Dafür gibt es zwei Erklärungen, die unterschiedlicher nicht sein können: die geologische und die Version der Kobolde im Felsenmeer...
Die geologische Entstehung des Felsenmeeres
Die Entstehung des Felsenmeeres begann vor etwa 340 Mio Jahren. Damals hob sich eine gigantische Magmablase aus dem Erdinneren, die jedoch nicht als Vulkanausbruch bis zur Oberfläche durchdrang, sondern in etwa 10.000 mtr. Tiefe steckenblieb und langsam und unter großem Druck abkühlte. So konnte sich die Kristallstruktur herausbilden, die sich in unserem speziellen Fall als eine Art Granit, nämlich Melaquarzdiorit, ausprägte. Durch Kontinentalverschiebungen gelangte der erkaltete Stein - auch Pluton genannt - allmählich an die Oberfläche. Da der Druck von 10.000 mtr. Erdreich damit auch allmählich nachließ, entstanden Entspannungsrisse. Das kann man sich wie bei einem aufgehenden Hefeteig vorstellen. In die Risse konnte Wasser eindringen, der Frost drückte den Pluton an den Rissen auseinander, er zerbarst in immer kleinere Stücke, die nun vom Regen und der Erosion rundgewaschen wurden. An den Ecken stärker als an den Kanten, so daß die Brocken mit der Zeit rund wurden und in eine natürlich vorhandene Rinne rollten, wo sie bis heute als Felsenmeer liegenblieben. Es gibt aber im Felsberg nicht nur ein Felsenmeer, sondern insgesamt 18. Nur sind diese nicht so spektakulär wie das große Felsenmeer, das seit etlichen Jahrzehnten unter Natur- und Denkmalschutz steht.
Eine Besonderheit sind die römischen Werkstücke, die im Felsberg zu finden sind: hier kann man interessante Details zur Arbeits- und Lebensweise der alten Römer sehen, die zwischen 200 und 400 n. Chr. (rundgerechnet) hier Werkstücke bearbeiteten.
Nun kommt aber der spannende Teil: die geologische Erklärung zur Entstehung des Felsenmeeres klingt zwar recht plausibel, aber Kobold Kieselbart weiß es natürlich besser: war er doch schließlich selbst dabei, als die beiden Riesen Felshocker und Steinbeißer damals vor Millionen von Jahren ihren Riesenstreit bekamen, bei dem sie sich mit Felsbrocken bewarfen, bis ein jeder unter Felsen begraben ward. Dort liegen sie noch heute, und manchmal kann man sie schnarchen hören...

Bohrloch aus der neuzeitlichen Steinbearbeitung... - oder war vielleicht doch Steinbeißer hier am Werk? Zwei naheliegende Erklärungen. Tatsächlich war es ein Gang zur Nisthöhle der berühmten, aber nicht oft gesichteten Felsberg-Steinmaus (musculus saxifragens felsbergii). Dazu mehr hier: Von Hausgeistern und anderen Bewohnern
Für ernstgemeinte Antworten wenden Sie sich bitte an das Felsenmeer-Informationszentrum. Auch der Geo-Naturpark Bergstraße Odenwald bietet fachkundige Führungen zum Thema Geologie an vielen interessanten Stellen der Region an.
Wie das Felsenmeer entstanden ist - Version 2

Felshocker, Steinbeißer - und Kieselbart, Zeichnung: M. Hiller
Einst in jenen wilden Zeiten, als noch Riesen den Odenwald bevölkerten, da hausten hier zwei Unholde, grobe Gesellen! Felshocker hatte sein Zuhause auf der linken Seite und Steinbeißer auf der rechten Talseite der Lauter. Felshocker liebte sein prunkvolles Felsenschloß mit Himmelbett, Riesentafel und Plumpsklo. Mit besonderen Steinen schmückte er seinen Palast, und im allertiefsten Keller, da wo nur die Zwerge noch hinkommen können, da hatte er eine Schatzkammer. Dort bewahrte er all die Funkelsteine, das Gold und Silber und die Glitzerkristalle auf, die er auf seinen Streifzügen durch den Odenwald entdeckte.

Die Erkundung des Odenwaldes, hier am Riesensarg; Zeichnung Marieta Hiller
Steinbeißer aber lachte über den anderen und sein Geprunke. Über den eitlen Felshocker mit seiner polierten Glatze und dem geflochtenen Bart mit Blümchen drin konnte Steinbeißer sich den ganzen Tag krummlachen. Er selber gab nichts auf Äußerlichkeiten. Seine Haare wuchsen ihm ungekämmt, ungeschnitten und ungewaschen bis über den Popo, der Bart reichte bis an die Knie... Aber Steinbeißer war halt steinreich und brauchte den ganzen Putz nicht, mit dem Felshocker sich umgab.
Beide Riesen waren jedoch sehr geschwätzig. Wenn des Abends die Dämmerung anhub, dann hockten sie behaglich auf ihren Felsen und redeten übers Tal hinweg die Nacht herbei. Sie erzählten von Steinen und Tälern und von ihren Riesenreichen.

Einmal entfuhr dem Felshocker ein Riesenfurz! Zeichnung: M. Hiller
Doch einmal, an einem Tag an dem die Sonne nicht scheinen wollte, da hatten sie ausgeschwätzt. Es fiel ihnen nichts mehr ein, worüber man hätte reden können. Alle Geschichten waren hundertmal erzählt, über keinen Witz hatten sie noch nicht gelacht. Und Spiele hatten sie auch keine neuen mehr.Und so wurde es ungemütlich. Ständig gab es Streit, Gebrüll, Gestampfe und die Steine flogen nur so durch die Gegend, von einem zornigen Riesen nach dem anderen geschleudert.
Felshocker dachte sich, daß das so nicht weitergehen konnte. Und er erbat sich von Steinbeißer - ja er erbat! - ein paar Jahrzehnte Ruhe, in denen er sich etwas Neues einfallen lassen konnte, damit es nicht mehr so fürchterlich langweilig war. Schon nach fünfzig Jahren war es soweit: Felshocker sprang auf seine Füße und rief Steinbeißer zu sich. Aufgeregt sprang er auf und ab und erklärte dem begriffstutzigen Steinbeißer, was ihm eingefallen war. Aber nur ganz grob. Dann sprach er: "Ich baue jetzt unser neues Spiel auf, und während dessen gehst du in den Wald und besorgst uns eine schöne knusprige Saurierkeule fürs Abendessen."
Nun, Steinbeißer trollte sich, aber er hatte genau gemerkt, daß Felshocker ihn nur nicht dabeihaben wollte, wenn das Spiel fertig aufgebaut wäre. Denn Felshocker wollte natürlich als Erster damit spielen. Aber: Steinbeißer sorgte vor. Er trug auf seinem Wohnberg südlich der Lauter sämtliche runden Steine zusammen die er finden konnte, legte sie auf einen Haufen und spazierte dann zufrieden in den Wald. Schon hörte er von ferne einen leckeren Saurier brüllen...

Damals nahm man das mit der Artenkunde noch nicht so genau, und so kann es vorkommen daß ein veritabler feuerspeiender Drache als Saurier herhalten mußte... Über Drachen könnt ihr übrigens hier noch vieles nachlesen: Hic sunt dracones
Felshocker begann vom Felsberg herunter Steine ins Tal zu werfen - gerade dorthin, wo heute der große Parkplatz und das Felsenmeer-Informationszentrum ist. Zuerst versanken alle Steine im Sumpf - es war damals ja noch nicht so ordentlich in unseren Tälern - und verschwanden schmatzend im Matsch. Wer weiß, vielleicht liegen sie heute noch dort. Bald aber hatte Felshocker soviele Steine ins Tal geworfen, daß sie eine schöne gerade säuberliche Steinreihe quer durch das ganze Tal bildeten. Darauf wuchtete er jetzt eine Platte aus fein poliertem Quarz. Er wienerte, putzte, schrubbte und polierte die Quarzplatte den ganzen Nachmittag, und dabei geriet er ordentlich in Schweiß...Wir Kobolde aber, wir dachten so für uns: "uns ist ja auch soooo langweilig. Wär doch lustig, wenn das Riesenspiel auch für uns etwas wäre!" Und so begaben wir uns ins Tal an Felshockers Bauwerk und sprachen unseren stärksten Mauerzauber darüber. Gerade waren wir fertig, nur ich hatte das letzte Wort der letzten Strophe des Zauberspruchs noch im Mund, es war noch nicht herausgepurzelt.
Da kam vom Berg gegenüber der Riese Steinbeißer aus dem Wald gestampft, auf der Schulter eine gewaltige Saurierkeule. Er sah die Bahn in der Abendsonne funkeln und glänzen und schrie: "Juhuuuu! Die Bahn ist fertig, wir können anfangen!" schleuderte die Saurierkeule einfach in den Schmutz und griff sich einen seiner runden Steine, die er ja morgens gerichtet hatte. Er holte mächtigen Schwung, drehte sich siebenmal um sich selbst und schleuderte den Stein dann auf die Bahn. Ach, was krachte es da! Es rumpelte, donnerte und schepperte, daß es nur so eine Art war. Das ganze Bauwerk, in das Felshocker so viel Schweiß gesteckt hatte, stürzte zu Boden und versank im Matsch.
Felshocker war sauer, ach was sage ich: stinksauer war der. Er schnappte sich einen riesigen Felsbrocken und schleuderte ihn wütend dem Steinbeißer an den Kopf. Dem flog der Backenzahn raus, das tat weh, und Steinbeißer brüllte - und schmiß zurück! Nun warten sich beide solange Steine an den Kopf, bis keiner mehr etwas zum Werfen finden konnte. Alle Tiere des Zauberwaldes hatten sich in ihre Höhlen verzogen, keine Maus und kein Buchfink waren mehr zu sehen. Selbst die Sonne hatte sich hinter dichten Wolken versteckt.

Das große Kegelspiel, Zeichnung Marieta Hiller
Endlich aber hatte keiner mehr etwas, was er nach dem anderen noch hätte schleudern können. Da riß Felshocker den großen Brocken, auf den er sich am Morgen zum Nachdenken gesetzt hatte und der ihm dabei so gute Dienste erwiesen hatte, er riß ihn also aus der Erde, stemmte ihn über den Kopf und... schleuderte ihn auf Steinbeißer. Der aber konnte gerade zur rechten Zeit noch eine Handvoll Steine zusammenkratzen, das war alles was ihm zum Werfen noch geblieben war auf seinem Berg.
Beide Geschosse flogen gleichzeitig los: der große Brocken vom Felsberg und die Handvoll Steine von Steinbeißers Seite. Sie überkreuzten ihre Bahn genau in der Mitte des Tales -- und begrufen auf jeder Seite einen Riesen unter sich. Drüben den Steinbeißer unter dem großen Brocken, den heute jedes Kind als Hohenstein kennnt, und auf dem Felsberg lag Felshocker unter einem Haufen Kieselsteine begraben. Und so - ihr könnt es euch schon denken - ist das Felsenmeer entstanden.
Die Kegelbahn, das zerstörte Bauwerk mit der funkelnden Quarzplatte des Riesen Felshocker, die gibt es aber heute noch. Die Menschen sagen auch "Reichenbacher Gold" dazu. Ihr seht, das Felsenmeer ist nicht das Einzig Bemerkenswerte bei uns im Zauberwald...
Aber -- die Riesen waren nicht tot. So ein Riese ist doch recht robust, und so fielen sie erst einmal in einen tiefen Schlaf. Das kam uns Kobolden gerade recht: endlich herrschte Frieden im Zauberwald, die Sonne kam heraus und beschien den stillen Zauberwald, wo alle Tiere sich wieder hervorwagten. Da beschlossen wir, daß diese Stille, dieser Frieden, jetzt für lange lange Zeit im Zauberwald herrschen sollten. Und wir spielten auf unserer Riesenorgel ein Schlaflied für die Riesen, das sie so bald nicht würde aufwachen lassen. Natürlich muß man für einen Riesen schon ein ordentlich starkes Schlaflied spielen, und es muß jeden Abend wiederholt werden, sobald die letzte Menschenseele den Zauberwald verlassen hat. Sonst könnte es bald ungemütlich werden im Felsenmeer...
Doch keine Angst: erst wenn die Welt mal wieder jemanden mit Riesenkräften aber wenig Hirn braucht, erst dann werden wir Kobolde die Riesen aufwecken. Vorher aber fragen wir dich, ob es dir auch recht ist....
Marieta Hiller, 2009