„Daß von Grabstätten und Kirchhöfen häufige Dünste in die Höhe steigen, das beweisen unter andern die an solchen Orten gewöhnlichen Lufterscheinungen, z.E. das dumme Feuer oder Irrwisch. Und daß dergleichen ganz subtile Dünste, die nicht alle Menschen oder Tiere, sondern nur diese und jene ganz besonders empfinden können...“
Das schrieb Amtsarzt Dr. Ludwig Gottfried Klein im Jahre 1754 in seinem Buch über die Odenwälder "...statt des Confekts fressen sie eine gute Portion Kartoffeln..."
Wie man als Homosexueller im 20. Jahrhundert lebte: Darmstadt unter dem rosa Winkel
Man sollte meinen, daß mit dem Kriegsende 1945, mit dem Ende der Nazigewaltherrschaft, auch die NS-Gerichtsbarkeit außer Kraft gesetzt wurde. Die Aliierten übernahmen alle Funktionen und strukturierten Behörden und staatliche Einrichtungen neu.
Einige Paragraphen aus der alten Gesetzgebung wurden jedoch noch für lange Zeit weiter angewendet. Wer aufgrund des Paragrafen 175 in Haft war, blieb es weiterhin. Die Nationalsozialisten hatten ein perfides Mittel, um wehrfähige Männer von Straftaten abzuschrecken, die auf diese Weise von der Front ins Gefängnis wollten: sie wurden zwar in Haft verwahrt, ihre eigentliche Strafe war jedoch erst nach Kriegsende abzubüßen.
Als man fürstlicherseits noch in die Sommerfrische reiste, anstatt eine "Spritztour" oder einen Ausflug in die Natur zu machen, gab es in den Wäldern um uns herum zahlreiche Plätze, die heute fast unbekannt sind.
Um die vorletzte Jahrhundertwende entstanden diese Orte der Lustbarkeit für Adelsangehörige: Jennis Höhe bei Breitenwiesen, die Elisabethenruhe und die Ferdinandenhöhe bei Reichenbach zum Beispiel.
- Lesen Sie dazu: Spuren vergangener Fürstlichkeiten im Wald um uns herum und Weinbau im Odenwald?! Streifzüge an der Modau mit Torsten Schäfer
- und scrollen Sie gelegentlich bis ans Ende dieses Beitrages, dort finden sich gelegentlich Ergänzungen!
1806 errichtete das Fürstenhaus Thurn und Taxis im neuentstandenen Großherzogtum Hessen eine Postverwaltung. Das Fürstenhaus war bereits seit 1490 das europaweite Postwesen inne und betrieb später die Kaiserliche Reichspost als erbliche Generalpostmeister.
In Darmstadt gab es ein Oberpostamt mit Postexpeditionen im Umland. Von der Postexpedition in Ober-Ramstadt wurden die Bürgermeistereien beliefert. Hier konnte man seine Post entweder abholen oder sie wurde gegen Bringgebühr von einem Kreuzer bis ins Haus zugestellt. Jeder Postbote sollte nicht mehr als 30 Pfund tragen (heute müssen Paketdienstmitarbeiterinnen bis zu 30 Kilogramm heben).
Lange nachdem laut Schöpfungsbericht das "Es werde Licht" erscholl, lernten die Menschen ihre Wohnhöhlen und später Häuser zu erleuchten. Brennende Holzspäne, Öllampen, Kerzen sorgten ordentlich für Feinstaub.
Um 1860 gab es Petroleumlampen mit Öl aus Rumänien. 1866 erfand Werner v. Siemens die Dynamomaschine, damit konnte elektrischer Strom erzeugt werden. Thomas A. Edison (und andere!) erfand dazu 1879 die Glühbirne, die ersten Hochspannungsleitungen wurden 1882 gebaut. 1891 gelang die erste Drehstromübertragung durch den Odenwald: von Lauffen am Neckar bis Frankfurt durch Eberbach entlang der Odenwaldbahn bis Hanau.
Vom antiken Lärmfeuer bis zu 5G: Fernübertragung von Information zu zivilen und militärischen Zwecken
Wer wichtige Information schnell und zuverlässig über weite Entfernungen übermitteln kann, hat den Fortschritt in der Hand. Wer nur auf reitende Boten zurückgreifen kann, schafft eine Informationsweitergabe mit maximal 300 km pro Tag (mit mehreren Pferdewechseln). Wer heutzutage einen Brief mit der Post verschickt, bekommt ihn mit etwas Pech vier Wochen später als unzustellbar zurück - und das obwohl die Adresse korrekt war. "Meine Herren, diese 28.000 Landbriefträger machen täglich einen Kreislauf von 560.000 Kilometern - das ist vierzehnmal der Umfang der Erde!" Ausspruch von Ernst Heinrich Wilhelm Stephan 1896 zur Leistung der Briefträger. Stephan (1831-1897) war u.a. deutscher Generalpostdirektor des Deutschen Reiches.
Auf dem höchsten Punkt des alten Ortskerns von Nieder-Beerbach steht die Kirche: erbaut wurde sie um 1404 anstelle einer älteren Kirche, die mutwillig zerstört worden war.

Ein ganz besonderes Erlebnis bot das Arbeitstreffen Montanarchäologie im Mai 2013 in Reichelsheim neben zahlreichen Exkursionen und Vorträgen: einen Ausflug in die Unterwelt des Marmoritwerkes in Hochstädten.

In den Onlinebriefen des Verschönerungsvereins Reichenbach erschien 2015 ein mehrteiliger Beitrag von Heinz Eichhorn über das Kriegsende in Reichenbach. Da die Onlinebriefe leider nicht mehr online sind, veröffentlichen wir an dieser Stelle diesen Beitrag.

Im letzten Kriegsjahr kam es in Lautertal zu mehreren Abschüssen von Militärflugzeugen oder zu Notlandungen, wie hier auf der Höhe zwischen Lautern und Brandau. Repro Heinz Eichhorn
Lesen Sie dazu auch: Der Lancaster-Absturz im Neunkircher Wald und Tagebuch: Kriegsende in Gronau
2018 fand die Sonderausstellung „Türme und historische Gebäude“ von Peter Elbert im Drachenmuseum in Lindenfels statt. Der Gadernheimer Modellbauer Peter Elbert zeigt hier die Ev. Kirche, den geplanten Bahnhof, die Rossmannsmühle, die Bismarckwarte Lindenfels, den Melibokusturm und das Bensheimer Rinnentor.

Seit 1631: die alte Schmiede, ältestes Haus in Gadernheim
Die alte Schmiede in Gadernheim besteht seit 1631 und war immer ein Familienbetrieb.

1780 übernahm sie der Großvater von Daniel Käferstein vom seinem Großvater, dem alten Schmied-Schorsch. Bevor er im Jahr 2000 eine Schlosserlehre begann, lag die Schmiede in den Händen seines Onkels Georg Roß.

Vater Georg und Sohn Daniel bei der Arbeit

Radbiege, Amboß und Hebezeug

Hufeisen

Die Schmiede steht unter Denkmalschutz, es dürfen nur Erhaltungsarbeiten vorgenommen werden. Alle Geräte sind noch voll funktionsfähig und in Gebrauch. Neue Maschinen werden hier nicht gebraucht, alles funktioniert nach althergebrachtem Handwerk.
Anker an Hauswänden sind geschmiedet. Sie werden beim Hausbau im Balkenverschraubt und stabilisieren die Wände. Man sieht sie an vielen alten Häusern, jeder Schmied hatte hier seine eigene "Handschrift".
Schmieden kann man auch Stahl in Eisen. Warf man Eisenspäne ins Feuer, gab es wunderschöne Funken wie bei einer Wunderkerze. Der Schmied hat das aber nicht gern, denn so kann er nicht sehen, ob das Eisen im Feuer die richtige Temperatur hat. Dann nämlich beginnt das Eisen zu funken.
Eisenspäne wurden übrigens einfach im Garten entsorgt: so wird die wunderschöne Blaufärbung bei Rhododendronbüschen hervorgerufen.
Marieta Hiller, 1999
Umgesetzt wurde der Gadernheimer Meilenstein aus Sandstein von seinem Originalstandort im Jahr 2010 im Auftrag der Gemeinde Lautertal, um ihn besser präsentieren zu können. Frisch renoviert und gut sichtbar begrüßt er nun die Reisenden, die von Kolmbach nach Gadernheim kommen an der Abzweigung nach Schannenbach. Ursprünglich stand der Meilenstein an der Provinzialstraße des Großherzogtums Hessen-Darmstadt an einer sehr wichtigen Stelle: er markierte die Kreuzung der "Alten Straße" oder "Hohen Straße" an der Abzweigung nach Kolmbach.
Zwischen Hoxhohl und Ernsthofen liegt das Waldhaus. Erbaut war es einst 1899 von den Deutschen Amphibolinwerken worden. Die DAW, 1895 von Familie Murjahn in Ober-Ramstadt gegründet, hatte bereits zehn Jahre zuvor im Odenwald Schürfrechte für Mangan erworben, das für die Farbenproduktion notwendig war. Bei Probebohrungen wurde jedoch nur Hornblende gefunden. Diese, auch Calcium-Amphibole genannt, wurden ab 1889 gefördert und in der Farbenproduktion erprobt. Eduard Murjahn gründete 1889 die Hornblende-Verarbeitung unter dem Namen "Deutsche Amphibolin-Werke von Eduard Murjahn" in Ernsthofen. Zugleich gründete die Familie in Ober-Ramstadt das Unternehmen Deutsche Amphibolin-Werke von Robert Murjahn, der 1894 ein Verputzpulver auf Basis von Kalk und Kreide entwickelt hatte, das nun in Ober-Ramstadt hergestellt und unter dem Namen Murjahns Verputz-Anstrich-Pulver vermarktet wurde. Im Jahr 1901 wurde mit der Produktion von Pulverfarbe aus geleimter Kreide begonnen, die ab 1909 unter dem Namen Alpinaweiß vertrieben wurde.
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