Zu Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden überall Eisenbahn-Comités, so sollte auch eine Eisenbahn-Anbindung von Darmstadt bis nach Lindenfels gehen, mit Anbindung an die ebenfalls nie gebaute Lautertalbahn. Zunächst plante man von Ober-Ramstadt bis Lindenfels, aber Darmstadt war stark an einer Anbindung interessiert.
Eisenbahnkomitees allerorten: neue Eisenbahnlinien für schlecht angebundene Odenwaldorte
In den Geschichtsblättern des Kreises Bergstraße Band 17 von 1984 beschreibt Hans Knapp die Eisenbahngeschichte des Kreises Bergstraße. Demnach fuhren anfangs auf der Hauptstrecke Frankfurt-Heidelberg (Main-Neckar-Bahn, eröffnet 27. Juli 1846) täglich zwei Züge in jeder Richtung. Fünf Jahrzehnte später waren es 17 Schnellzüge, 24 Personenzüge, 15 Lokalzüge und 19 Güterzüge täglich. Die Strecke war ein voller Erfolg.
Bensheim, Heppenheim und Weinheim wollten an diesem "bahnbrechenden" Quantensprung in der Mobilität teilhaben, und es gab mehrere miteinander vernetzte Planungen.
"Wenn Wasser- und Eisenbahnstraßen im allgemeinen den Nationalwohlstand bedingen, ... so erscheinen die Bestrebungen der Bewohner des zur Provinz Starkenburg gehörigen Odenwaldes ... an seinen Wohltaten und Segnungen teilzunehmen, gewiß in jeder Beziehung gerechtfertigt und begründet."
Das Anwesen der Pappenfabrik Brücher in Reichenbach liegt auf dem Gelände der früheren Klinger- oder Metzgersmühle, direkt an der Lauter. Diese Mühle war von Johannes Görisch erbaut worden, von 1713 bis 1719 wird er als Besitzer genannt. Ab 1744 wird Johann Philipp Klinger aus Unter-Ostern als Besitzer genannt, seine Familie bleibt für drei Generationen hier. Für den Wasserfall der Lauter waren drei Gulden zu zahlen. Weitere Besitzer waren 1846 Peter Marquardt und 1850 Wilhelm Metzger. Kurz darauf Mayer Bentheim aus Auerbach; er verkaufte die Mühle 1855 für 4600 Gulden an Georg Brücher aus Groß-Zimmern. Die Familie Brücher blieb 160 Jahre auf der Mühle bis zum Tod von Michael Brücher.
Am 6. Januar 1906 - die Orte im Odenwald waren zu dieser Zeit übrigens noch nicht elektrisiert - nahm die erste Motor-Omnibusgesellschaft zwischen Bensheim und Lindenfels ihre Arbeit auf. Die Straße in Reichenbach wurde zum Schutz vor Überflutungen höhergelegt.
Für Steintransporte aus Lindenfels und dem Lautertal wurde damals der Bau einer Eisenbahn geplant. Die Projektierung stand bereits, die Finanzierung war gesichert, die Streckenpläne erstellt. Die Bahn sollte von Bensheim durch das Lautertal bis zum Gumper Kreuz gehen und dort auf die Nord-Süd-Verbindung Reinheim-Fürth stoßen.
Lesetipp: Wir ziehen nach Amerika - Briefe Odenwälder Auswanderer aus den Jahren 1830-1833, zusammengestellt von Marie-Louise Seidenfaden und Ulrich Kirschnick, 1988. ISBN 3-923366-03-5
Sehr aufschlußreich sind die Beispiele in den Briefen Odenwälder Auswanderer aus den Jahren 1830-1833. Man findet zahlreiche Belege für die Preise in Amerika im Vergleich zu unserer Region.
Jahrhundertelang verdienten sich die Odenwälder Bauern neben ihrer mühseligen Landwirtschaft durch Transportfahrten ein Zubrot. Siehe auch "Wie der Tourismus in den Odenwald kam" - hier wird auch erklärt, seit wann es überhaupt Straßen, also befahrbare Wege, gab. Den Eisenbahnbau an der Bergstraße und im Odenwald empfanden sie als äußerst schädlich fürs Geschäft, aber letztlich sorgte der Ausbruck des 1. Weltkrieges dafür, daß im Lautertal keine Eisenbahn gebaut wurde...
Seit 2017 herrscht Uneinigkeit, wann Lützelbach welches Jubiläum feiern kann. Im Februar 2017 wurde gutachterlich festgestellt, daß Lützelbach in der Tat im Jahr 2018 das 700-jährige Dorfjubiläum hatte. Gefeiert wurde dies nicht - sehr zum Betrübnis aller Beteiligten in und um Lützelbach. Zuvor war alles noch einfach, denn kurioserweise wurde im Jahr 1996, als die entscheidende Urkunde noch nicht bekannt war, das 650jährige Bestehen begangen. Wir hatten im Dezemberheft 2018 auf Seite 21 darüber berichtet. Nun hat der frühere Dipl.-Ing. Ernst Wege aus Lützelbach erneut nachgeforscht und kam auf dieses Ergebnis:
Mahlzeit - das ist die Zeit, die die Bauern warten mußten, bis ihr Getreide gemahlen war. Die Müllerin wird einst einen kräftigen Trunk dazu serviert haben.
So entwickelte sich in den Mühlen nicht nur die Grundlage für moderne Industrieanlagen, sondern auch der Ursprung der Gastfreundlichkeit - gepaart mit Geschäftssinn.
Nach dem 30jährigen Krieg baute Pfarrer Widerholt dieses Fachwerkhaus mit zahlreichen Bibelsprüchen in verschiedenen Sprachen und Schriften in der Ortsmitte von Schriesheim auf. Den Angriff der Franzosen 1674, dem viele Gebäude an der Bergstraße zum Opfer fielen, überstand das Widerholtsche Haus.