Tischlein Deck Dich! Kulinarisches und Märchenhaftes...
Zwei Tage lang hörten wir im Duft eines reifen "Le Rustique" den Märchen und was es darüber zu wissen gibt zu, während der 22. Sagen- und Märchentage in Reichelsheim Ende Oktober 2017. Dazu muß man wissen, daß die Dekoration im historischen Saal in Reichelsheim zu den Sagen- und Märchentagen stets liebevoll und ganz aufs jeweilige Thema abgestimmt durch Carolin Colin hergerichtet wird. Und zum Thema "Tischlein Deck Dich" gehörte eben auch ein reifer Camembert...
Märchen: Brot für die Seele
Michaele Scherenberg: "Märchen muß man teilen wie das Brot"
Die einheimische Spezialitätenküche machte aus der Not eine Tugend: einfach, preiswert und bodenständig, aber dafür nahrhaft und fantasievoll waren die Gerichte. Der Küchenzettel einer typischen Alltagswoche liest sich so:
- Sonntags gab es Fleisch, zum Beispiel "Hingel mit Filsel". Wer kein Fleisch hatte, mußte zumindest so tun als ob, das verlangten die guten Sitten. Also stellte man sich ins Fenster und puhlte mit dem Zahnstocher in den Zähnen, so daß jeder glaubte, man hätte ordentlich Fleisch gegessen.
- Montags wurden die Reste vom Sonntag aufgetischt, z. B. Brotdungselsoß un Sala
- Dienstags standen etwa Unererdkohlroawe auf dem Speisenplan
- Mittwochs ein Kartoffelgericht wie Verheijde un gebaggene Eier
- Donnerstags gab es Gemüse wie Saure Stiel oder ein Kohlgericht
- Freitags aß man eine Süßspeise, z. B. Himmel un Erd
- und am Samstag Eintopf, z.B. Schichteintopf
Der Tagesablauf sah so aus: morgens aß man Kartoffelkuche, das Mittagessen siehe oben: zum Kaffee, der eigentlich Malzkaffee war, gab es Latwergebrot, und abends Hausmacher Wurst mit Brot oder Bratkartoffel und eingemachte Gummern.
Wenn es hier um Geschichten aus dem Lautertal geht, so sind damit ganz unterschiedliche Dörfer gemeint: es gibt die Steinarbeiterdörfer entlang der Nibelungenstraße, wo die treusorgende Hausfrau ihre Lebensmittel durch Kauf oder Tausch beschaffte - und es gibt die Bauerndörfer auf den Höhen südlich und nördlich, wo Selbstproduziertes in die Töpfe kam. Doch Sparsamkeit herrschte auch in Bauernhäusern - lesen Sie selbst, hier ist die Übersicht - Die meisten Kapitel aus dem Lautertaler Dibbezauber von 1996 wurden im Spinnstubb 2.0 Jahrbuch 2024 neu veröffentlicht.
Alltagsküche im Lautertal: viel Arbeit, wenig Fleisch - Der Steckrübenwinter - oder was unsere Eltern und Großeltern über Vollkornnudeln dachten...