In seiner Einweihungsrede zur Wieder-Inbetriebnahme des Alten Rathauses in Reichenbach nach abgeschlossener Sanierung im Jahr 2013 beschrieb Bürgermeister Jürgen Kaltwasser die lange Tradition dieses Gebäudes mitten im Dorf: am 21. August 1601 wurde das Vorgängergebäude feierlich eingeweiht.
Pfarrer Martin Walther hielt damals die Einweihungsrede bei dem Volksfest, „bei dem eine große Mahlzeit abgehalten wurde“. Dazu hatte die Gemeinde von ihrem Korn Brot backen lassen und „teilte auch den Kindern zum Gedächtnis Weck aus“.
Zwischen Bensheim und Reichenbach lagen zehn Tage, und doch wieder nicht...
„Zwischen den Jahren“ - in der Zeit nach Weihnachten und vor dem Dreikönigstag - hielt man innere Einkehr, faßte gute Vorsätze für das kommende Jahr, die Knechte und Mägde wechselten ihre Herrschaft. Für diesen Umzug übrigens wurden einst die Plätzchen erfunden: haltbares Kleingebäck für unterwegs. Zwischen den Jahren, auch Rauhnächte oder Zwölfnächte genannt, hatte man Zeit, um über die Zeit nachzudenken. Und was ist ein Kalender, wenn nicht niedergeschriebene Zeit? Kalender gibt es schon seit der Steinzeit. Stonehenge, die Maya-Knotenkalender, die Pyramiden, Kirchenfenster durch die das Licht zu einem bestimmten Tag auf ein bestimmtes Bild fällt.
Der Schnee des letzten Winters (2013) hat alle geschafft. Wer hätte in Zeiten der Klimaerwärmung mit einem solchen Bilderbuchschnee gerechnet, wie ihn manch einer nur noch aus dem Märchen kennt?
Doch welche Lasten bürdete uns dieser Winter auf: eingestürzte Dächer, Staus und Unfälle, der Müll wurde nicht mehr abgeholt, das Streusalz ging vorzeitig zur Neige, wir fühlten uns eingeschränkt in unserer freien Beweglichkeit, mußten stundenlang Schnee schaufeln - kurz: alles war schrecklich.
Ein ausgestorbener Beruf ist die Knodener Kunst: Das Brauchen und Bannen, die weiße Magie, wird in der Knodener Kunst ausgeübt. Doch weiß heute niemand mehr wie es gemacht wird...
Trotz allem aber gibt es sie noch immer, die Weiße Magie, das Zaubern im guten Sinne im Namen der drei heiligen Namen. Der Begriff "Brauchen" ist aus dem heutigen Sprachgebrauch fast völlig verschwunden, er scheint nur noch als Negativ im Wort „Mißbrauch“ durch. Bis vor einigen Jahrzehnten noch war es in unserer ländlichen Gegend in aller Munde. Wohlgemerkt: nicht jeder konnte „brauchen“, aber jeder wußte worum es dabei geht. Obwohl das Brauchen oft in eine „Schublade“ mit Magie, mit Zaubern oder Hexen gesteckt wird, ist es doch eine eigene Angelegenheit. Im Gegensatz zu den schwarzen Künsten des Verzauberns oder Verhexens, die aus dem altbekannten Kontrakt mit dem Teufel ihre Kraft beziehen, ist das Brauchen eine Kunst zum Guten. Wer das Brauchen anwendet, der Braucher also oder die Braucherin, der muß nämlich zunächst einmal ein gottesfürchtiger Mensch sein. Mit Brauchen werden Krankheiten geheilt, Armut gemildert, Freundschaft gestiftet. Daß es dabei wohl nicht mit rechten Dingen zugeht, schafft keinen Konflikt mit dem christlichen Glauben. Im Gegenteil, der Glaube ist ein fester Bestandteil des Brauchens: glaubt der Behandelte nicht an die positiven Kräfte, so wirkt es nicht.
Ihr kennt doch sicher die Köhlerstochter und Räuberbraut Bawweddsche, oder? Sie hat euch viel zu erzählen...
Bawweddsche meint dazu:
Also eins will ich Ihnen ja mal sagen: die Jahreszeiten sind auch nicht mehr das was sie mal waren! Im August gibts Schokonikoläuse, und im September stehen schon die ausgehöhlten Kürbisse vor den Türen...
Früher, als die Menschen noch ohne elektrischen Strom lebten, da wurde es früher dunkel. Jedenfalls kam es uns so vor. Die Häuser duckten sich in der Dämmerung, zogen die Schultern ein. Drinnen hockten die Menschen und gruselten sich, ließens sich aber zugleich auf der warmen Ofenbank gutgehen. Uns Räubern ging es nicht so gut!
Tourismus einst in seinen Anfängen: die „Fremdenpflege“ - bequeme Spazierwege und saubere Bettwäsche
In Österreich - hier Kärnten - unternahm man um 1900 große Anstrengungen, um die Gäste, die gern und immer stärker zur Erholung anreisten, zu versorgen.
Jede Sommerfrische die etwas auf sich hielt, sorgte mit dem Bau von Wasserleitungen (fließend warmes Wasser!) und Straßenbeleuchtung für den Komfort der Touristen. Die Verschönerungsvereine legten Spazierwege an, sprengten Felsen weg, damit sich „der zarte Damenfuß an keinem Steinchen stoße und steile Wege bequem genommen werden können“ (Cur-Zeitung vom Wörthersee 1897).
Straßen wurden im Sommer gegen Staubentwicklung mit Wasser gespritzt.
Im Februar 2017 wurde gutachterlich festgestellt, daß Lützelbach in der Tat im Jahr 2018 das 700-jährige Dorfjubiläum hatte. Gefeiert wurde dies nicht - sehr zum Betrübnis aller Beteiligten in und um Lützelbach. Der eigens gebildete Arbeitskreis zur Vorbereitung der Feier legte die Arbeit aufgrund mehrfacher Angriffe aus der Bevölkerung nieder und löste sich auf, wie während der Ortsbeiratssitzung vom 9. Februar 2018 erläutert wurde. Geplant war ursprünglich die Steinsetzung am Karl-Röhrich-Platz im Ort. Hier mußte eine Linde entfernt werden, deren Wurzeln die Bausubstanz eines Fachwerkhauses geschädigt hatte. Ein neuer Baum kommt daher nicht in Frage, jedoch könnte der Platz auf andere Weise eine würdige Erscheinung behalten. Ein Ortsrundgang anläßlich der 700-Jahrfeier war ebenfalls geplant. Das naheliegende Eichwäldchen mit dem August-Wondra-Gedenkstein kann und soll weiterhin gepflegt werden. Zusätzlich sollte in der Nähe eine Geopark-Übersichtstafel sowie eine Panoramabank zum Gedenken von Friedel Sauerwein errichtet werden, und als dritter Teil des Festaktes sollte die Urkunde im Bürgerhaus übergeben werden.
Hier geht es um die Frage, ob wir heutigen Bewohner Tourismus brauchen und wollen. Im 19. Jahrhundert wurden Straßen und Hotels gebaut, die erste Blütezeit des Odenwaldtourismus lag um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert. Zum zweiten Mal sorgte Tourismus für Aufschwung und Erschließung nach dem 2. Weltkrieg, doch bald zog es Urlauber in die Ferne, vor allem nach Italien. Der Süden lockte, und im Odenwald ging der Tourismus immer stärker zurück.
Seit wann gibt es Tourismus im Odenwald? Zunächst gab es nur Wallfahrten, Reisen von Kaufleuten, die Walz bei Handwerkern, Kavalierstouren und Bildungsreisen bei Adligen. Für diese Reisen galt: sie waren auf das Ziel hin zweckgerichtet.
Tourismus, auch Fremdenverkehr (zu bevorzugen ist der Begriff Tourismus, denn „Fremdenverkehr“ klingt abweisend, fast fremdenfeindlich...) genannt, entstand erst Mitte des 18. Jahrhunderts, als sich die Reiseliteratur entwickelte.

Der Osterbrunnen 2017, Foto F. Krichbaum
Originelles Kunstwerk vom Milchkannenmaler
Pappenfabrik Brücher in Reichenbach BrücherPappenfabrik Brücher in Reichenbach und weitere MMühlen in Reichenbach
Erinnerungen an Reichenbacher SchwimmbadSErinnerungen an Reichenbacher Schwimmbad
In diesem Beitrag lesen Sie Interessantes vom Ortsbeirat, über die Windkraftanlagen und das Hochwasser vom April 2018, über die Ersterwähnung des Dorfes, die Chronik von Neutsch aus dem Jahr 1956 und "das deutsche Erbübel der Untertänigkeit", die Wirtschaft von Familie Lautenschläger und die Neutscher Kapelle.
Folgende Beiträge finden Sie in meinen Jahrbüchern: Das Durchblick-Jahrbuch: Spinnstubb 2.0, sie sind deshalb nicht alle online zu finden:
- Landwirtschaft nach dem 30jährigen Krieg, der Pest und der folgenden Wirren
- Landwirtschaft in Neutsch: am Beispiel des Neutscher Hofes
- Die Geschichte des Dorfes Neutsch - aus der alten Chronik von 1956
Diesen Beitrag finden Sie neben vielen weiteren spannenden Beiträgen hier: Das Durchblick-Jahrbuch: Spinnstubb 2.0,
- Landwirtschaft nach dem 30jährigen Krieg, der Pest und der folgenden Wirren
- Landwirtschaft in Neutsch: am Beispiel des Neutscher Hofes
- Die Geschichte des Dorfes Neutsch - aus der alten Chronik von 1956
Bereits zur Römerzeit verlief der Weinweg als sogenannte Hohe Straße von Weinheim nach Dieburg über die Neunkircher Höhe. Man nutzte die Höhenrücken für die Fortbewegung, da die Täler sumpfig waren. Gadernheim liegt am Weinweg mitten zwischen zwei Steilstrecken in der Graulbach und der Neunkircher Höhe. Entstanden ist der Ort nach einer Vermutung von Georg Grohrock vielleicht nur als Station am Weinweg. Grohrock brachte übrigens als Bub den Steinarbeitern im Neunkircher Wald das Essen.
Er hat mir über viele Jahre sehr Interessantes über die die alten Dorfgrenzen, Straßennamen in Gadernheim, die Wasserverteilung an den Bächen und die Altstraßen Weinweg, Reiterweg, Hutzelstraße und Hohe Straße erzählt. Der Weinweg als Hohe Straße führte links vom heutigen Weg den Berg hinauf, die Einmuldung ist noch gut zu erkennen (Hohlwegbildung).
- Gerade nochmal gutgegangen: Grube Messel wurde Welterbe anstatt Müllkippe
- Elmshausen: Impressionen
- Elmshausen: wann wurde das Rathaus erbaut?
- Die alte Papierfabrik Tempel
- was wäre Archäologie ohne Müll!!!
- Die Römer im Odenwald
- Von de Schnuut ins Ohr...
- Eine Hartsteinschleifmühle bei Lindenfels
- Die Mühlen in Lautern
- Die Erbacher Mühlordnung von 1769