In manchen alten Bauernhäusern, in der Stadt auch - sehr selten! - in historischen Wohnhäusern, entdeckt man zuweilen als unterste Schicht auf dem Wandputz schablonierte Malereien. Diese kunstvollen Wanddekorationen schufen sich die Bewohner in früheren Zeiten, als Tapeten noch etwas für Fürstenhäuser waren.
Regionalmuseum Reichelsheim: Malerutensilien
Die Wände der Wohnung wurden früher meist mit Musterwalzen verziert, die die Farbe direkt auf den Putz brachten. Erst mit dem Wirtschaftswunder konnten sich die Leute Tapeten leisten, und die Putzkunst geriet in Vergessenheit. Aber in den letzten Jahren kommen kunstvolle Wanddekorationen mit Musterschablonen, Musterwalzen, Schwämmen und Stempeln wieder in Mode, lassen sie doch viel mehr Raum für Kreativität als die schreiend-bunten Tapeten.
Zur Hochblüte der Knopfdreherei in Reinheim in der Mitte des 19. Jahrhunderts stellten etwa 30 Familien aus Knochen Knöpfe her, die sogenannten Beinknöpfe. Sie waren sehr gefragt, und die Reinheimer konnten den Bedarf an Massenware, vor allem auf den Märkten in Erbach und Darmstadt, decken. Aus dem Abfall konnte noch Knochenmehl, ein guter Dünger, hergestellt werden. Die Knopfdreherei ernährte ihre Familien oft besser als die Landwirtschaft.
Knopfbild aus der Reinheimer Knopf-Ausstellung 2013
Seien sie vornehm unsichtbar oder auch mollig weich und warm: Kleider braucht jeder Mensch. Warum eigentlich ist der Mensch so nackt und schutzbedürftig? Gab er sein wärmendes Fell auf, als er das Feuer entdeckte? Schien ihm sein haariger Körper zu tierisch, zu unvornehm? Niemand weiß, was zu jenen fernen Zeiten am Höhlenfeuer in den Köpfen der Alten vor sich ging.
Der 11. November ist ein wichtiger Tag: einerseits beginnt da die 5. Jahreszeit - die Fastnacht.
Andererseits hat diese Jahreszeit ihren Ursprung darin, daß ab dem 11. November bis Weihnachten Fastenzeit herrschte. Deshalb ließen es sich die Menschen vorher schnell noch einmal gut gehen. An diesem Tag mußte der Zehnte abgeliefert werden - wenn es auch leider nie beim Zehnten, dem Zehntel der Einkünfte, blieb.
Im Winter 2013 habe ich eine dreimonatige Ausbildung zur Gästeführerin "Römer im Odenwald" mit Zertifikat absolviert und freute mich dann darauf, vor Ort im Felsenmeer Geschichte und Geschichten über die Römer den Gästen näherbringen zu dürfen! Silvana Odina in der caupona« - eine römischstämmige Garköchin in Germanien klagt ihr Leid, nicht ohne dazu köstliche Spezialitäten aus "medias res" - der geheimnisvollen römischen Civitas MED... (Dieburg) zu servieren.
Angeblich sind ja die Hügel des Odenwaldes entstanden, als der eine Felsenmeer-Riese auf der Suche nach Edelsteinen für seinen Schatz alles durchwühlt hat. Tatsächlich finden sich in diesem kleinen Gebirge fast alle Edelsteinarten. Wichtiger für die Menschen war jedoch Metall: Eisen, Kupfer, Silber, Blei. Eisenerz wurde schon früh geschürft: die ältesten Belege stammen aus dem 8. Jahrhundert n. Chr., zum Teil fand man es in Erdlöchern, sogenannten Pingen, oder man grub flache Schächte, selten weiter als 10 Meter abgeteuft.Während Silber, Blei und Kupfer meist im kristallinen Odenwald abgebaut wurden, grub man im Sandsteinodenwald nach Eisenerz, Mangan und Schwerspat.
Geht man suchenden Blickes über bestimmte Äcker, wenn sie frisch gepflügt sind, findet man an manchen Stellen im Odenwald Steine mit Granateinschlüssen, Manganknollen oder auch Schwerspatbrocken. Schon im Lorscher Kodex wurde anno 773 die Mark Heppenheim beschrieben, demnach zog sich die Grenze von der Bergstraße und den Felsberg hinauf zum Winterkasten auf der Neunkircher Höhe und weiter zur Arezgrefte, was schlicht Erzgrube heißt. Lange vermutete man, daß diese Arezgrefte bei Erzbach (Nomen est Omen!) lagen, heute ortet man sie eher am Fuß des Kahlberges bei Fürth-Brombach.
Viele Orts- und Geländenamen im Odenwald künden von der mittelalterlichen Bergbautätigkeit. (Jochen Babist, Anthropogene Geländemorphologie des Bergbaureviers Weschnith bei Fürth im mittleren Odenwald, Tagungsband Mining and Cultural Landscape 2013 S. 72ff)
Weihnachten, Christkind - und warum wir an diesem Datum feiern
"Wir feiern den 25. Dezember nicht wegen der Geburt der Sonne wie die Ungläubigen, sondern wegen der Geburt dessen, der die Sonne erschaffen hat." so sprach Kirchenvater Augustinus (4. Jh. n. Chr.). Es ging nicht an, daß die Menschen wie in vorchristlicher Zeit die Tage um die Wintersonnwende als eine besondere Zeit begingen. Man hielt Einkehr, überdachte das Vergangene und bereitete sich zugleich auf das neue Jahr vor. Bei den Römern gab es die Saturnalien, die Römer feierten Mittwinter und die Ägypter die Geburt des Horus.
Lustig war es nicht, und fröhlich und fidel waren die Räuber in dieser vorindustriellen Zeit sicherlich auch nicht. Durch einen unmenschlichen Verwaltungsapparat in die Armut getrieben, blieb manchen Menschen eigentlich gar nichts übrig, als sich einer Räuberbande anzuschließen. Die unzugänglichen Hügelräume des Spessart, des Odenwaldes, der Pfalz und anderer Regionen waren günstige Zufluchtsorte für sie. Doch Zuflucht bedeutete oft: in einer Höhle leben, ohne Hab und Gut, ohne Sicherheit und von der Hand in den Mund.
Wer kennt es noch: das Gefühl, wenn die Nase an der Schaufensterscheibe festgefroren scheint, weil man so lange, lange hineingeschaut hat in all die Herrlichkeit! Puppen mit Schlafaugen und seidiger Haarpracht, Sternenflitter und Kerzenschimmer, rauchende Schornsteine auf winzigen Häuschen, an denen eine Eisenbahn mit Dampflokomotive vorbeirattert! Drücken wir - und unsere Kinder - uns heute noch Nasen platt an Computerbildschirmen? Stehen wir mit zu Eis gefrorenen Händen und Füßen da und schauen, stundenlang?
Längst ist all die Spielzeugpracht nicht mehr unerreichbar, versperrt durch eine große kalte Glasscheibe, hinter einer Tür, an der wohl ein klingendes Glöckchen erklingt, aber auch eine gestrenge ältere Dame dafür sorgt, daß wir nichts anfassen...
Grenzgänge können sehr ergiebig sein, um an historische oder volkskundliche Details zu kommen. Was ich in Beedenkirchen, Gadernheim, Breitenwiesen, Lautern, Neunkirchen und Lorsch erlebt und erfahren habe, außerdem eine Beschreibung des alten Weges zwischen Gadernheim und Allertshofen, warum die Hutzelstraße Hutzelstraße heißt, aktuelle Grenzgeschichten von Geflüchteten und vieles mehr... Und wer weiß: vielleicht entdecken wir eines Tages doch noch, wo der geheimnisvolle Grenzpunkt Reonga aus dem Lorscher Kodex zu finden ist! Eine spannende Geschichte dazu habe ich seit 25 Jahre lang meinen großen und kleinen Gästen im Felsenmeer erzählt: die Sache mit der saftigen Ohrfeige!
Das Modautaler Dorf Allertshofen wird oftmals nur als Bestandteil des Doppeldorfes Allertshofen-Hoxhohl genannt.
Jedoch war Allertshofen in früheren Zeiten ein ganz eigenständiges Gebilde, das seit 1479 wie Nieder- und Ober-Beerbach, Schmal-Beerbach, Stettbach und Eberstadt zur ritterschaftlichen Herrschaft Frankenstein gehörte. Diese Herrschaft konnte innerhalb der Obergrafschaft Katzenelnbogen weitgehend selbständig agieren, was die Einsetzung von Schultheißen in ihren Dörfern und die Nutzungen aus denselben betraf.
Die Hohe Gerichtsbarkeit, also Strafgerichtsbarkeit, überregionale Regulierungen an Gewässern, Wald und Flur, Aufstellung militärischer Zentmannschaften und kirchliche Zugehörigkeit der Dörfer war der Obergrafschaft Katzenelnbogen vorbehalten.
1795 wurde auf der Hochfläche zwischen Darsberg, Grein und Hirschhorn Wald gerodet und 6 Erbhöfe angelegt. 1834 zählte das Dorf 60 Einwohner. Doch schon 2 Jahrzehnte später lebten hier nur noch 3 Personen. Missernten und die schlechten Sandböden hatten die Bauern gezwungen das Dorf zu verlassen. Nur der Förster musste wegen der für damalige Beamte üblichen Residenzpflicht in Michelbuch verbleiben.
Wer ist er eigentlich, der Nikolaus? Ist er ein Guter oder ein Böser? Wer kennt ihn nicht: „den großen Nikolas mit seinem großen Tintenfaß“ - der zur Strafe für ungehorsame Kinder im Struwwelpeter als Drohfigur auftritt. Generationen von Kindern wurden mit dem - heutzutage völlig ungeeigneten - Erziehungshilfsmittel von Dr. Heinrich Hoffmann geängstigt. Die unzerreißbare, ungekürzte farbige Volksausgabe steht wohl noch in jedem Bücherschrank, aber Angst vor dem Nikolaus hat heute keiner mehr.