Familienbücher dürfen nicht in der Schublade bleiben!
Im Juli 2021 traf ich mich mit Werner Bickelhaupt, Ulrich Kirschnick und Manfred Scharschmidt in Brandau. Dabei erhielt ich zahlreiche Informationen über das Dorf und seine Bewohner in früheren Zeiten.
Die wichtigsten Informationen über das Dorf und seine Bewohner und Bräuche liefern historische Quellen: bis 1875 wird Wichtiges in den Kirchenbüchern vermerkt, ab 1876 werden die Standesamtsregister eingeführt. Jedoch ist es - wie im Falle Johann Wilhelm Grimm - oft nicht leicht, aussagefähige Informationen zu finden. Auch heute noch sind nicht alle Daten der Standesämter online. Andere dagegen finden sich auf genealogy.net bzw. genealogienetz.de. Unter dem Direktlink https://www.online-ofb.de/brandau/ lassen sich alle Brandauer Familiennamen entdecken, zusätzlich zugezogener oder weggezogener Personen. Die Kirchenbücher (Brandau gehört zu Neunkirchen) konnten von 1635 bis 1910 ausgewertet werden.
Bedenkt man, daß der dreißigjährige Krieg (1618-1648) und die Pestepidemien im 17. Jahrhundert zum fast vollständigen Aussterben der Bevölkerung im Odenwald führte, reichen die schriftlichen Quellen somit genau bis zu einem Punkt null zurück. In Brandau hat nur eine von 55 Familien hat überlebt: ihr Name war Mink - heute ein weit verbreiteter Name in unserer Region. Möglicherweise überlebte eine weitere nicht belegte Familie.
Plan der kameralfiskalischen Wiesen in der Gemarkung Ernsthofen aus dem Jahr 1882, erstellt von Forstaccessist Walther im Auftrag des Forstamtes Ernsthofen. die Karte hat das Format 133x56cm und wurde als kolorierte Federzeichnung erstellt. Die Karte ist unter der Signatur P 1 Nr. 1752 im Hessischen Staatsarchiv Darmstadt zu sehen.
Das erste Durchblick-Jahrbuch ist da und die Geschichte der Blaufarbenfabrik ist ausführlich dort nachzulesen!
Das erste Durchblick-Jahrbuch liegt nun vor, mit den wichtigsten Beiträgen, die ich 2021 sammeln konnte. Für meine Geschichte(n) bin ich ständig unterwegs: zu Interviews mit Zeitzeugen, in Archiven und Bibliotheken und natürlich auch im Internet. Deshalb trägt das Jahrbuch auch den Titel "Spinnstubb 2.0". Die Spinnstube war eine Zusammenkunft an den Winterabenden früherer Zeiten, an denen man mangels Fernsehen beisammensaß und erzählte. Die Geschichten wurden dann am späteren Abend immer abenteuerlicher...
Und ewig rauschen die Wälder? Wenn wir heute durch den Wald spazieren, sehen wir ein paar durstleidende Fichtenschonungen, daneben aber auch viel Mischwald mit Totholz und Dickichten. Sieht alles recht natürlich aus, so als wäre es seit Jahrhunderten vor sich hingewachsen. Irrtum!
Wer weiß etwas über die Grabstätte von Johann Wilhelm Grimm?
Einer der ersten Geometer in unserer Region war Johann Wilhelm Grimm. Er wurde 1703 geboren und zog im Laufe seines Lebens nach Reichenbach, wo er 1778 verstarb. In den Jahren zwischen 1729 und 1750 erfaßte er die Fluren unserer Region erstmals mit der exakten meßtechnischen Methode der Dreiecksvermessung. Bevor Grimm sich um 1730 herum aufmachte, die Landschaft unserer Dörfer exakt zu vermessen und zu kartieren, arbeitete man nicht mit Karten. Es genügten Einträge ins Gemeindebuch, um die Besitzverhältnisse zu klären. In Grimms Zeit fiel auch der Reichenbacher Kirchenneubau im Jahre 1747. Somit wurde Grimm auf dem neugestalteten Reichenbacher Friedhof beerdigt. Von seinem Grab ist heute jedoch nichts mehr bekannt.
Grenzgänge können viel über Land und Leute zu Tage fördern, wenn man bereit ist mitzugehen und zuzuhören. Einer der freundlichen Grenzgang-Führer war Georg Grohrock. Bereits im Jahr 2000 hatte ich an einer Führung mit Georg Grohrock in die Neunkircher Höhe teilgenommen. Ein übersprudelnder Quell an Wissen wurde den Wanderern auch 2009 zuteil:
Das Felsenmeer in einer alten Karte als Braunpause:
Quelle: HStAD Bestand P 1 Nr. 2267
Übersichts-Karte des Felsbergwaldes in der Gemarkung Reichenbach, Bensheim 19. Februar 1896
Urheber: Mit dem von mir aufgestellten Originale verglichen und ergänzt, Bensheim am 8. Mai 1883 gez. [Heinrich] Bickhardt, Gr[o]ßh[erzog]l[icher] Geometer I. Kl[asse]; Für die Richtigkeit der Abschrift, Bensheim, dem 19. Februar 1896 [Wilhelm] Wamsser, Gr[oßherzoglicher] Geometer II. Kl[asse]
Was zeigt uns diese Karte?
Fangen wir im Westen an:
da gibt es das Flurstück "Am Lampertstein", der Lampertstein selbst ist eingezeichnet. Dieser erinnert an den eifrigen Jäger, der 1838 mit dem gräflich erbach-schönbergischen Revierförster Rautenbusch im Felsbergwald unterwegs war: "Hier sank, durch die Selbstentladung der Flinte eines Jagdgefährten getroffen entseelt zu Boden Jacob Lampert, Bürgermeister zu Reichenbach, geboren am 6. April 1797, gestorben am 14. Dezember 1838." Wer sich wundert, daß ein Denkmal aus Sandstein mitten im Melaquarzdiorit des Felsberges steht, der führe sich vor Augen, wie leicht sich Sandstein im Gegensatz zu Letzterem bearbeiten läßt. Da lohnt der weitere Transport durchaus. Lesen Sie dazu auch "Lampertstein wurde in Erinnerung gerufen".
Oberhalb des Lampertsteins direkt am Weg befand sich der "Waldmannsschacht". Ein Schacht im Felsberg? Dazu wurden bislang keine Quellen gefunden...
Nördlich schließt sich am westlichen Rand der Karte die Flur "Am dicken Stein" an, das Geisennest. Was es damit auf sich hat, ist unklar. Die Stelle muß sich an der Kreuzung der Rundwege 3 und 6 unterhalb der Riesensäule befinden. Ganz nördlich auf der Grenze des Großherzogtums Hessen ist die Riesensäule eingezeichnet.
In zweiter Reihe von Norden nach Süden: die Flur heißt "An der Tischplatte", es gibt einen Frosch Sarg, die Tischplatte und die Raabschützenhöhle.
Südlich vom Lampertstein "An der Nonnwiese" und "Vorderbuckel" mit Riesenküche und Riesenrutsche. Die Riesenküche ist auch in der Welzbacher-Karte von 1890 eingezeichnet. Beides muß in dem Bereich am Schnapsloch in der Nähe des Parkplatz Talweg gelegen haben, etwas nördlich. Hier findet man heute Spuren von Steinbruchtätigkeit. Man kann also davon ausgehen, daß Riesenküche und Riesenrutsche nach 1896 abgebaut wurden.
Nördlich ist die Riesenkanzel, die Kapfeshöhle (leider war die Karte an dieser Stelle gefalzt) und mehrere Riesenkisten eingezeichnet. Die Flur Riesenkanzel zieht sich vom unteren Ende der Felsen den Berg hinauf. Die Siegfriedsquelle ist überraschenderweise nicht eingetragen.
Weiter nach Osten befindet sich im Norden der Riesensessel, an die Flur "Am Riesensessel" schließt sich östlich Flur "Am langen Stein" an. Dort ist "der lange Stein" in einem stilisierten Steinbruch eingezeichnet, außerdem die Schlangensäule.
Südlich schließt sich östlich der Riesenkanzel die Flur "Am Rehwechsel" an, heute völlig unbekannt.
Ganz im östlichen Teil der Karte liegt die Flur "Im alten Garten". Dieser Flurname findet sich auch in der Flurkarte von Philipp Buxbaum für Beedenkirchen und Reichenbach sowie in der Beedenkirchener Flurkarte um 1840 von Geometer Röder. Der alte Garten liegt direkt westlich des ausgegangenen Dorfes Grauelbach und muß zum inneren Ortsbereich gehört haben. Die Hofreiten der Dörfer waren in Ringen umgeben: zuerst kamen die Gemüseäcker und Baumwiesen, die zum Garten (lat. hortus der Hort, Bedeutung "umzäunt" gegen Wildtiere) gezählt wurden. Alte Flurnamen wie Bangert (Baumgarten) zeugen noch davon. Im zweiten Ring folgten die Feldfluren und Waldbestände.
Diese Karte wurde 1883 gezeichnet, nur vier Jahre nachdem die ersten neuzeitlichen Steinarbeiter auf der Wanderschaft durch den Odenwald kamen und den Felsberg-Granit entdeckten (1879). Demnach wurden die heute fehlenden Felsformationen wie dicker Stein, Geisennest, Schlangenstein und Riesenrutsche etc. nicht in den ersten Jahren abgetragen. Lesen Sie dazu auch "2000 Jahre Steinbearbeitung im Felsberg - die Neuzeit"
Johann Wilhelm Grimm, gräflich Erbachischer verpflichteter Geometer zu Reichenbach Grundriß von einer in Reichenbacher Gemarkung Hochgräflich Erbach-Schönbergischer Jurisdiktion gelegenen Waldung, welche der Felsberg benennet wird - Juli 1763 (Übertragung M. Hiller)
Landwirtschaft vor 250 Jahren anhand der Karte des Felsberges von Johann Wilhelm Grimm
Bei einer Führung durch die Gadernheimer Fluren der Neunkircher Höhe im Jahr 2000 erläuterte Georg Grohrock, Geometer aus Gadernheim und inzwischen leider verstorben, interessierten Teilnehmern, welche Flächen vor 250 Jahren noch landwirtschaftlich genutzt wurden, die inzwischen vom Wald zurückerobert worden sind.
Über den ersten Geometer Johann Wilhelm Grimm, der in den Jahren zwischen 1729 und 1750 die Fluren unserer Region vermessen hat, haben wir im Dezemberheft 2020 berichtet. Hundert Jahre später erstellte ein anderer Vermesser Flurkarten von vielen einzelnen Orten im Odenwald: Philipp Buxbaum.
Hier finden Sie seine Flurkarten sowie Auszüge aus seinem handschriftlichen Nachlaß, freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom Hessischen Landesarchiv Abteilung Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, Signatur HStAD O61. An dieser Stelle finden Sie nun jeden Monat eine weitere Flurkarte von Philipp Buxbaum.
Ausführlich können Sie zahlreiche Beiträge über Bergbau und Steinbrüche in meinem Jahrbuch 2022 nachlesen!
Inhalt:
1. Bergbau im Odenwald - Kurioses 2. Das Bergwerk am Hohenstein 3. Die Bergwerksfelder Reichenbach, Heinrich und Alfred 4. Erzabbau im Odenwald: Eisen und Mangan 5. Graphit im Schieferzug Heppenheim - Gadernheim - Laudenau 6. Katzenstein - Bergwerksfeld Bleialf - Knoden 7. Schwerspat, Feldspat und Marmor 8. Elmshausen, Bangertshöhe zwischen Reichenbach und Elmshausen, Borstein und Teufelsstein 9. Silber, Gold und Glimmer 10. Bergrecht im Lauf der Jahrhunderte 11. Uran und Wolfram 12. Heiligkreuzsteinach und die Heiligkreuz-Legende 13. Noch einige Anmerkungen aus Dr. Ludwig Gottfried Klein 14. Begriffserklärungen: nicht immer ist die Sprache der Bergleute leicht zu verstehen... 15. Literatur