Kaum ein historischer Beruf ist so geheimnisvoll wie die Steinmetzkunst: eigene Sprache, eigene Zeichen, eigene Figuren, die zu lesen sehr spannend ist - wenn man erfährt, wie es geht. An dieser Kunst ließ uns Dietmar Wolf, seines Zeichens Steinhandwerksgeselle in Straßburg und pädagogischer Ausbildungstrainer im europäischen Bildungszentrum für Steinhand-werksgeschichte UFWG, teilhaben. „Mit Gunst und Erlaubnis“ - so lautet die Eingangsformel im Wanderhandwerk der Steinmetzgesellen. Mit Berufsfremden sprachen sie nur das Nötigste, untereinander hatte die Bruderschaft der Straßburger Steinmetze fest definierte Regelzeichen, ihre Symbole.
Seit Menschen seßhaft wurden, läßt sich das Wohnen - und damit verbunden das Bauen - nicht mehr aus ihrem Alltag wegdenken. Am Beginn stand das Feuer am Lager; es bot Sicherheit, Wärme und Behaglichkeit. Das Feuer bildete die Mitte der Gemeinschaft, die umgeben war von einer schützenden Wand aus Dunkelheit, undurchdringlich für gefährliche Tiere oder Geister. Lebte man in einer Höhle, so vermittelte gerade das
„Aus-der-Höhle-Herausschauen“
ein besonderes Behaglichkeitsgefühl. Wer in die Höhle hineinschaute, der sah bestenfalls nichts. Das Wort Behaglichkeit ist für uns moderne Menschen untrennbar mit einer wohligen Heizquelle verbunden, der Wortstamm kommt jedoch von Hag, der Hecke. Mit Hecken - ganz ähnliches Wort wie Hege - umgaben wir unseren allerersten Besitz.
Auf Höhle, Feuer und Hecke folgte der Herd in der Hütte, wir waren inzwischen vom Jäger und Sammler zum Bauern geworden. Noch heute klingt im Wort für Hütte das Hüten mit.
Stille Nacht, Heilige Nacht - der Deutschen liebstes Weihnachtslied
Stille Nacht! Heilige Nacht! Wo sich heut' alle Macht väterlicher Liebe ergoß, und als Bruder huldvoll umschloß Jesus die Völker der Welt. Jesus die Völker der Welt.
Im Flurnamenbuch von Erzbach bei Reichelsheim taucht anno 795 im Lorscher Kodex Walehinhoug auf, später im 11./12. Jh. als Welinehouc bezeichnet. Eine uralte Grenze verläuft über den Kahlberg: hoch erhebt sich der Berg mit dem Walburgiskapellchen über dem Weschnitztal südöstlich von Fürth im Odenwald. Die Grenzen der fränkischen Gaue Lobdengau, Mingarteiba, Oberrheingau und Maingau endeten hier, wo Weschnitz, Marbach, Osterbach und Ulfenbach die Landschaft bestimmen. Karl der Große umriß die Mark Heppenheim 773 und schenkte sie dem jungen Kloster Lorsch.
Urkunde 6 (Reg. 849) Schenkung Karls des Großen in Heppenheim
Karl der Erlauchte, von Gottes Gnaden König der Franken, allen unseren Getreuen, den gegenwärtigen und den zukünftigeen. Was weir den Niederlassungen der Klöster aus wohltätiger Überlegung gewähren, wird uns, wie wir fest vertrauen, ohne Zweifel durch Gottes Schutz zur ewigen Seligkeit gereichen. Aus diesem Grunde sei euch kund und zu wissen, daß wir um des Herrn Namen und unserer Seele Seligkeit willen unserem Kloster, welches Lorsch genannt wird, wo der Leib des heiligsten Märtyrers Nazarius beigesetzt ist und Gundeland als Abt regiert, eine Schenkung zu machen....
Ein Heilszeichen an der alten Wallfahrtstraße von Neustadt über Hainhaus, Würzberg und Bullau zum heilbringenden Quellwasser der Wallfahrtskirche Schöllenbach ist im Laufe der Jahrhunderte weit in den Stamm einer mächtigen uralten Buche eingewachsen. Es ist ein lebendiges Flurdenkmal, denn das Bild wurde stets gut erhalten und immer wieder liegen Zweige und Blumen hier. Menschen kommen hier vorbei und halten Andacht, danken ihrem Schöpfer für alles, halten Prozessionen ab. Die Reformation brachte diesen alten Brauch zum Erlöschen, doch im 17. und 18. Jahrhundert setzte er sich wieder durch.
Ist Magie das Kuriositätenkabinett der Zauberkunst? Die Schreckenskammer der Kulturgeschichte? Mystisch-hermetische Geheimlehre am Rande legitimer Glaubensbekenntnisse? Wie paßt Magie zu unserer rationalistisch-aufgeklärten Weltsicht? Wunder, Gebete, Beschwörungsformeln? Ist das Aberglaube? Stehen wir auf einer Stufe mit Dr. Faustus, nur weil wir „toi toi toi“ sagen und mit den Knöcheln auf Holz klopfen?
Ein schauriger Ort im Odenwald ist der dreischläfrige Galgen bei Beerfelden. Auf der Anhöhe liegt der einzige heute noch erhaltene Galgen seiner Art, errichtet aus Sandstein anno 1597. Vorher stand auf der Gerichtsstätte bereits ein hölzerner Galgen aus uralten Zeiten.
Bereits die alten Germanen kannten die Hinrichtung durch Hängen, wie Tacitus (55-116 n. Chr.) berichtet. Gehängt wurden Diebe, während Mörder meist gerädert wurden. Und so machten Diebe auch in Beerfelden am historischen Galgen Bekanntschaft mit „des Seilers Tochter" bzw. mußten „Hanfsuppe" essen.
1958 brachte der Hessische Rundfunk eine Hörfunksendung (Fernsehen hatte da noch fast niemand) mit Kindern aus Lindenfels. Die Kinder mit ihrem Lehrer Philipp Bickelhaupt sangen Lieder zum Osterfest. Der Sprecher ließ sich von den Kindern einiges über das Osterfest und die Bräuche, die damit zusammengingen, erklären.
Und völlig unverfälscht sprachen die Kinder, heute alle um die 65 Jahre alt, breiten Odenwälder Dialekt - in der Schule und im Radio. Von Nestern aus Moos, einem Hasengärtchen und dem Nebel über Waldwiesen erzähen sie. Das ist gar kein Nebel, sondern Rauch aus der Werkstatt der Osterhasen. Es müssen nämlich soviele Ostereier bemalt werden, das kann unmöglich nur ein einziger Osterhase schaffen. Seine ganze Familie hat viel zu tun vor Ostern. Man darf ihnen aber nicht zu nahe kommen, sonst sind sie schwupps verschwunden.
Gelnhausen: einst wichtige Station an einer großen Handelsstraße
Wald ist das große Thema der Menschen und ganz besonders der Märchenfreunde. Doch nun begleiten Sie mich aus dem Wald heraus in die Gemütlichkeit der Spessartstädtchen. Für uns Menschen bedeutet Wald nicht undurchdringliches Dickicht, sondern geordnete Natur, und seit alters her haben wir es gern, wenn ein Weg hindurchführt. Sicher können wir auf diesem Weg entlangspazieren, rechts und links umgeben von gerade so viel Wildnis, wie wir in unserer Furcht ertragen können. Und so sind die Wege durch den Wald für uns das Wichtige, nicht so sehr der Wald selbst!
Wege aber sind so alt wie die Menschheit. Und ein besonders alter und wichtiger Weg ist die Handelsstraße zwischen Paris und Kiew, oder - um in unseren Regionen zu bleiben - zwischen Frankfurt und Leipzig, kurz „die Straße“ genannt. Und auf diese Straße möchte ich Sie, liebe Märchenfreunde, jetzt mitnehmen. Stellen Sie sich vor, Sie sind Kaufmann, haben ein Fuhrwerk voll der kostbarsten Seidenstoffe auf der Leipziger Messe ergattert. Gleichzeitig konnten Sie dort ein Säcklein klimpernder Münzen für Ihre handgeschnitzten Hirschhornknöpfe aus dem Odenwald oder aber für zwei Paar feingearbeitete Offenbacher Lederstiefeletten für die Damen der Kiewer feinen Gesellschaft gewinnen. Diese Münzen haben Sie sorgfältig unterfüttert in den Saum Ihres Reiseumhanges eingenäht, für ein ungeübtes Auge nicht zu erkennen, von dicken gierigen Wirtsfingern nicht zu ertasten.
Eine Zeitreise vom Feldweg zur Nibelungenstraße mit Heidi Adam, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Geschichts- und Heimatvereine im Kreis Bergstraße, im November 2016
Der Reichenbacher Verschönerungsverein (VVR) hatte zu diesem Vortrag eingeladen. Die Nibelungenstraße ist jünger als mancher glaubt. Ihre Entstehung und Veränderung legte Frau Adam dar.
Menschen sind zu allen Zeiten in Bewegung, doch früher war dies oft beschwerlich. Seit Seßhaftwerdung der Jäger und Sammler entstehen Orte und verbindende Wege. Die wichtigsten sind Flüsse, dann folgen Straßen.
Knoden entstand im 11. Jh als Gründung des Klosters Lorsch. Es gab einen Blockeinödhof in Knoden, der vom Kloster selbst bewirtschaftet wurde, das war der Herrenhof. Auf mehreren Waldhufen wirtschafteten abhängige Siedler. Spannendes über die "Knodener Kunst" lesen Sie hier! Grenzmarkierungen waren auch in früherer Zeit die Grenzsteine. Dort gab es "Unterlagen": geheime Dokumente oder tote Zeugen die höchste Beweiskraft bei Grenzstreitigkeiten hatten, wurden unter den Grenzstein gelegt. Wer die Unterlagen verräumte, machte sich strafbar.
Wer in den Höhendörfern Schannenbach, Knoden und Breitenwiesen einst lebte
Schannenbach wurde erstmals erwähnt im Jahr 1398, damals gehörte es zum katholischen Amt Gronau. In Knoden lebten im 16. Jahrhundert sieben Familien, in Schannenbach vier und in Breitenwiesen vier. Man hatte damals noch keine Familiennamen: das Salbuch von Lindenfels anno 1568 benennt die Bewohner mit Vornamen. 1623 waren es in Knoden und Schannenbach je acht Familien, in Breitenwiesen sechs, während die Bewohnerschaft nur 50 Jahre später auf je vier Familien zurückging. 1742 lebten in Schannenbach fünf Bauern mit drei Beisassen, in Knoden acht Bauern und in Breitenwiesen fünf. Wieder fünfzig Jahre später: sechs Bauern in Schannenbach, fünf in Knoden und drei in Breitenwiesen. 1817 lebten in Schannenbach in insgesamt 10 Häusern 65 Einwohner, davon fünf Bauern, ein Schuster, drei Leineweber und zwei Tagelöhner.
Religion ist nicht Glaubenssache des Einzelnen, sondern jeweiligen Landesherrn
In der Geschichte Schannenbachs und Knodens mit Breitenwiesen geht es im Lauf der Jahrhunderte hin und her: 1540 Einführung der Reformation, lutherisches Amt Gronau. Die ersten Schweizer Zuwanderer schlossen sich dem reformierten Amt Schlierbach an, einige aber auch zu Reichenbach.
1561 im Tausch von Erbach Schönberg an Churpfalz, kommt als Neuzent zum Amt Lindenfels 1618 bis 1648 dauerte der 30jährige Krieg. Truppen verschiedener Herkunft zogen marodierend durch die Dörfer und versetzten die Bevölkerung in Angst und Schrecken. Doch nicht nur vor den Plünderungen und Vergewaltigungen hatten die Leute Angst, sondern vor allem auch vor den Werbern. Mit Hinterlist und Tücke, meist auch unter Gewaltanwendung, rekrutierten die Werber in den Dörfern alles was laufen konnte als Soldaten. Meist wurden die, die mit dem Troß weiterziehen mußten, nie wieder zuhause gesehen. Kein Wunder, daß man sich da lieber versteckte, wenn wieder einmal die Trompeten erschallten.
Die persönlichen Kostbarkeiten wurden hinter einem Mauerstein in ein hohles Wandstück auf dem Dachboden versteckt, das Vieh ließ man aus den Ställen, damit es entkommen konnte, und die Leute selbst flohen in die Wälder. Bei Kälte, Nässe und Dunkelheit harrten sie dort aus, wo der Wald am tiefsten war, fern von ihrem Heimathaus.
Im Einzelnen ging es im 30jährigen Krieg ziemlich bewegt zu: 1622-48 Bayrisch (Heidelberg von Tilly eingenommen), 1622 Einmarsch der spanischen Truppen unter Cordova und Tilly in die Dörfer der Neuzent. Mit den Bayern wurde alles kaiserlich katholisch, die reformierten Lehrer und Pfarrer wurden vertrieben. 1630 kamen die Schweden unter Gustav Adolf, alles wurde protestantisch, 1632 starb Gustav Adolf, 1634 Niederlage der Schweden in der Schlacht von Nördlingen, alles wurde wieder kaiserlich und katholisch.
Um 1630 Pestepidemie: Die Pesttoten aus Knoden, Breitenwiesen, Schannenbach wurden laut Pfarrer Martin Walther in Schlierbach beerdigt, wo man eigentlich nicht für sie zuständig war. Das Land war am Ende völlig entvölkert durch Krieg und Pest, z.B. hatte Mossau im Jahr 1648 null Einwohner, Hüttenthal 2, Hiltersklingen 1 und Güttersbach 4. (nach Peter W. Sattler). Über die kirchliche Zugehörigkeit während des 30jährigen Krieges gibt es keine Belege.
1648 wird alles kurpfälzisch und bleibt es auch bis 1803, das entvölkerte Land wird zur Neubesiedlung durch Zuwanderer aus der Schweiz freigegeben. Doch bald schon geht es weiter:
1672 Eroberungskrieg Ludwigs des XIV gegen Holland, Truppen aus Österreich und Kurbrandenburg kamen Holland zu Hilfe und zogen auch durch den Odenwald.
1674 kam Marschall Turenne (frz) über den Rhein in die Pfälzer Gebiete bis zum Main. 1688 Pfälzischer Erbfolgekrieg, Zerstörung des Heidelberger Schlosses. Die Odenwald-Bauern mußten Fuhrdienste leisten, Vieh- und Lebensmitteldiebstähle der Truppen waren an der Tagesordnung, die Landbevölkerung floh wiederum in die Wälder oder sie versuchten in den Schlössern Zuflucht zu erhalten.
1696 endete der Krieg für kurze Zeit, 1701 ging es schon weiter: Spanischer Erbfolgekrieg bis 1713. Auch im Odenwald ist Aufmarschgebiet. Im Winter 1703/04 sind Münsterische Truppen in Reichenbach und Lautern einquartiert. Aus dem Jahr 1707 ist dokumentiert, daß die Einwohner bis in die Lichtenberger Wälder flohen. Nach all diesen wechselvollen Jahrzehnten, in denen Unsicherheit, Angst und Hunger herrschten, scheint die Zeit nach 1714 noch einmal schlimmer zu werden, denn hier ist die große Armut und das Elend der Bevölkerung ausdrücklich in der Chronik vermerkt.
1733-38 folgt der Polnische Erbfolgekrieg mit Durchmarsch durch den Odenwald, 1735 russische Erbfolgekriege mit Durchmarsch russischer Truppen, 1740-48 der Österreichische Erbfolgekrieg, dto. Auch im Siebenjährigen Krieg um Schlesien zogen Friedrich des Großen Werber durch den Odenwald, um Soldaten anzuwerben, dabei waren die holländischen Soldatenwerber besonders erfolgreich. Nettes Detail zum Österreichischen Erbfolgekrieg: der geschäftstüchtige Landgraf von Hessen-Kassel verleiht Truppen an beide Parteien.
Auch später, 1776-1783, müssen hessisch-kasseler Landeskinder für England gegen Amerika kämpfen (Unabhängigkeitskrieg). „Ab nach Kassel“ ist der Schreckensruf der Zeit. Das betraf aber glücklicherweise weniger die Odenwälder Bevölkerung. Danach scheinen sich die Erbfolger und andere Krieger etwas beruhigt zu haben, die Bevölkerung kann aufatmen und aus den Wäldern an ihren heimischen Herd zurückkehren.
Doch es braucht Jahre, um die verwüsteten Felder wieder fruchtbar zu machen. Häuser und Ställe sind geplündert und niedergebrannt, die Leute haben oft nur noch das, was sie auf dem Leib tragen. Die Kriege hatten jeweils Grenzverlegungen zur Folge, so daß der Position der Grenzsteine besondere Wichtigkeit zukam. aus diesem Grund gab es früher so viele blutige Auseinandersetzungen, in denen ein Grenzstein eine Rolle spielte. Sie durften auf keinen Fall heimlich versetzt werden, sonst geschahen schaurige Dinge. Der Begriff „Unterlagen“ für amtliche Dokumente kommt übrigens von den Grenzsteinen: als geheime „tote“ Zeugen wurden die unterzeichneten Dokumente über den Grenzverlauf unter den Grenzsteine vergraben, sie hatten höchste Beweiskraft bei Grenzstreitigkeiten.
1803 wird das kurpfälzische Oberamt Lindenfels hessisch und gehört ab da zum Märkergericht Bensheim. Zuvor waren am 30.9.1802 hessische Truppen in Lindenfels einmarschiert. Schannenbach, Knoden und Breitenwiesen blieben im Amt Lindenfels, der dortige Oberamtmann Morlock wurde von den Hessen übernommen.
Die weiteren Wechsel vollziehen sich glücklicherweise weitgehend auf der Verwaltungsebene: 1806 wird die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt zum Großherzogtum Hessen.
1812 Auflösung des Amtes Lindenfels, Verwaltungsreform. Schannenbach, Knoden und Breitenwiesen kommen zu Heppenheim, was bewaffnete Aufstände als Protest im Odenwald heraufbeschwor.
Am 17.12.1820 Verkündung der Verfassung des Großherzogtums Hessen. Mit der nächsten Verwaltungsreform 1821 kamen die drei Dörfer wieder zum Landratsbezirk Lindenfels, der schließlich 1832 aufgelöst wird.
Stattdessen werden die Kreise geschaffen, und unsere drei Dörfer kommen zum Kreis Heppenheim. 1852 schon werden sie erneut zum Kreis Lindenfels geschlagen, der 1874 wieder aufgelöst wird. Wir kommen zum Kreis Bensheim. Inzwischen formiert sich 1918 der Volksstaat Hessen. 1938 wird der Kreis Bensheim aufgelöst, und unsere Dörfer kommen zum Kreis Bergstraße mit Sitz Heppenheim. Bis 1821 waren Schannenbach und Knoden mit Breitenwiesen eigenständige Gemeinden mit eigener Gemarkung. Sie bildeten gemeinsam mit Scheuerberg, Mittershausen, Mitlechtern eine gemeinsame Bürgermeisterei in Mittershausen.
Damit man sieht, worum sich all diese Kriegs- und Verwaltungshelden eigentlich stritten: im 16. Jh gab es in Knoden 7 Familien, in Schannenbach 4, in Breitenwiesen 4. Familiennamen waren damals laut Lindenfelser Salbuch von 1568 noch nicht gebräuchlich. 1623 waren es laut Einwohnerliste mal je acht Familien in Schannenbach und Knoden und sechs in Breitenwiesen, dann ging es wieder zurück. 1817 zählte Schannenbach 5 Bauern, 1 Schuster, 3 Leineweber, 2 Tagelöhner, insgesamt 64 Einwohner in 10 Häusern. Im Jahr 1883 gab es in Knoden 10 Wahlberechtigte, in Schannenbach 25, in Breitenwiesen 2. Am 11. September 1944 verbrannten bei der Bombardierung Darmstadts die meisten Dokumente und historischen Belege. Nach dem zweiten Weltkrieg und dem dritten Reich gab es nur noch zwei Änderungen: 1945 legte die Militärregierung die drei Dörfer wieder zusammen, das Land Hessen der BRD entstand, und 1972 müssen sich die drei Bergdörfer zur Talgemeinde Lautertal gruppieren lassen.
Schule: gemeinsame Winterschule in Knoden
Seit 1759 gab es gemeinsamen Unterricht für die Kinder aus Schannenbach, Knoden und Breitenwiesen, aber nur im Winter. Dieser fand ab 1852 im Schulhaus Schannenbach (dessen Glocke jetzt auf dem Dorfgemeinschaftshaus steht) und ab 1863 in Knoden statt. Im Sommer wurden die Kinder für die Feldarbeit oder zum Leineweben, Rechenmachen etc. gebraucht.