädten

Ein ganz besonderes Erlebnis bot das Arbeitstreffen Montanarchäologie im Mai 2013 in Reichelsheim neben zahlreichen Exkursionen und Vorträgen: einen Ausflug in die Unterwelt des Marmoritwerkes in Hochstädten.

Der zum Schutz vor Vandalismus tief unter Erdreich verschüttete Eingang zum Stollen wurde eigens für die Altarchäologen freigebaggert, das Wasser wurde abgepumpt, und dann konnte die Gruppe sorgsam gezählt in den Berg hinein.

Die ehrenamtlichen Betreuer des  Blei- und Silberbergwerkes „Marie in der Kohlbach“ in Weinheim sicherten im Berg jeden Abzweig, so daß sich niemand verlaufen konnte. Denn nach der Fahrt hinein in das seit 1975 geschlossene Stollensystem wurde der Eingang vom Bagger wieder sicher verschlossen.

Hier wurde Marmor gewonnen, zuletzt stellten die Marmorit-Werke daraus feinen Trockenmörtel und Edelputz her. Schon die alten Römer bauten hier Marmor ab, wie ein Grabmalfund in Mainz belegt. Dies läßt - nebenbei - die Annahme zu, daß auch die Werkstücke aus dem Felsberg möglicherweise über die Strecke Felsberg-Hochstädten-Zullestein transportiert wurden, da hier bereits eine Teilstrecke von Hochstädten aus existierte.

Auch darüber war beim Symposium ein spannender Vortrag von Alexander Vögler zu hören. Als Werkstein wurde der Auerbacher Marmor seit 1900 nicht mehr abgebaut, nur noch als Putz.

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Gegen Ende des 2. Weltkrieges (1944-1945) schließlich war das Werk Außenlager des KZ Natzweiler-Struthof, etwa 130 griechische Zwangsarbeiter mußten täglich von ihren Baracken in Auerbach zu Fuß nach Hochstädten marschieren und in den Stollen geschützt vor Bomben kriegswichtige Rüstungsmittel produzieren.

Marmor aus Hochstädten in Xanten

In Xanten, dem römischen Colonia Ulpia Traiana der ersten Jahrhundertwende nach Chr., benannt nach dem römischen Kaiser Marcus Ulpius Traianus (kurz Trajan, Kaiser von 98-117 n. Chr.), finden sich Gesteine aus aller Welt (der alten Welt, versteht sich). Der Archäologische Park Xanten zeigt sie, und darunter ist eben auch Marmor aus Hochstädten. (Vilma Rupienne, Auerbach Marble Quarries in the Odenwald near Hochstädten, Tagungsband Mining  and Cultural Landscape 2013 S. 120ff)

Doch nicht nur die Römer verarbeiteten den Odenwälder Marmor aus dem Bergwerk bei Hochstädten: Marmor aus den Pingen der Bangertshöhe nordwestlich von Reichenbach, gelb-bräunlich und feinkörniger als aus Hochstädten, wurde im Wormser Dom verbaut, datert auf das 11. Jh.; der Hochstädter Marmor findet sich in Mannheim, im Wormser Dom und in der Wormser St. Pauluskirche, in Lorsch, Trier und in Xanten. Dabei ist der Hochstädter Marmor recht inhomogen und kommt in vielen verschiedenen Ausprägungen vor, unter anderem enthält er das glitzernde Katzengold Pyrit. Interessant ist der Hinweis, daß es hier auch Stinkmarmor gibt. Dieser rieche nach faulen Eiern, wenn er gemahlen oder geritzt wird. Und was könnte das anderes sein, wenn nicht die Überbleibsel von ein paar unglücklich abgelegten Dracheneiern!

   

Am Aufzug im Bergwerk, Blick in die Stollen

 

Bohrloch, Stollendecke, helles Band im Gestein

   

Kompressorbude, Mauerdecke, Stollenabgang

   

Sprengkapsel-Lager, Halt für Lokomotive...