Die Kinder der 1. Klassen der MPS Gadernheim haben sich von mir in der "Erzählzeit" des Jahres 2022 für das nächste Märchen diese Dinge gewünscht: Bibel, Tiere, Natur, Erdmännchen und Drachen, Delphine Robben, Zoo - und ich habe daraus die Arche Noah für mein Märchen gewählt.

Das wunderschöne Regenbogenbild haben die Kinder der 1a der MPS bei Frau Wagner im Sommer 2026 gemeinsam gemalt...
Vorher möchte ich euch aber noch ein paar Dinge erklären:
Die Arche Noah war nach dem biblischen Buch Genesis, Kapitel 6–9, ein hölzerner Kasten, der schwimmen konnte. Das Wort Sintflut kommt nicht von Sünde, sondern von dem altgermanischen Wort sin, das soviel wie immerwährend, andauernd bedeutet. 150 Tage Regen kommt uns ja auch wie immerwährend vor...
Es gab sie wirklich, die Sintflut! In allen antiken Chroniken (auch das alte Testament der Bibel ist als Chronik zu verstehen) wird sie erwähnt, und stattgefunden hat sie zwischen dem 13. und dem 9. Jahrtausend vor Christus. Zu jener Zeit wurde das Klima wärmer, es schmolzen die Reste der letzten Eiszeit, der Meeresspiegel stieg weltweit an. Schließlich klopfte das Mittelmeer an der schmalen Landbrücke des Bosporus, bis diese endlich durchbrach. Hier gab es ein kleineres Meer: das Schwarze Meer. Es war ein Süßwassersee. Aber als das Mittelmeer den Damm brach, strömte es in sehr kurzer Zeit als kontinentale Megaflut ins Schwarze Meer. Die Menschen, die am Ufer des riesigen Sees lebten, zogen sich immer weiter in die Höhe zurück, und als keine Höhe mehr zu erklimmen war, zogen sie weiter in die Ferne, weg vom Schwarzen Meer, das vermutlich in nur zwei Jahren über 100 Meter anstieg.
Megaflut: wissenschaftliche Zahlen und biblische Geschichten
Woher aber wissen wir von dieser Megaflut aufgrund eines weltweiten Klimawandels? Die allerältesten Sintflutberichte stammen aus der Zeit um 1700 Jahre vor Christus, also um 3700 Jahre vor heute. Sie wurden in einer Region gefunden, die 2500 Kilometer weit vom Schwarzen Meer entfernt liegt: in Mesopotamien.
Was für ein Glück, daß die Schrift um 3300 vor Christus erfunden wurde! So konnten die Menschen, die die Sintflut überlebt hatten, alles aufschreiben und uns davon erzählen. Sollten die Menschen wirklich durch die Sintflut vernichtet werden?
Natürlich hatten die Wissenschaftler eine andere Erklärung: sie sagen daß die historische Sintflut im Diluvium stattfand. Diluvium bedeutet Überschwemmung und bezeichnet ein geologisches Zeitalter des Pleistozän, das etwa 2,5 Millionen Jahre lang von 2,6 Mio bis ca. 12000 v. Chr. dauerte.
Zuerst spotteten die Wissenschaftler über den Wahrheitsgehalt der alten Geschichte. Woher kommt so viel Wasser, daß es 15 Ellen über die höchsten Berge gereicht haben soll, und wohin verschwand es danach wieder? Wie fanden 30 Millionen Arten von Tieren Platz auf einer Arche? Was haben sie 40 plus 150 Tage lang gefressen? Und was fraßen sie, nachdem sie der Arche wieder entstiegen? Und: nur sieben Paare je Tierart - das konnte doch nicht deren Überleben sichern! So spottete Voltaire (1694-1778).
Heute wissen die Forscher, woher das viele Wasser kam: von abschmelzenden Gletschern an den Polen und im Hochgebirge. So entstand die Glazialtheorie.
Auch heute sind wir von einem Anstieg der Meere bedroht:
Die Forscher erwarten für unser 21. Jahrhundert einen Anstieg der Meere von 80-180 Zentimetern aufgrund der Klimaerwärmung. Bis 2050 werden zwischen 50 und 200 Millionen Menschen ihre Heimat verlassen müssen. Auf flachen Küstengebieten weltweit leben 700 Millionen Menschen.
Wo werden sie unterkommen? Werden sie freundlich aufgenommen werden? Oder müssen sie ertrinken, wie so viele Flüchtlinge aus Syrien oder Afghanistan im Mittelmeer?
Und ist es gut, daß Gott das auserwählte Volk dafür strafen wollte, fremde Frauen zu heiraten und Kinder mit ihnen zu bekommen? „Da sahen die Kinder Gottes nach den Töchtern der Menschen, wie sie schön waren, und nahmen zu Weibern, welche sie wollten.“ Warum sind die Töchter der Menschen schlechtere Geschöpfe als die Auserwählten?
Das alles sind schwierige Fragen, und ihr werdet sie später im Unterricht sicher noch besprechen...
Ihr könnt auch einmal das Bibelmuseum Bibliorama in Stuttgart besuchen mit euren Eltern, wenn ihr in der Nähe seid!
Nun aber folgt die Geschichte - sie ist nicht von mir, sondern nacherzählt nach der Biblischen Geschichte
Es war einmal ein fernes Land, vor langer langer Zeit. Die Kinder Gottes waren seit Adam und Evas Vertreibung aus dem Paradies mehr und mehr geworden, und sie hatten sich Menschenfrauen genommen. Sie wurden uralt: die ältesten Berichte der Menschheit sagen, daß Methusalem 969 Jahre alt wurde. Als Methusalem starb und sein Enkelkind Noah fast siebzig Jahre alt war, ein junger Hüpfer nach biblischen Maßstäben, da geschah etwas:
Gott wollte der Sündhaftigkeit seines Volkes ein Ende setzen und es vernichten. Da hatte Gott wohl ein bißchen altmodische Vorstellungen, aber alle, die nicht gottgefällig lebten, sollten in einer gewaltigen Flut sterben.
Nur Noah und seine Familie sollten übrig bleiben.
Also befahl Gott dem Noah, als dieser schon 600 Jahre alt war, er solle einen Kasten bauen, die Arche. „mache dir einen Kasten von Tannenholz, und mache Kammern darinnen, und verpiche sie mit Pech inwendig und auswendig. Und mache ihn also: 300 Ellen sei die Länge, fünfzig Ellen die Weite, und dreißig Ellen die Höhe.“
Eine Elle hatte knapp einen halben Meter, also muß man sich die Arche so vorstellen: 120 Meter lang, 20 Meter breit und 12 Meter hoch. Gott sagte dem Noah ganz genau, wie er ein schwimmfähiges Schiff bauen mußte, denn das Wüstenvolk Noahs wußte nichts von der Seefahrt.
Gott sprach zu Noah: „denn siehe, ich will eine Sündflut mit Wasser kommen lassen auf Erden, zu verderben alles Fleisch, darinnen ein lebendiger Odem ist, unter dem Himmel. Alles, was auf Erden ist, soll untergehen.“
Noah sollte nun „mit seinen Söhnen, mit seinem Weibe, und mit seiner Söhne Weiber“ an Bord gehen. Und sieben Paare - Männlein und Fräulein - von allen Arten Vieh, Vögeln und Gewürm, auch genügend zu essen für sie alle mußte Noah in die Arche holen. So war die Arche wohl der erste Zoo der Welt, und noch heute heißen Tierparks, die aussterbende Arten schützen und pflegen, Arche.
Als alle an Bord der Arche waren, ließ Gott es regnen, vierzig Tage und vierzig Nächte (vierzig meint hier wieder „viel“). Alle Brunnen der großen Tiefe brachen auf. Das Wasser floß über das Land, es stieg und stieg immer weiter. Bald hob es die Arche empor, und tatsächlich schwamm das große Schiff, mit allen Menschen und Tieren an Bord: den Rindern, Eseln und Schafen, aber auch mit Geparden, Robben, 'Delphinen, Löwen und Giraffen - und natürlich Erdmännchen und Drachen! Nur die Meerestiere, die Fische, Delphine und Wale, durften in ihrem Element bleiben. Und das Wasser stieg und stieg. Die Täler und Ebenen versanken, dann die Hügel und endlich die Berge. Auch der höchste Berg versank, und das Wasser stand 15 Ellen hoch darüber. 150 Tage lang blieb das Hochwasser, bevor es endlich wieder sank. Wind kam auf, die Tiefbrunnen hörten auf zu sprudeln, und endlich endlich hörte der Regen auf. Am 17. Tag des 7. Monats berührte die Arche Grund: sie war auf dem Berg Ararat gestrandet. Über 5000 Meter hoch ist dieser Berg im Osten der Türkei. Ein Rabe sollte nun auskundschaften, wie es auf dem Land aussah. Auch eine Taube schickte Noah aus, doch beide fanden zuerst kein trockenes Land. Endlich aber kam die Taube mit einem Ölzweig zurück! Doch Noah wartete noch lange, bis er das Dach der Arche öffnete.
Gott sprach zu ihm: „Allerlei Tier das bei dir ist, von allerlei Fleisch, an Vögeln, an Vieh und an allerlei Gewürme, das auf Erden kriechet, das gehe heraus mit dir; und reget euch auf Erden und seid fruchtbar und mehret euch auf Erden.“
Noah gehorchte, doch tat er noch mehr: er brachte ein Brandopfer dar, mit den wenigen Tieren die er in der Arche gerettet hatte! Nun waren noch weniger Tiere und Vögel übrig, und Gott sprach zu Noah: „Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebet, wie ich getan habe. So lange die Erde steht, soll nicht aufhören Same und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“
Ein Zeichen Gottes erschien, damit Noah und die Seinen wußten, daß Gott das Brandopfer angenommen hatte: ein Regenbogen, mit sieben Farben!
„Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken, der soll das Zeichen sein des Bundes, zwischen mir und der Erde. Und wenn es kommt, daß ich Wolken über die Erde führe, so soll man meinen Bogen sehen in den Wolken. Alsdann will ich gedenken an meinen Bund zwischen mir und euch, und allem lebendigen Tier, in allerlei Fleisch, daß nicht mehr hinfort eine Sündflut komme, die alles Fleisch verderbe.“
Gott war damals schon sehr alt, und deshalb brauchte er ein „Erinner-mich“: den Regenbogen. Wenn er den sah, hörte er auf über die Schlechtigkeit der Menschen zu zürnen, und er ließ es sein, eine Regenflut auf die Erde niederzuschicken.
Aber auch Noah und seine Familie wußten, wenn sie den Regenbogen sahen: Gott hat uns verziehen, und wir müssen uns würdig zeigen.
Sie wurden Ackerleute, bauten Wein an. Noah lebte nach der Sintflut noch 350 Jahre, und er starb mit 950 Jahren. Seine Nachkommen aber lebten lange und zufrieden, und wer weiß - vielleicht leben sie noch heute...
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Warum eigentlich wurden die Menschen damals so unglaublich alt? Methusalem zeugt im zarten Alter von 187 Jahren den Sohn Lamech und lebte dann noch 782 Jahre bis zu seinem Tod - im Jahr der Sintflut! Noah wurde 600 Jahre vorher geboren, da war Methusalem also 369 Jahre alt...
Wir dürfen gespannt sein, welche wissenschaftliche Erklärung es für dieses hohe Alter gibt!
So kann man zum Beispiel annehmen, daß man vor solch langen Zeiten keinen überall gültigen Kalender hatte. Noch vor 200 Jahren gab es nichtmal in Deutschland eine einheitliche Uhrzeit! Die wurde erst eingeführt, als die Eisenbahn erfunden war - schließlich muß der Fahrplan ja eingehalten werden!
Und es kann auch sein, daß Geschichtenerzähler - und solche haben ja die Bibel niedergeschrieben - immer etwas übertreiben müssen, um die Wichtigkeit einer Person hervorzuheben. Dazu kommt noch, daß die biblischen Namen zu einer ganzen Sippe gehören, so daß möglicherweise der Urururgroßvater oder aber der Urururenkel gemeint gewesen ist. Das konnten nur die Menschen wissen, die zu jener Zeit lebten. Wer später die Niederschriften las, konnte es nicht mehr wissen.
© Marieta Hiller