Andenken an längst getrunkene Schoppen

im Gasthaus Zum Grünen Baum in Reichenbach

Aktuell Juni 2026: 

Nachdem Karlheinz Hechler im August 2025 verstorben war, übernahm Barbara Hechler offiziell den Betrieb, unterstützt nach wie vor von Sohn Rainer. Im Dezember 2027 wollten die beiden sich zur Ruhe setzen und bis dahin die guten Kontakte zu ihrer weitverbreiteten Kunschaft pflegen.

Doch es kam anders: am 21. Mai 2026 standen morgens drei Amtspersonen in der Metzgerei. Vom Veterinäramt Heppenheim sollte eine Gesamtabnahme des an einen anderen Besitzer übergegangenen Betriebes erfolgen. Die Gerätschaften und Maschinen, die achtzig Jahre lang im Traditionsbetrieb ihren Zweck erfüllten, ohne daß jemals jemand von den leckeren Erzeugnissen krank geworden wäre, seien viel zu alt und unhygienisch, zumal die Metzgerei nicht über eine geeignete Spülmaschine für die - teils sehr umfangreichen - Gerätschaften verfügt. Und so wurde am 21. Mai 2026 der Stab gebrochen.

Über eine Metzgerfamilie mit achtzigjähriger Tradition, die sich immer für guten Geschmack, Hygiene und Tierwohl eingesetzt hatte, die handwerkliches Können zeigte, das man bei manch liebloser Supermarktware vermißt. Es gab kein Verhandeln: würde am 22. Mai nochmals produziert, so käme man wieder - mit entsprechenden Maßnahmen. Also wurde bereits Vorbereitetes vernichtet und entsorgt, Hechlers durften nur noch Konserven und Geräuchertes verkaufen. Vorbei die wundervollen Zeiten mit Bärlauchfleischwurst, Zwiebelbratwurst, Kerwe-Hackbraten und selbstgemachtem Kartoffelsalat.

Zur Zeit (Sommer 2026) sind Barbara und Rainer Hechler von 10-14 Uhr da, es gibt einen Trödelverkauf für Geschirr, Dekoartikel und vieles mehr. Die vorrätige Dosenwurst wurde inzwischen von der Fangemeinde fast restlos gekauft.

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Lesen Sie bitte weiter: Beitrag vom August 2021

Gesammelte Erinnerungsstücke: Familie Hechler in Reichenbach kann auf eine über 110jährige Metzgereigeschichte zurückblicken. 1903 wurde das Moguntia Gewürzwerk in Mainz gegründet, vier Jahre später waren Hechlers bereits Kunde. Lesen Sie hier die Geschichten aus dem Metzgerei-Gasthaus zu Krügen und Brauereien!

Die gesammelten Schätze der Familie Hechler

 Noch voll, aber leider ohne Angabe des Abfüll- oder Verfallsdatums. Wer sich traut sie auszutrinken, bekommt die Flasche! Manch böse Zungen würden jetzt sagen, daß man das Bier noch nicht einmal trinken konnte, als es frisch abgefüllt war - geschweige denn jetzt, 30 Jahre später! Andere bekommen glänzende Augen, wenn sie sich an ihre Jugend und die damals weggeputzten Bierchen erinnern...

Flohmarkt-Fundstück: alter Guntrum-Kasten; Die Guntrum Brauerei wurde 1859 gegründet und existierte bis ins Jahr 1987. 1874 errichtete die Brauerei - zeitgleich mit der Papierfabrik Euler - die erste Dampfmaschine in Bensheim. In Darmstadt arbeiteten die Brauerenen damals schon seit 42 Jahren mit Dampfmaschinen.

Beitrag von 2007: Die Gastwirtschaft "Zum grünen Baum"

Wenn man die Gastwirtschaft „Zum Grünen Baum“ betritt fühlt man sich um Jahre zurück versetzt. Man kann sich gut vorstellen, wie es einst vor hundert Jahren dort war und gewiss auch heute oftmals noch ist, wo sich das ganze Dorf zum Austausch der aktuellen Geschehnisse traf und wo mit Sicherheit so manches Gerücht in die Welt gesetzt wurde und so manches Geschehnis in der örtlichen Politik beeinflusst wurde. Der Meisterbrief des Gründers aus dem Jahre 1911 an der Wand erinnert neben vielen weiteren Urkunden, die sich im Laufe der Jahre angesammelt haben an längst vergangene Zeiten. Es gibt sie also noch, die alteingesessene einfache Gastwirtschaft und die Wirtsleute Karl-Heinz und Barbara Hechler – von den Stammgästen liebevoll Bärbel genannt – sind wirklich noch Wirtsleute vom alten Schlag und betreiben das Wirtshaus in der dritten Generation.

Dass auch er, Karl-Heinz Hechler, Metzger und Wirt wurde, „war Pflicht, denn das hat man als Jugendlicher von seinen Eltern deutlich so gesagt bekommen“.
Obwohl sein Sohn Rainer genauso wie dessen Bruder – dieser ist als Informatiker in München tätig – etwas anderes hätte lernen können, ist auch er Metzger und arbeitet im Familienbetrieb mit. Die nächste Generation steht also bereit.
Für das leibliche Wohl sorgt in der Küche Chefin Barbara. Wird Tatar von den Gästen gewünscht, huscht die gelernte Metzgereifachverkäuferin durch die Holztür in die Metzgerei nebenan, und wenig später wird das frische Hackfleisch mit Eigelb serviert. Dazu wird selbstredend Odenwälder Apfelwein aus eigener Herstellung serviert.

Neben dem leiblichen Wohl ist der Austausch am Stammtisch noch immer das Markenzeichen der Gaststätte, wo Wirt Karl-Heinz gerne mal ein Wörtchen mitredet.
Die Gäste kommen aus Frankfurt, Darmstadt, Heidelberg oder aber auch aus der nahen Umgebung und dem Lautertal selbst. Einige kehren zum Mittagessen ein und erledigen danach noch in der Metzgerei ihren Einkauf.

Am 1. April 2007 konnte nun das 100jährige Jubiläum begangen werden und Barbara und Karl-Heinz Hechler hatten zur zwanglosen Jubiläumsfeier geladen. Neben den Stammgästen und der Familie waren der Bürgermeister Jürgen Kaltwasser, als Vertreter des Gemeindevorstandes Karl-Heinz Grüner und Heinz Eichhorn gekommen. Heinz Eichhorn erschien extra für das 100jährige in Lautertaler Tracht mit Odenwälder Dreispitz-Hut. Im Namen des Hotel- und Gaststättenverbandes Kreis Bergstraße überreichte HOGA-Kreisgeschäftsführerin Christine Friedrich eine Urkunde des DEHOGA Hessen.

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