Am Lebenslauf von Anna Maria Conrad, Frau des Schiffmanns und Pastoreigehilfen Conrad in Klein Heubach und als eine der letzten Hexen im Odenwald 1646 hingerichtet, erläuterte die Odenwälder Ahnenforscherin Heidi Banse im April 2015 in ihrem Vortrag bei den Landfrauen Gadernheim, wie schnell man zur Hexe wird. Es genügten oftmals fünf Beschuldigungen zur Verhaftung. Solche Aussagen wurden bewußt von der Obrigkeit durch Versprechungen provoziert, auch wenn es dem Verleumder letztlich nicht half, den eigenen Kopf zu retten. Neid und Mißgunst waren häufig weitere Gründe, jemanden der Hexerei zu bezichtigen. Von Hexenprozessen in Klein Heubach berichtet auch Pfarrer Martin Walter in der Reichenbacher Chronik: von einem Hexengericht 1612, von der Verbrennung zweier Giftmischerinnen 1617, von weiteren 29 in Hexenprozessen ermordeten Menschen 1629. Die Vorwürfe sind aus heutiger Sicht absurd: Hexen seien beispielsweise die Verursacher der kleinen Eiszeit mit ihren Hungersnöten, Pfarrer Martin Walter berichtet von Schneefall im Juni. Doch schon früh (1598) gab es Menschen wie Pfarrer Prätorius in Laudenbach, die sich öffentlich gegen die Folter von in seinen Augen unschuldigen Frauen und Männern aussprachen:
„Alles Wetter kommt von Gott zum Segen oder zur Strafe nach seiner Gerechtigkeit und mag den Hexen nichts davon zugeschrieben werden. Außerdem sind die Mittel, welche Hexen gebrauchen zum Wettermachen ganz und gar kraftlos.“
Bei Anna Maria Conrad wurde letztlich der Vorwurf der Blutschande mit ihrem Bruder Georg Ludwig als Vorwand zur Verurteilung herangezogen. Sie konnte zunächst fliehen und wandte sich hilfesuchend an den Rat in Frankfurt, wo sie ihr Recht verlangte. Der Rat lieferte sie jedoch aus, und ihr Ehemann mußte 600 Gulden Prozeßkosten zahlen, das ist der Gegenwert für einen stattlichen Vierseithof. Er wollte seine Frau erst nicht mehr zuhause aufnehmen. Er starb 1637, neun Jahre später wurde Anna Maria als rechtskräftig verurteilte Hexe hingerichtet. Anklage: Teufelsbuhl, Hexentanz, Beischlaf mit dem Teufel. Heidi Banse trug die grausigen Dokumente von 48 Frauen und 31 Männern aus Klein Heubach zusammen, ihren Vortrag darüber hält sie an vielen Orten, aber in Klein Heubach ist er bis heute nicht erwünscht. Ein Ende für den Hexenwahn im Odenwald setzte Graf Ludwig von Erbach-Erbach, jedoch nicht aus Mitleid oder Rechtsempfinden, sondern aufgrund tragischer Ereignisse in der Familie, die ihm keinen Raum für Hexenprozesse ließen. An vielen Orten zeugen heute noch Hexentürme von den Verfolgungen. In Gelnhausen schuf die Reichenbacher Bildhauerin Eva Gesine Wegener 1986 die Skulptur „die Rufende“ (Foto von Gudrun Kauck, bitte nach unten rollen), für die sie die Gesichter von heute lebenden Gelnhäuser Frauen abmodellierte. Es ist das erste Denkmal in Europa, das die als Hexen Verfolgten ehrt. Einige der Modellfrauen verließ später der Mut und sie wollten ihr Konterfei nicht in der Skulptur sehen. Während des dritten Reiches ließ Heinrich Himmler aus ganz Europa Akten zu Hexenprozessen zusammentragen. Damit wollte er beweisen, daß die Juden es waren, die abertausende Frauen dem Hexenwahn anheimgegeben haben. Marieta Hiller