Lustig war es nicht, und fröhlich und fidel waren die Räuber in dieser vorindustriellen Zeit sicherlich auch nicht. Durch einen unmenschlichen Verwaltungsapparat in die Armut getrieben, blieb manchen Menschen eigentlich gar nichts übrig, als sich einer Räuberbande anzuschließen. Die unzugänglichen Hügelräume des Spessart, des Odenwaldes, der Pfalz und anderer Regionen waren günstige Zufluchtsorte für sie. Doch Zuflucht bedeutete oft: in einer Höhle leben, ohne Hab und Gut, ohne Sicherheit und von der Hand in den Mund.
Wer kennt es noch: das Gefühl, wenn die Nase an der Schaufensterscheibe festgefroren scheint, weil man so lange, lange hineingeschaut hat in all die Herrlichkeit! Puppen mit Schlafaugen und seidiger Haarpracht, Sternenflitter und Kerzenschimmer, rauchende Schornsteine auf winzigen Häuschen, an denen eine Eisenbahn mit Dampflokomotive vorbeirattert! Drücken wir - und unsere Kinder - uns heute noch Nasen platt an Computerbildschirmen? Stehen wir mit zu Eis gefrorenen Händen und Füßen da und schauen, stundenlang?
Längst ist all die Spielzeugpracht nicht mehr unerreichbar, versperrt durch eine große kalte Glasscheibe, hinter einer Tür, an der wohl ein klingendes Glöckchen erklingt, aber auch eine gestrenge ältere Dame dafür sorgt, daß wir nichts anfassen...
Grenzgänge können sehr ergiebig sein, um an historische oder volkskundliche Details zu kommen. Was ich in Beedenkirchen, Gadernheim, Breitenwiesen, Lautern, Neunkirchen und Lorsch erlebt und erfahren habe, außerdem eine Beschreibung des alten Weges zwischen Gadernheim und Allertshofen, warum die Hutzelstraße Hutzelstraße heißt, aktuelle Grenzgeschichten von Geflüchteten und vieles mehr... Und wer weiß: vielleicht entdecken wir eines Tages doch noch, wo der geheimnisvolle Grenzpunkt Reonga aus dem Lorscher Kodex zu finden ist! Eine spannende Geschichte dazu habe ich seit 25 Jahre lang meinen großen und kleinen Gästen im Felsenmeer erzählt: die Sache mit der saftigen Ohrfeige!
Das Modautaler Dorf Allertshofen wird oftmals nur als Bestandteil des Doppeldorfes Allertshofen-Hoxhohl genannt.
Jedoch war Allertshofen in früheren Zeiten ein ganz eigenständiges Gebilde, das seit 1479 wie Nieder- und Ober-Beerbach, Schmal-Beerbach, Stettbach und Eberstadt zur ritterschaftlichen Herrschaft Frankenstein gehörte. Diese Herrschaft konnte innerhalb der Obergrafschaft Katzenelnbogen weitgehend selbständig agieren, was die Einsetzung von Schultheißen in ihren Dörfern und die Nutzungen aus denselben betraf.
Die Hohe Gerichtsbarkeit, also Strafgerichtsbarkeit, überregionale Regulierungen an Gewässern, Wald und Flur, Aufstellung militärischer Zentmannschaften und kirchliche Zugehörigkeit der Dörfer war der Obergrafschaft Katzenelnbogen vorbehalten.
1795 wurde auf der Hochfläche zwischen Darsberg, Grein und Hirschhorn Wald gerodet und 6 Erbhöfe angelegt. 1834 zählte das Dorf 60 Einwohner. Doch schon 2 Jahrzehnte später lebten hier nur noch 3 Personen. Missernten und die schlechten Sandböden hatten die Bauern gezwungen das Dorf zu verlassen. Nur der Förster musste wegen der für damalige Beamte üblichen Residenzpflicht in Michelbuch verbleiben.
Wer ist er eigentlich, der Nikolaus? Ist er ein Guter oder ein Böser? Wer kennt ihn nicht: „den großen Nikolas mit seinem großen Tintenfaß“ - der zur Strafe für ungehorsame Kinder im Struwwelpeter als Drohfigur auftritt. Generationen von Kindern wurden mit dem - heutzutage völlig ungeeigneten - Erziehungshilfsmittel von Dr. Heinrich Hoffmann geängstigt. Die unzerreißbare, ungekürzte farbige Volksausgabe steht wohl noch in jedem Bücherschrank, aber Angst vor dem Nikolaus hat heute keiner mehr.
Kelten im Odenwald: darüber läßt sich trefflich streiten... Wer waren sie - die geheimnisvollen Kelten? Lebten sie hier im Odenwald, einst vor vielen Jahrhunderten - lange vor unserer Zeitrechnung? Oder gab es sie hier gar nicht! Bei dem reichen Erzvorkommen im Odenwald an vielen Stellen liegt die Vermutung nahe, daß sie hier ebenfalls Bergbau betrieben haben. Das Zeitalter der Kelten teilt sich auf in die Hallstattzeit (800 bis 450 vor Christus) und die Latène-Zeit (450 v. Chr. bis 0) und wird auch Eisenzeit genannt. Denn erst die Kelten hatten das Verhütten von Eisen gelernt. Vorher brauchte man kein Erz und der Odenwald war eine undurchdringliche Wildnis. War sie das auch zur Zeit der Kelten?
Im August 2017 konnten die Mitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins Oberzent e. V. Beerfelden das Freigelände hinter dem Museum der Oberzent öffentlich vorstellen. Geologische Exponate aus dem Buntsandstein des Odenwaldes, vom Rohmaterial aus dem Steinbruch, bis zu dessen vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten sind hier zu besichtigen. Im oberen Bereich des Geländes befinden sich ein Säulengöbel sowie eine Feldscheune mit land- und forstwirtschaftlichen Geräten. Zuer Einweihung des mit Unterstützung des Geo-Naturparks Bergstraße-Odenwald ausgeschilderten Museumsweges baute die Arbeitsgemeinschaft Altbergbau Odenwald eine mittelalterliche Verhüttungsanlage für Eisenerz nach: einen Rennofen.
Kostbare Erze und finstere Köhler im Wald - Wo Erze sind, da gibt’s auch Köhlerei
Von Drachen, Zwergen und unermeßlichen Schätzen künden uns die Märchen - und doch haben auch die sagenhaftesten Erzählungen einen wahren Kern. Tatsächlich ruhen tief in der Erde verborgen Schätze: Gold, Silber, Edelsteine, Metalle und „Seltene Erden“. Die Menschen heutiger Tage benötigen sie samt und sonders für ihr Wohlbefinden, für Dinge des Alltags ebenso wie für hochtechnische Abläufe, die nun wirklich nicht ins Märchenland gehören. Nichts auf unserer Welt würde ohne Bodenschätze gelingen, und wir fragen uns, wie wohl die Menschen jener längst vergangenen Epoche, der Steinzeit, gelebt haben mögen, ohne die Nutzung von Metall zu beherrschen. Ihnen aber folgten die Kelten und die Germanen - in ihrem Namen selbst klingt die Metallnutzung an, denn Ger bedeutet Speer und German bedeutet Speermann. Stollen trieben sie in die Berge und gruben tiefe Schächte bis hinunter zu den Schätzen im Schoß der Erde. Das Wissen, das sie einst erwarben, bleibt bis heute für Bergleute gültig. Uralte Weisheiten: so wie die Ratten das sinkende Schiff verlassen, so huschen alle Mäuse aus dem Bergwerk, wenn die Luft schlecht wird. Bergleute wissen dann, daß es auch für sie höchste Zeit wird, aus dem Berg zu kommen. Hohe Temperaturen sind vonnöten, sollen die Schätze aus den Tiefen der Erde gewonnen werden. Einst unter hohem Druck und bei großer Hitze in Stein gebannt, kommen Gold, Silber, Eisen und andere Metalle aus dem Erz nur heraus, wenn ebensolche urgewaltigen Kräfte auf sie wirken. Metalle werden aus Erzen bereits seit der Eisenzeit gewonnen, daher hat diese Zeit ja ihren Namen. Über 2800 Jahre ist es nun schon her, daß Menschen begannen, sich Metalle dienstbar zu machen. Das Feuer - Urbegleiter des Menschen seit der Steinzeit ein paar tausend Jährchen zuvor - hatten sie gründlich studiert und konnten es nun für besondere Zwecke gebändigt werden. So gelang es jenen Menschen der Hallstadt- und LaTènezeit, über 300 Grad Hitze zu erzeugen. Dieses Feuer kann aus Holz Holzkohle werden lassen. Und Holzkohle kann aus Erz reines Metall zaubern. Denn mit Holzkohle werden jene höllischen Temperaturen erzeugt, nämlich 1100 bis 1350 Grad, mit denen das begehrte Metall aus dem Erz herausgetrennt werden kann. Wie das mit einfachsten Mitteln funktioniert, zeigen historische Rennöfen.
Die Köhlerei ist seit dem Aufkommen der ergiebigeren Steinkohle aus unseren Wäldern verschwunden. Wie der Köhler einst lebte, womit er "telefonierte", wozu man seine Holzkohle brauchte und wie ein Kohlenmeiler oder ein Rennofen heutzutage betrieben wird, lest ihr hier! Lehnt euch bequem zurück und genießt, daß ihr euch nicht mehr so anstrengen müßt wie die Waldarbeiter früherer Tage! Am 16. August 2017 wurde das Köhlerhandwerk in Fürth zum Immateriellen Kulturerbe ernannt. Die Übergabe des UNESCO-Zertifikates an die Fürther Naturagendten fand am Schaumeiler in Fürth statt, der Teil des Niederwald-Lehrpfades auf dem Hochscheppel ist.
Die Altstraßen nach einer Zeichnung von Georg Grohrock und anderes Interessantes über Straßen
Ein geschichtsbegeisterter Wanderer ist Georg Grohrock, pensionierter Geometer aus Gadernheim. Er zeichnete mir in die topografische Karte Blatt 6218 Neunkirchen 1:25.000 (älteres Modell) den Verlauf einiger Altstraßen ein.
„Wenn wir heute noch um die Existenz der politischen Gemeinde kämpfen müssen, ist das nicht reines Unvermögen, sondern auch Folge von Gesetzen, die nicht allen Kommunen gleich gut bekommen waren“ meint Hans Seeger aus Beedenkirchen in seiner Broschüre „Lautertal was nun? Zukunftsperspektiven“. Damit spielt er auf die Gebietsreform 1972 an, die aus zwölf Dörfern eine Gemeinde machte. „Herr Loandrat, isch koann me net helfe, äwwe woann me zäje Oarme zuammedut, gitt däss noch koan Reische“ (Zitat Karl Germann, damals Bürgermeister in Reichenbach).
Das Land Hessen habe die neu entstandene Kommune mit ihren Problemen alleine gelassen. Und tatsächlich, bei Licht betrachtet, ist heute - über 40 Jahre später - noch immer keine Gemeinde Lautertal entstanden, die „aus einem Guß“ erscheint. Dabei weist Seeger auf zwei starke Vorteile hin, die die Bewohner des Lautertals zu bieten haben: es gibt ein vielfältiges Angebot an leistungsfähigen Handwerkerbetrieben und Industriezulieferern auf der einen und eine gut ausgebildete Einwohnerschaft, die mit für die niedrigste Arbeitslosenquote in der Region sorgt.
„Am 17. Februar 1619 hat der Herr Ambtmann das erste Mal auf dem Rahthaus zu Gadern gericht gehalten“ - so steht es in der Chronik des Reichenbacher Pfarrers Pfarrer Martin Walther (1599-1620), die glücklicherweise auch Hinweise auf die Nachbardörfer Reichenbachs verzeichnet.
Somit kann das Gadernheimer Rathaus auf eine vierhundertjährige Geschichte als öffentliches Gebäude zurückblicken.