Wir wünschen euch eine besinnliche Zeit, in der ihr außer Weihnachtsfeiern und Einkaufsmarathon auch einmal an euch selber denkt und ruhig werdet. Die Natur macht es euch vor, macht es ihr nach. Und bedenkt bei all der Schenkerei: das schönste Geschenk, das ihr euren Lieben machen könnt, ist etwas von eurer Zeit. Eure Marieta Hiller, natürlich auch Kobold Kieselbart für das gesamte Kleine Volk, das jetzt alle Hände voll zu tun hat um dem Christkindchen zu helfen, und die Räuberbraut und Köhlerstochter Bawweddsche. Aus Nebeln heraus höre ich gerade, daß auch die alte Hutzel sich unseren Weihnachtswünschen anschließen möchte... Der Christstollen und der Butterbrief
Von Weihnachtsmännern und Lichterketten, vom Christkind - und von Owie
Der Weihnachtsmann fährt im Skidoo mitten hinein in deutsche Stuben, Spekulatius kauft man im August, Weinachtsmärkte öffnen schon vor dem Totensonntag, Halloween-Klamauk und Almabtrieb im Odenwald - ist das alles wirklich echt? Wozu brauchen wir zu Weihnachten (und schon Wochen davor) grüne blaue rote gelbe Lichterketten am ganzen Haus, blinkende „A...löcher“ im Fenster, wild in die Nacht leuchtende Rudis mit Rednose? Je greller die Lichter, desto leuchtender die Gesichter? Wo ist der Lichterglanz der Kerzen geblieben? Wo der Lichterglanz in den vielzitierten leuchtenden Kinderaugen? Weihnachten - unabhängig vom christlichen Hintergrund - war einmal rein jahreszeitlich ein Fest der Einkehr, man zog sich vom hektischen Treiben draußen zurück in die gemütliche Stube. Aber wer will dort heute noch hin: aus dem Flachbild-TV quakt es fröhlich bunt - schon seit November „Ho ho ho!“ Wo ist die stille Nacht geblieben? Auch Owie, ständiger Weihnachtsbegleiter meiner Kindheit ("Owie lacht") läßt sich nicht mehr blicken. Was ist aus dem Schenken geworden? Das erste Geschenk dieses Festes war die Geburt des Christkindes für die Menschen, aber ein Geschenk kann auch ein Lächeln, ein Freundschaftsdienst, ein nettes Wort sein. Der Geist des Geschenkes ist es, daß es gerne und im Sinne des Beschenkten gegeben wird, daß man sich vorher Gedanken gemacht hat darüber, womit man dem Beschenkten eine besondere Freude machen kann. Stille und Einkehr halten tut not: vielleicht auch einmal, um über den berühmten Spruch von Thomas Morus nachzudenken, der vor über 500 Jahren feststellte,
das Bewahren einer Tradition bedeute eine Flamme zu nähren,
nicht Asche aufzubewahren.
Und noch ein weiterer, ebenso wichtiger Spruch von Odenwaldforscher Peter Assion (Breuberg-Bund):
„Brauchtum ist für die kulturelle Gemeinschaft verpflichtend, Folklore nicht“.
Also weg mit dem Weihnachtsmann, her mit Owie!
Weihnachtsaktion für hilfebedürftige Kinder im Kreis Bergstraße
„Alle Jahre wieder“, organisiert der Kreis Bergstraße gemeinsam mit den Verbänden der freien Wohlfahrtspflege die Spendenaktion „Weihnachtsfreude für Kinder“. Mit dem Erlös soll hilfebedürftigen Kindern und Jugendlichen im Kreisgebiet zum Weihnachtsfest eine Freude bereitet werden. „Mit der Spendenaktion soll besonders an materiell ungesicherte Kinder alleinerziehender Eltern, an Kinder aus Familien in außergewöhnlichen Notlagen, an die schwerbehinderten Kinder und an Kinder in unzureichenden Wohnverhältnissen gedacht werden“, erklärte Landrat Matthias Wilkes.
Bürgerinnen und Bürger werden aufgerufen, mit einer Spende zum Gelingen der Aktion beizutragen. Geldspenden sind mit dem Betreff "Weihnachtsaktion für hilfebedürftige Kinder" auf das folgende Konto der Kreiskasse Bergstraße erbeten: Sparkasse Starkenburg Konto-Nr. 30 166, BLZ 509 514 69. Ist eine Spendenbescheinigung gewünscht, wird um Angabe der vollständigen Andresse gebeten.
Odenwälder Schoggelgäulsche – ein besonderes Spielzeug nicht nur für Kinder
Wer erinnert sich nicht mehr daran - oder hat noch immer tagtäglich seinen Spaß damit: das Lieblings-Spielzeug! Sei es ein Teddibär, einst geknuddelt und geherzt als bester Freund, später viele Jahrzehnte lang an einem Ehrenplatz gehütet, oder die alte Holzeisenbahn mit dem wackligen Schornstein, die früher durch dick und dünn - sprich durch Sandkästen, Matschlöcher und über das Wohnzimmersofa mit einem fuhr und sich heute um den PC auf dem Schreibtisch ringelt... Wenn man älter wird, wird man auch seltsamer - so sagen jedenfalls die Jungen. Aber eigentlich wird man nur sorgsamer; sorgsamer mit Erinnerungen, mit kostbaren Momenten, die aus der Vergangenheit heraufblitzen und uns froh machen. Wie einfach war es doch, als Kind nur spielen zu müssen! Und wie wundervoll muß es zu jener Zeit gewesen sein - bei aller Beschränkung der Mittel, wie es in den meisten Familien ja war - zu Weihnachten ein neues Spielzeug zu bekommen. Ein neues Spielzeug, wohlgemerkt! Weil es nicht dauernd neue Sachen gab, wurde jedes Geschenk zu etwas Besonderem. Während Kinder heute oftmals das Spiel „wer sich mit dem meisten Spielzeug langweilt, hat gewonnen“ spielen, kamen Kinder früher mit viel weniger Spielsachen und dafür mit viel mehr Fantasie zurecht. Nach dem letzten Krieg bekamen die Kinder Spielzeug aus Pappe und Restmaterialien geschenkt, von Eltern oder Verwandten liebevoll selbst gebastelt und bemalt. Damals hatte ein Geschenk viel mehr von dem, was es eigentlich sein soll: ein Stück das man selbst einem lieben Menschen schenkt, und das ein Stück von einem selbst enthält. Etwas ganz Besonderes unter dem Lichterbaum vergangener Jahrzehnte war ein Schaukelpferdchen, ein Geschenk fürs Leben sozusagen. In vielen Wohnzimmern steht heute ein solches Pferdchen mit abgewetztem Sattel und gesprungenen Kufen, meist auch ohne Schwanz. Gemacht wurden die Pferdchen auf dem Land in den Bauernstuben. Die ganze Familie mußte dabei mithelfen. Aus leichtem Pappelholz wurde der wuchtige Körper geschnitzt, aus weichem Kiefernholz der Kopf, und harte Buche ergab die Beine und Kufen. Dann wurden die Pferdchen bemalt und bekamen oft auch einen Sattel aus rotem Leder. Gäulschen heißen sie im Odenwald, und ihre Hersteller sind die Gäulschesschnitzer. Heute gibt es nur noch einen einzigen Gäulschesmacher hier, doch er stellt seine Gäulchen mit viel Liebe und Begeisterung her, wer noch vor Weihnachten eines erstehen möchte, der muß sicher schon das Weihnachten nächstes Jahr ins Auge fassen. Vor vierzig fünfzig Jahren, sagt er, habe niemand mehr nach den hübschen Pferden gefragt. Dann aber seien überall die kleinen, idyllischen Weihnachtsmärkte entstanden, und so ein Weihnachtsmarkt ohne Gäulchen - das geht nicht. Seither kommen Harald Boos und seine Frau Annette Krämer mit der Arbeit kaum noch nach. Gefräst, geschnitzt, gedreht, getaucht und gespritzt wird da ab Herbstbeginn von früh bis spät. Die Spielwarengroßhändler, die einst vom Vater Philipp Adam Krämer Gäulchen en gros kauften, gibt es nicht mehr. Sie alle sind dem veränderten Spielzeugmarkt zum Opfer gefallen. Aber jeder, der den Geheimtip „geh doch mal zum Gäulschesmacher!“ ins Ohr geflüstert bekommt, macht früher oder später einen Besuch in Beerfurth im Odenwald. Und die vielen alten Pferdchen, die in den Familien von Generation zu Generation weitergegeben werden, mit ihren verwetzten Farben, abgestoßenen Nasen - und natürlich ohne Schwanz! - sie kommen auch irgendwann wieder nach Beerfurth. Denn hier in der Werkstatt erhalten auch sie wieder neue Frische - und einen neuen Schwanz. Aus Hanf muß er sein. Neuerdings gibt es auch Kunstborsten aus einer modernen Besenfabrik, aber die sind ja nicht wirklich echt. Und so konnte ein schönes Stück Kindheitserinnerung herübergerettet werden in die hektische Zeit des Hier und Jetzt. Der Gäulschesmacher schnitzt und fräst, und seine Schoggelgäul’ kommen hinaus in die weite Welt - und in unsere gute Stube. Infobox: Odenwälder Gäulschesmacher in 64385 Reichelsheim-Beerfurth
Odenwälder Weihnachtszug in Lindenfels zu sehen!
Historische Gestalten beim Lindenfelser Weihnachtsmarkt
Wenn das Jahr sich seinem Ende zuneigt, die Tage kürzer werden und die Dunkelheit früher hereinbricht und in eine lange Nacht mündet, dann war das früher die Zeit der Sagen und Spukgestalten. Mit den leuchtenden Rübenköpfen, mit denen man Alt und Jung erschreckt hat, begann es. Durch die „Bouze“ (Schreck-gestalten) sollten die bösen Geister, die Kälte, Dunkelheit, Hunger und Armut brachten, gebaizt (vertrieben) werden.
Im Schlierbacher Tal waren früher zur Weihnachtszeit der Bensnickel begleitet von der Trachtenfrau (dem „Odenwälder Christkind“) und im Gefolge das Mehlweibchen, die Stoppelgans und der Bolischbock. Der Bensnickel, im zotteligen Schaffell gekleidet, verbreitete Schrecken. Die Trachtenfrau war in Tracht gekleidet, auf dem Kopf ein Tragekissen, den sogenannten „Wisch“. Daran waren bunte Trachtentücher und Rockenbänder befestigt, die den ganzen Oberkörper und das Gesicht verhüllten.
Nach den Erzählungen älterer Leute kam in alter Zeit auch das Mehlweibchen. Es war ganz weiß gekleidet, weißes Kopftuch, mehliges Gesicht. In den Händen zwei lange Kochlöffel, die es ständig zusammenschlug um die bösen Geister zu vertreiben. Die Stoppelgans: ein großer Kopfkissenbezug mit einem Kissen ausgestopft, wurde auf den gebückten Rücken eines Mädchens aufgebunden. Der Kopf wurde mit eingebunden. Es waren nur die Beine zu sehen. Das war eine gansähnliche, aber komische Figur. Der Bolischbock war allein schon von der Erscheinung her, mit dem wackelnden Kopf, eine furchterregende Gestalt. Zu seiner Herstellung diente eine Schüllgabel aus Holz mit der Heu aufgeschüttet wurde. Über die Verzweigung der Gabel wurde ein Leintuch, das kopfähnlich ausgestopft ist, gezogen. Das Gesicht war aus rotem und schwarzem Stoff gefertigt. Schwarze Ohren und Augenbrauen, rote Augen und Nase, langer schwarzer Bart, darüber hängt eine lange rote Zunge aus einem breiten Maul. Die Gabelenden bilden die Hörner und sind rot und schwarz umwickelt. Der Brauchtumsforscher Dr. Winter (Heppenheim) hatte diese Figuren in den Dreißiger Jahren fotografisch festgehalten. Er deutete das Gebaren und Lärmen dieser alten kultischen Gestalten so, dass sie nach dem Naturglauben unserer Uhrahnen die bösen Geister vertreiben sollten, die die belebende Sonne entführt hatten. Josef Metzendorf (Weschnitz) schrieb später dazu: Im Laufe der vielen christlichen Jahrhunderte bekamen diese kultischen Gestalten einen christlichen Sinn unterlegt, sie wurden zu Boten des beseligten Lichts der Christnacht. Heute weiß kaum einer mehr etwas vom Schlierbacher Mehlweibchen und der Trachtenfrau, heutzutage geht da und dort sogar der Glaube an das bethlehemsche Christuskind verloren, aber ein „Christkind-chen“ (eine Weihnachtsgabe), möchte keiner vermissen. Damit die Erinnerung an diese alten Brauchtumsgestalten nicht verloren geht, zeigt die Lindenfelser Trachtengruppe diese Figuren alljährlich beim Lindenfelser Weihnachtsmarkt. Die Kostüme waren von Dina Pfeifer, welche in den dreißiger Jahren selbst einmal eine dieser Figuren darstelle, im Jahre 1995 geschneidert worden. (K. Johe)